Undurchschaubare Fernwärmepreise
Wie sich die Fernwärmepreise bilden, bleibt für Verbraucher:innen häufig unklar. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert deshalb eine bundeseinheitliche Preisaufsicht.
Verbraucherschützer: Es braucht eine Aufsichtsbehörde für Fernwärmepreise
15 Prozent der deutschen Haushalte heizen mit Fernwärme. Im vergangenen Jahr haben sie die Preiserhöhungen besonders getroffen: Während im Jahresdurchschnitt die Preise für Haushaltsenergie um drei Prozentpunkte sanken, stiegen die Fernwärmepreise laut Statistischem Bundesamt um satte 27 Prozent. Das Problem: Verbraucher:innen sind den Preiserhöhungen und Vertragskonditionen ihres Versorgers weitgehend ausgeliefert und können ihren Anbieter nicht wechseln. “Obwohl Wärmenetze natürliche Monopole sind, erfolgt bisher keine ausreichende systematische Kontrolle der Fernwärmepreise und der Preiszusammensetzung”, sagt Florian Munder, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Es fordert deshalb eine verbraucherfreundliche Novellierung der Fernwärmeverordnung sowie eine bundesweite Preisaufsicht zur einheitlichen Kontrolle der Fernwärmepreise
Sammelklage wegen Preiserhöhungen eingereicht
Munder verweist auf auf ein Gutachten des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft und des ehemaligen Vorsitzenden der Monopolkommission, Professor Jürgen Kühling. Es kommt zu dem Ergebnis, dass bei der Regulierung von Wärmenetzen eklatante Defizite bestehen. Ihrer Auffassung nach muss eine Preisaufsichtsbehörde eine Obergrenze für Wärmepreise festlegen und deren Einhaltung kontrollieren. Aus Sicht des VZBV braucht es zudem ein Gesetz, das grundsätzliche Aspekte zur Organisation des Wärmemarkts regelt. “Der Gesetzgeber muss klären, wie die hohen Investitionen, die zur Dekarbonisierung der Wärmenetze benötigt werden, fair finanziert werden können. Denn bezahlbare Fernwärme ist ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Wärmewende“, sagt Munder. Nach drastischen Preissteigerungen hat sein Verband zwei Sammelklagen gegen die Anbieter Hansewerk Natur und Eon sowie Unterlassungsklagen gegen die Stadtwerke Neubrandenburg und Avacon Natur eingereicht.