Warum kommen die energetischen Sanierungen in Deutschland nicht voran, obwohl die Zahl der Beratungen stark gestiegen ist? Die Frage erörtert der Gebäudewende-Podcast.
Gebäudewende-Podcast im Gespräch mit Energieexperte Klaus Lambrecht
2025 lag die Sanierungsquote bei lediglich 0,67 Prozent, obwohl die Zahl der Energieberatungen seit 2019 massiv gestiegen ist. Daraus wird deutlich: Weder mangelndes Wissen noch fehlende Beratung sind die Hauptprobleme. Als wesentliche Ursache für den Sanierungsstau identifiziert Klaus Lambrecht, viel zitierter Energieexperte und Leiter des Deutschen Energieberatertages, in Folge 48 des Gebäudewende-Podcast vor allem psychologische Hemmnisse. Für viele Eigentümer stelle eine Sanierung ein großes, komplexes und belastendes Projekt dar, das mit hohen Kosten, organisatorischem Aufwand, Unsicherheit und Störungen im Alltag verbunden ist. Hinzu kommen individuelle Lebenssituationen – etwa unklare Zukunftsperspektiven für die Immobilie oder familiäre Fragen. Diese führen häufig dazu, dass notwendige Maßnahmen aufgeschoben werden.
Förderstruktur verstärkt soziale Ungleichheit
Politische Unsicherheiten verstärken dieses Verhalten zusätzlich. Er spricht dabei unter anderem über psychologische Hürden, politische Rahmenbedingungen und die Komplexität der Projekte. Wirtschaftliche Aspekte spielen zwar ebenfalls eine Rolle – etwa erschwerter Zugang zu Krediten, insbesondere für ältere Eigentümer. Diese sind laut Lambrecht jedoch nicht der Hauptgrund. Gleichzeitig sieht er darin auch Chancen, etwa für generationenübergreifende Sanierungsmodelle. Kritisch bewertet er die derzeitige Förderstruktur, da diese teilweise soziale Ungleichheiten verstärkt und den Mietmarkt zu wenig einbezieht. Den Gebäudewende-Podcast produziert das Energieberatungs-Fachmagazin Gebäude-Energieberater.