Manfred Faustmann: „Markt unabhängig von Politik gestalten“

Montag, 05. Februar 2018 | Autor: Joachim Berner

Manfred Faustmann Geschäftsführer Windhager Manfred Faustmann Im Herbst 2017 hat der österreichische Heizkesselhersteller Windhager seine neue Deutschland-Zentrale in Gersthofen eröffnet. Geschäftsführer Manfred Faustmann erklärt im Interview mit Pelletshome.com die Bedeutung des deutschen Pelletsmarktes, die Zusammenarbeit mit Installationsbetrieben und welchen Herausforderungen sich die Branche in Zukunft stellen muss.

Herr Faustmann, mit A++ bis G bewertet: Wie schneidet das Verkaufsjahr 2017 für Pelletsheizungen bei Windhager ab?
Nicht nur in Deutschland haben wir 2017 ein deutliches Absatz- und Umsatzwachstum realisieren können. Besonders freut es mich, dass das Wachstum in allen Bereichen und Gesellschaften durchwegs von der Biomasse getragen war und wir gleichzeitig ein qualitatives Wachstum mit einer weiter verbesserten Ertragsgüte verzeichnen konnten. Um auf Ihren Wunsch der Klassifizierung zurückzukommen, halte ich A für eine sehr passende Bewertung des vergangen Geschäftsjahres, das Ziel A++ natürlich fest im Visier.

Seit April 2017 bekommen Holzheizungen das EU-Energieeffizienzlabel. Pelletsanlagen schneiden mit einer Bewertung von in der Regel A+ gut ab. Achten Verbraucherinnen und Verbraucher darauf?
Das Thema nimmt bis jetzt noch sehr wenig Einfluss auf die Kaufentscheidung, trotz Abbildung des Labels in allen Verkaufsunterlagen und auf Messe- und Ausstellungskesseln. Anders als bei Haushaltsgeräten lassen sich durch das Label keine Rückschlüsse auf die Verbrauchskosten ziehen. Bei einer Heizanlage spielen die Gegebenheiten beim Einbau eine sehr große Rolle für die Effizienz im Betrieb – und die kann das Label, das sich nur auf das Gerät selbst bezieht, nicht berücksichtigen. Diese Situation kann und wird sich ändern, sobald das Label beim Förderantrag und für das grundlegende Inverkehrbringen benötigt wird. Hier haben dann Pellets- beziehungsweise Biomasseanlagen mit Bewertungen bis A++ sehr gute Karten.

Mit Ihrer neuen Deutschland-Zentrale in Gersthofen haben Sie viel in den deutschen Absatz investiert. Warum?
Deutschland ist für uns als Premiumanbieter von hochwertigen Biomasseheizanlagen der Markt mit dem größten Zukunftspotenzial und somit von besonderer strategischer Bedeutung. Während nämlich in Österreich der Verbrauch von Holzpellets pro Einwohner zuletzt bei 100 Kilogramm lag, waren es in Deutschland erst 23 Kilogramm. Das Potenzial ist also vorhanden. Im neuen Unternehmensstandort in Gersthofen stellen wir mit moderner Architektur und großzügigen Beratungs- und Schulungsmöglichkeiten die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft und ein weiteres Wachstum am deutschen Heizungsmarkt.

Wovon hängt der Erfolg der Branche in einem sich technologisch stetig vielfältiger entwickelnden Wärmemarkt künftig ab?
Die Herausforderung besteht darin, den Markt weitgehend unabhängig von den Rahmenbedingungen zu gestalten. Unsere Devise lautet: Wir als Kesselhersteller selbst tragen die Verantwortung für die Nachfrage bei den Heizungsbauern. Es ist an der Zeit, Eigenverantwortung zu übernehmen und nicht reflexartig zu gestrigen und selbstschützenden Argumenten wie dem niedrigen Ölpreis, dem milden Winter, der schlechten Baukonjunktur oder der komplizierten Fördersituation zu greifen. In meinen Augen ist der Heizungsbauer als Kompetenzpartner das ausschlaggebende Erfolgskriterium für die Zukunft unserer Branche. In der Zusammenarbeit mit ihm verbindet uns die Zielsetzung, gemeinsam für eine möglichst hohe Begeisterung bei seinen Heizungsbetreibern in der Region zu sorgen. Ist er erfolgreich, sind wir es auch.

Beschreiben Sie Ihre Zusammenarbeit mit Installationsbetrieben.
Wir sehen den Heizungsbauer als eigenständigen, unabhängigen und von der Kesselindustrie weisungsfreien Fachpartner und Unternehmer, der mit Unterstützung von uns als Geschäftspartner aus der Industrie aktiv für den eigenen Erfolg sorgt. Viele unserer deutschen Partner liefern die besten Beispiele für diese erfreuliche Entwicklung. Wir sehen uns nicht nur als Partner, sondern auch als Erfolgscoach für den Heizungsbauer. Er nimmt sich aus unserem Unterstützungsangebot wie von einem Buffet genau das, was er für seine positive Geschäftsentwicklung benötigt. Ich sehe es als Vertreter der Kesselbranche nicht als unsere Aufgabe an, dem Heizungsbauer im Geschäftsalltag das Lenkrad aus der Hand zu nehmen oder ihn als reinen Franchisenehmer zu positionieren. So oder ähnlich lautenden Branchenmeinungen kann ich persönlich wenig abgewinnen.

