Manfred Faustmann: „Wir wollen Zero-Emission-Pelletsheizungen bauen“

Dienstag, 21. Mai 2019 | Autor: Joachim Berner

Manfred Faustmann Manfred Faustmann Gleich zweifach feiert der österreichische Heizkesselhersteller Windhager in diesem Jahr. Was und welche Bedeutung die Pelletsheiztechnik im Unternehmen besitzt, erläutert Geschäftsführer Manfred Faustmann im Interview mit Pelletshome.com.

Sie feiern in diesem Jahr zwei Jubiläen. Zum einen eine Milliarde Pellets-Betriebsstunden. Wie kommen Sie auf diese Zahl?
Ganz einfach. Windhager hat in den vergangenen 20 Jahren rund 70.000 Pelletskessel verkauft. Geht man davon aus, dass sie im Jahr durchschnittlich 2.000 bis 3.000 Stunden in Betrieb sind, ergibt sich die beeindruckende Zahl.

Zum anderen feiern Sie 50 Jahre Zentralheizen. 1969 hat Windhager seine ersten wasserführenden Zentralheizungskessel hergestellt, nachdem es zuvor hauptsächlich Etagenherde produziert hatte. Wie kam es dazu?
Die erste serienreife, wassergeführte Zentralheizung geht interessanterweise auf einen findigen Produktionsmitarbeiter zurück. Der damalige Schweißermeister wollte für seinen eigenen Bedarf eine Heizung bauen, welche die Wärme über Wasserleitungen in seiner ganzen Wohnung verteilt. Dazu hatte er kurzerhand einen Etagenherd umgebaut. Er ersetzte den Schamotteinsatz für Festbrennstoffe durch einen Wasserwärmetauscher und einen Heberost. In seiner Wohnung verlegte er Rohre und montierte Radiatoren sowie ein Ausdehnungsgefäß, das damals noch offen war. Das System funktionierte mit Schwerkraft, denn eine Heizungspumpe gab es damals noch nicht. Das war die Geburtsstunde der Windhager Zentralheizung.

Inwiefern hat die Entwicklung das Unternehmen verändert?
Die Zentralheizungstechnologie war wesentlich komplexer als jene der bisher erzeugten Öfen. Deshalb wurde schnell klar, dass an Stelle der Ofenhändler neue Vertriebspartner mit technischer Fachkompetenz notwendig waren. Windhager konzentrierte sich daher immer mehr auf die Zusammenarbeit mit Installationsbetrieben. Die Umstellung im Vertrieb ist dem Unternehmen so gut und schnell gelungen, dass es bereits nach drei Jahren einige hundert der neuen Etagen-Zentralheizungen über die neuen Partner verkaufen konnten. Das war der Beginn der Windhager Kompetenz-Partnerschaft. Sie ist bis heute eine der tragenden Säulen unserer Qualitäts-Philosophie. Das Ziel war und ist es, die Kompetenz ausgewählter Fachbetriebe in Bezug auf Verkaufsberatung, Planung und Montage im Rahmen einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit soweit zu optimieren, dass sie den größtmöglichen Qualitätsanspruch zum Nutzen des Heizungsbetreibers sicherstellen.

Pelletskessel PMX Pelletskessel PMX Bei den Zentralheizungsgeräten handelte es sich um Öl- und Festbrennstoffkessel. Ende der neunziger Jahre entwickelte Windhager dann seinen ersten Pelletskessel, den PMX. Wie groß war der technologische Schritt zu dem neuen Brennstoff?
Windhager wagte sich damals an eine völlig neuartige Heiztechnologie. Denn anders als so mancher Mitbewerber hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrung mit automatischen Festbrennstoffheizungen. Wir standen also vor der Herausforderung, sowohl für die Verbrennung als auch für den Transport der Holzpellets vom Lager zum Kessel neue Lösungen zu entwickeln. Nach zweijähriger, intensiver Arbeit konnten wir dann den ersten serienreifen Windhager Pelletskessel PMX präsentieren – einen Pelletskessel, der sowohl bei Bedienkomfort als auch bei den Verbrennungseigenschaften neue Maßstäbe setzte. Unter anderem ist es uns als erster Anbieter am Markt gelungen, ein besonders flexibles und zuverlässiges Saugsystem zu entwickeln. Mit ihm können die Pellets selbst über kurvige Strecken bis zu 25 Meter weit transportiert werden. Auch Höhenunterschiede von bis zu sieben Metern lassen sich damit einfach überwinden. Unser Saugsystem ist in seinen Grundfunktionen auch heute noch der Stand der Technik.

