Frank Hettler: “Fossile Energieträger müssten abgewertet werden”

Dienstag, 08. Oktober 2019 | Autor: Joachim Berner

Frank Hettler Frank Hettler Die Anforderungen beim EU-Energielabel für neue Heizungen haben sich Ende September verschärft. Im Interview mit Pelletshome.com erläutert Frank Hettler, Leiter des Informationsprogramms Zukunft Altbau, den Unterschied zwischen dem EU-Energielabel und dem deutschen Effizienzlabel für alte Heizanlagen und worauf Verbraucherinnen und Verbraucher beim Heizungstausch achten sollten.

Herr Hettler, wie kommt das EU-Energielabel Ihrer Einschätzung nach bei Handwerk und Verbrauchern an?
In Handwerkerkreisen ist das EU-Energielabel inzwischen sehr gut bekannt. Händlern obliegt im Rahmen der Kennzeichnungspflicht die Verantwortung, ihre Kunden über die Bedeutung des Labels zu informieren und sicherzustellen, dass alle Heizgeräte korrekt gekennzeichnet sind. Bei den Verbrauchern muss sich das Label erst noch etablieren. Aktive Nachfragen zum Label gibt es nahezu nicht.

Die gleiche Frage stellt sich für das deutsche Label für alte Anlagen?
Beim deutschen Effizienzlabel für Altanlagen ist der Informationsbedarf auch auf Seiten des Handwerks trotz aktiver Informationsarbeit der Fachverbände und Innungen weiterhin groß. Das kann daran liegen, dass das Austauschgeschäft alter Heizungen ohnehin gut läuft und das Label als Austauschmotivation in vielen Fällen gar nicht nötig ist.

Inwiefern unterscheiden sich die beiden Label, was die Bewertungskriterien angeht?
Die Bewertungskriterien der beiden Label unterscheiden sich massiv voneinander. Ein wichtiger Unterschied zwischen dem EU-Label für neue Heizungsanlagen und dem Label für Heizungen älter 1996 ist, dass bei neuen Heizungen auch Verbundanlagen mit unterschiedlichen Energieträgern sowie die Heizungsregelung und eventuelle Speicher einberechnet werden. Das Label zeichnet somit die Anlage als Gesamtheit der einzelnen Bestandteile aus. Bei Altanlagen wird ausschließlich der Wirkungsgrad bei Voll- und Teillast von alten zentralen Öl- und Gaskesseln bewertet. Das bedeutet, dass weder die Heizungsregelung, noch eventuelle Speicher oder Solaranlagen einberechnet werden und somit auch keine Auswirkung auf die Effizienzklasse der Hauptheizung haben.

Wie bewerten Sie die Wirksamkeit der Label hinsichtlich der Installation neuer, ökologischer Heizung beziehungsweise dem Austausch alter, fossiler Systeme?
Die Labels spiegeln insbesondere die Effizienz der Heizungen wider, das heißt den Wirkungsgrad, der bei Verbrennung von zum Beispiel Heizöl erreicht wird. Gasheizungen schneiden unter diesem Aspekt vergleichsweise gut ab, da der Energieträger Gas relativ effizient verbrennt. Eigentlich müssten Heizungsanlagen auf Basis fossiler Energieträger jedoch schon alleine aufgrund der schlechten Zukunftsperspektiven – Stichwort endliche Ressourcen und Kohlendioxidemissionen – deutlich sichtbar abgewertet werden. Zudem sollten Zuschüsse für den Heizungstausch mit fossilen Energieträgern dringend gestrichen und auf Heizungen mit erneuerbaren Energieträgern umgelegt werden.

Energieberatung vor Heizungstausch Energieberatung vor Heizungstausch Was bräuchte es, damit sich mehr Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer für eine effiziente, ökologische Heizung entscheiden?
Dazu bedarf es über die Labels hinaus strengerer gesetzlicher Rahmenbedingungen. Wichtig ist deutlich mehr Information und Aufklärung, um vor allem den Wechsel auf erneuerbare Energieträger voranzutreiben – oder zumindest vorzubereiten. Um Ökoheizungen optimal nutzen zu können, ist ein detaillierter hydraulischer Abgleich genauso nötig wie eine Absenkung des Temperaturniveaus hin zu niederen Heiztemperaturen, zum Beispiel mittels einer Fußbodenheizung.

Auf was sollten Verbraucherinnen und Verbraucher beim Heizungstausch achten?
Vor dem Heizungstausch sollten sie in jedem Fall eine finanziell geförderte Gebäudeenergieberatung in Anspruch nehmen. Die Experten verschaffen sich einen Eindruck vom energetischen Zustand des Gebäudes als Ganzes und machen erst nach einer Prüfung der Gebäudehülle Vorschläge zur passenden Heiztechnik. Dabei lohnt es sich häufig, auch die Heizlast und die Auslegung der Anlage zu überprüfen. Wurden seit dem letzten Heizungstausch etwa Dämmmaßnahmen durchgeführt oder die Fenster getauscht, reicht häufig eine deutlich kleinere Heizleistung aus. Außerdem zeigen Energieberaterinnen und -berater auf, welche zusätzlichen Sanierungsschritte dabei helfen, weitere Energieeinsparpotenziale zu heben.

Aktuelle Informationen zur energetischen Sanierung von Wohnhäusern finden Sie unter www.zukunftaltbau.de oder www.facebook.com/ZukunftAltbau

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