Windhager PuroWIN Hackgutvergaser Puro Win Worin sehen Sie technologisch die größten Herausforderungen für die Branche?
Durch das wachsende Umweltbewusstsein wird sicher das Thema Emissionen die Biomasseheizungsbranche besonders beschäftigen. Die vom Gesetzgeber geforderten Grenzwerte werden immer strenger und können mit gängigen Verbrennungstechnologien oft nicht mehr erreicht werden. Windhager hat daher schon vor Jahren den Low-Dust-Brenner für Pellets entwickelt, der selbst die strengsten Emissionsvorgaben in der Praxis – also im Heizbetrieb beim Kunden – und nicht nur am Prüfstand erfüllt. Auch unser Zero-Emission-Hackgutvergaser Puro Win ermöglicht ein beinahe emissionsloses Heizen mit Holz – und das ganz ohne den Einsatz eines Staubabscheiders. Ein weiteres wichtiges Thema für die Heizungsbranche ist die Digitalisierung. Zum Beispiel werden moderne Immobilien immer öfter mit intelligenten Hausleitsystemen ausgestattet. Im Sinne von Plug & Play sollte die Heizung sowohl heizungs- als auch regelungstechnisch die Voraussetzungen für eine einfache Integration in ein bestehendes Heiz- und Hausleitsystem erfüllen.

Moderne Ein- und Zweifamilienhäuser benötigen wegen des hohen Dämmstandards immer weniger Heizleistung. Für Holzkessel wird es ökonomisch schwierig. Liegt die Zukunft bei Mehrfamilienhäusern und kleinen Wärmenetzen?
Die Flamme wird weiterhin Ihren Platz als emotionaler Mittelpunkt im Haus haben. Ich denke, es findet zumindest in der Sanierung wieder ein Umdenken statt, da zu viel Dämmung die „Atmung des Gebäudes“ verschlechtert, was sich negativ auf das Raumklima und teilweise auf die Bausubstanz auswirkt. Eine Automatisierung der Lüftung ist in der Sanierung nur sehr aufwändig zu realisieren und stellt daher meist keine Alternative dar. Ein System mit Verbrennung passt dagegen weiterhin in das Haus. Kleine Wärme- beziehungsweise Mikronetze runden das Angebot aufgrund der mittlerweile technischen Möglichkeiten gut ab. Weil sie sich nachträglich nur sehr aufwändig einfügen lassen, eignen sie sich eher für den Neubau als bei einer Sanierung. In der Modernisierung und Erneuerung der Bestandsanlagen sind noch Millionen von Wärmeerzeugern auf den Stand der Technik zu bringen.

Windhager Kesselproduktion Windhager Kesselproduktion Das Schlagwort, wenn es um die Zukunft ökologischen Heizens geht, heißt Sektorenkopplung. Kraft-Wärme-Kopplung und Kombilösungen werden nach Expertenmeinung immer wichtiger. Sehen Sie das auch so? Wie stellen Sie sich auf die Entwicklung ein?
Auch unserer Erfahrung nach wollen Heizungsbetreiber möglichst unabhängig heizen und sich nicht mehr auf nur einen Brennstoff festlegen. Umfragen haben zudem ergeben, dass die erneuerbaren Energieträger bei der Wärmeversorgung immer beliebter werden. Vor allem der Brennstoff Öl hat mittelfristig ein Ablaufdatum. Hybridsysteme mit erneuerbaren Energien sind daher immer mehr gefragt. Auch Windhager kommt diesem Trend entgegen und bietet mit dem Hybridkessel Duo Win einen besonders effizienten Kessel für die Brennstoffe Holz und Pellets. Auch zukünftig setzen wir bei der Entwicklung neuer Heizlösungen einen Schwerpunkt auf Kombilösungen für erneuerbare Energien.

Mit A++ bis G bewertet: Welche Erwartungen haben Sie für 2018?
Auf jeden Fall A++. Wir sehen in der Biomasseheizung einen großen Zukunftstrend. In unserer oberflächlichen und schnelllebigen Zeit wünschen sich immer mehr Heizungsbetreiber eine Wärmequelle, die ihnen Wohlbefinden und Behaglichkeit vermittelt. Heizungen, die mit Holzbrennstoffen feuern, bringen aus unserer Sicht einen großen emotionalen Vorteil gegenüber Lösungen mit einem eher gefühllosen Kühlschrank-Image mit sich.

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