Sabine L'Eplattenier-Burri
Preissteigerungen um bis zu 20 Prozent bei Holzpellets auch in der Schweiz – woran liegt das und wie sollten sich Verbraucher*innen jetzt verhalten? Darüber haben wir mit Sabine L’Eplattenier-Burri gesprochen. Sie ist Geschäftsleiterin des Schweizer Branchenerbands proPellets.ch.
Frau L’Eplattenier-Burri, was sind die Gründe für die Preissteigerungen auch in der Schweiz?
Der Problematik liegt eine erfreuliche Entwicklung zugrunde. In den vergangenen Jahren stieg der Verkauf von Pelletsheizungen enorm an, so 2021 um sage und schreibe 45 Prozent. Das erfordert dementsprechend einen größeren Vorrat an Holzpellets. Die Branche versucht dieser Entwicklung gerecht zu werden und hat die Produktion zwischen 2015 und 2020 um rund 70 Prozent von 160.000 auf 270.000 Tonnen gesteigert. Der Selbstversorgungsgrad nahm in der Schweiz von 64 auf über 77 Prozent zu. Weiter hatte der letzte Winter so viele Heiztage wie letztmals der Winter 2013/2014. Dies hatte zur Folge, dass die Lager im Sommer in der Schweiz nie ganz gefüllt werden konnten.
Stellen Sie negative Auswirkungen auf den Pelletsmarkt fest, dass Kund*innen beispielsweise Aufträge stornieren?
Kaum. Wir sind nicht direkt an der Quelle zu den einzelnen Lieferanten, haben aber mit etlichen Kontakt und haben keine großen Reaktionen gehört. Es gibt sicher einzelne Stornierungen, aber das sind Einzelfälle. Selbstverständlich ist den Herstellern und Lieferanten wichtig, dass die Branche reagiert und auch in Zukunft genügend Pellets zur Verfügung stellen kann. Wir werden in der Schweiz die Produktion steigern müssen. Der Rohstoff Holz ist genügend vorhanden. Eventuell wird kurzfristig auch der Import von heute 23 Prozent kurzfristig etwas zunehmen.
Wie werden sich die Preise in den kommenden Monaten entwickeln?
Es kann gut sein, dass die Preise wie in den umliegenden Ländern noch weiter steigen, wobei wir davon ausgehen, dass sie sich im Sommer beruhigen werden. Gegenüber den anderen Energiepreisen sind Pellets immer noch sehr günstig. Wir gehen davon aus, dass er in den nächsten Jahren auf einem höheren Niveau als vergangenes Jahr bleiben wird.
Was raten Sie Pelletsheizer*innen in der momentanen Situation?
Als Sofortmaßnahme empfehlen wir, dass Besitzer oder Betreiber von Pelletsheizungen die aktuellen Bestellungen mit ihrem Händler absprechen. Sie sollten ihre Bestellungen nicht erst dann aufgeben, wenn das Lager leer ist. Weiter ist es sehr hilfreich, die Lager erst im kommenden Sommer vollständig aufzufüllen. Für den Winter sollte nur die Menge an Holzpellets bezogen werden, die wirklich benötigt wird. Dieses Vorgehen sichert die Versorgung und führt auch zu einem Preisvorteil für die Kundschaft, da die Pelletspreise normalerweise im Sommer am tiefsten sind. Bei neuen Planungen raten wir, das Brennstofflager genügend groß zu planen, sodass wenn möglich ein Jahresvorrat gelagert werden kann. Das ermöglicht dem Besitzer, das Lager jeweils dann zu füllen, wenn er einen günstigen Preis erzielen kann.
Wie hat sich der Schweizer Holzpelletsmarkt im vergangenen Jahr entwickelt?
Das Jahr 2021 war geprägt von einem enormen Wachstum beim Pelletskonsum und bei der Produktion. Die Verkaufszahlen werden auf 418.000 Tonnen geschätzt. Dies bedeutet eine Zunahme von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Produktion erreichte erstmals 324.000 Tonnen und nahm somit um 20 Prozent zu. Der Import blieb auf dem tiefen Niveau von 2020: Mit knapp 80.000 Tonnen ist nur ein leichter Anstieg von zwei Prozent festzustellen. Die Kesselverkäufe übertrafen im Jahr 2021 alle Erwartungen. Insgesamt wurden 46 Prozent mehr Pelletsheizungen verkauft als im Jahr 2020. Anlagen mit Leistungen zwischen fünf und 20 Kilowatt sowie Heizungen mit 50 bis 100 Kilowatt konnten im Vergleich zum 2020 den höchsten Zuwachs verzeichnen. Die Verkäufe waren im vierten Quartal 68 Prozent höher als im vierten Quartal des Vorjahres.
Weitere Informationen: www.propellets.ch
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