Helmut Schellinger
Preissteigerungen um bis zu 20 Prozent bei Holzpellets – woran liegt das und wie sollten sich Verbraucher*innen jetzt verhalten? Darüber haben wir mit Helmut Schellinger gesprochen. Er ist Geschäftsführer des Brennstoffproduzenten und Lagertechnikherstellers Schellinger KG.
Herr Schellinger, worin sehen Sie Gründe für die Preissteigerungen?
Vorab: Grundsätzlich erschreckt der aktuelle Preisanstieg, weil wir ihn aus einem ungewöhnlichen und historischen Tiefpunkt heraus wahrnehmen. Eine Reihe von Faktoren haben die enorme Preisbewegung bewirkt. Ich will drei nennen: Erstens wird Kohlendioxid (endlich!) zu einer zweiten Währung, die “Müllkippe” Atmosphäre ist nicht mehr kostenlos. Das bedeutet, dass CO2-freie oder -arme Technologien vom Markt aufgewertet und mit einem höheren Preis honoriert werden. Das findet sich bei allen Energieträgern wieder. Zweites werden durch die allgemeine Steigerung im Energie- und Nicht-Energiebereich die Kosten der gesamten Herstellungs- und Verteilkette angehoben, etwa für Strom, Kraftstoff oder Maut. Das sind im Pelletsbereich schnell mal 20 bis 30 Euro je Tonne. Daraus entsteht ein neuer “Sockel”, auf dem die Rohstoffpreise aufsetzten. Letztere haben sich in den vergangenen Monaten aus dem historischen Tief 2021 heraus auf ein hohes Niveau bewegt, das hat mit Pandemieeffekten zu tun. Und drittes kam es zu Rohstoffpreissteigerungen, ausgelöst durch Störungen der Lieferketten.
Handelt es sich auch um Spätfolgen der Corona-Pandemie?
Nur teilweise. Global nicht mehr koordinierte Märkte – am Beispiel der Schnittholznachfrage in den USA und in China zu sehen – bewirken eine Destabilisierung des Mengen- und in der Folge des Preisgefüges. Das hatte zunächst zu den historisch niedrigen Preisen 2021 geführt, jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung. Man kann sagen, dass sich die Ausschläge des Pendels durch die Pandemie erhöht haben.
Stellen Sie negative Auswirkungen auf den Pelletsmarkt fest, dass Kund*innen beispielsweise Aufträge stornieren?
Wir stellen Verunsicherung fest. Es hat ja keiner Freude an steigenden Preisen. Doch die Situation betrifft den ganzen Markt und die Kunden akzeptieren, dass Energie teurer wird. In den meisten Fällen ist die Entscheidung für eine Pelletsheizung ja nicht nur durch den günstigen Preis des Brennstoffs gefallen. In vielen Fällen sind die Nachhaltigkeitsargumente wichtig gewesen. Gerade in der heutigen Zeit wird sich das noch verstärken. Abgesehen davon bleibt die Relation zu den Alternativen weiterhin gut. Es lohnt sich auch aus rein monetärer Sicht nach wie vor mit Pellets zu heizen.
Wie werden sich die Preise in den kommenden Monaten entwickeln?
Ich gehe von einer Beruhigung mit deutlich sinkenden Preisen nach Ende der Heizperiode aus. Wo das Preisniveau liegen wird. lässt sich heute noch nicht vorhersagen.
Was raten Sie Pelletsheizer*innen in der momentanen Situation?
Ich würde schauen, dass ich mit einer kleinen Menge in das Frühjahr komme und den saisonüblichen Abschlag mitnehme. Wenn es irgendwie geht, würde ich mein Lager vergrößern, damit ich in einen Ganzjahreszyklus mit Sommerbelieferung komme. Es gibt da Lösungen, zum Beispiel den Austausch der Entnahmetechnik. Eine Reihe Kunden von uns haben das schon erfolgreich umgesetzt.
Weitere Informationen: www.schellinger-kg.de
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