Vier Pelletskesselgenerationen haben in den vergangenen 20 Jahren die Produktionshallen des Unternehmens verlassen, zuletzt den Biowin2 Touch. Worin unterscheidet er sich von den vorherigen Modellreihen?
In unserem Biowin2 Touch steckt das Beste aus den vergangenen 20 Jahren Erfahrung. Sein umweltfreundlicher LowDust-Brenner arbeitet so effizient und sauber, dass der Betreiber die Aschebox nur ein bis zweimal jährlich leeren muss. Die hohe Zuverlässigkeit wirkt sich auch auf die Serviceintervalle aus. So ist der Biowin2 Touch der erste Pelletskessel, der nur alle zwei Jahre beziehungsweise nach 16 Tonnen Brennstoffverbrauch gewartet werden muss. Sowohl Heizungsbetreiber als auch Fachleute schätzen seine kompakte Bauweise. Inklusive aller Mindestabstände braucht er nur 1,5 Quadratmeter. Der Kessel lässt sich einfach über sein hochwertiges Touch-Display bedienen. Auch die Fernsteuerung mittels Smartphone und der Regelungs-App myComfort ist einfach möglich.

Welchen Anteil am Umsatz erzielt die Pelletssparte heute?
Auf jeden Fall können wir sagen, dass wir den Großteil unseres Umsatzes mittlerweile mit Pelletsheizungen generieren.

Pelletskessel Biowin2 Touch Pelletskessel Biowin2 Touch Worin liegen die aktuellen technologischen Herausforderungen?
Wir sehen zwei große Trends. Erstens in der zunehmenden Digitalisierung. Sowohl die Fernüberwachung und -steuerung als auch die Vernetzung von Heizanlagen mit intelligenten Haustechniksystemen spielt eine wichtige Rolle. Vor dem Hintergrund des wachsenden Umweltbewusstseins und der immer strenger werdenden gesetzlichen Vorgaben liegt in der Optimierung der Verbrennungstechnologie die zweite große Herausforderung. Windhager ist schon heute in der Lage, Holzbrennstoffheizungen herzustellen, deren Emissionen kaum mehr messbar sind. Wir haben uns aber zum Ziel gesetzt, eines Tages Zero-Emission-Pelletsheizungen zu bauen.

Wie schätzen Sie die Situation der Pelletsbranche derzeit ein?
Dazu möchte ich auf die strategischen Herausforderungen für die gesamte Pelletsbranche hinweisen. Denn der dauerhafte Markterfolg kann nur im Team und gemeinsam von allen Branchenmitgliedern gestaltet werden. Jeder einzelne – vom Kesselhersteller und Referenzkunden über den Pelletsproduzenten bis hin zu den Verbänden und Interessensvertretungen sowie dem Gesetzgeber – beeinflusst die Attraktivität der Marke Pellets in der Öffentlichkeit. Aber nur einer nimmt aus unserer Sicht eine wirkliche Schlüsselrolle ein und kann in der Praxis das Fundament für den Erfolg der gesamten Branche legen: das ist der Installateur und Heizungsbauer. Ist er erfolgreich und verkauft einen Heizkessel, so hat die gesamte Branche für die nächsten 15 bis 20 Jahre einen Kunden. Was also ist naheliegender, als die Kräfte der gesamten Branche zu bündeln und den Installateur und Heizungsbauer bestmöglich bei seiner täglichen Überzeugungsarbeit zu unterstützen? Für uns bei Windhager steht der Fachmann daher im Zentrum unserer unternehmerischen Bemühungen.

Die Fragen wurden per Email gestellt.

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