Ulrike Hollstein: “Grundsätzlich ist die Wärmeerzeugung aus regenerativer Energie gesetztes Ziel”

Mittwoch, 13. Februar 2019 | Autor: Joachim Berner

Ulrike Hollstein Ulrike Hollstein Für ihr Energieplus-Projekt Kamelienstraße im Frankfurter Stadtteil Unterliederbach setzt die Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (BSMF) auf ein integriertes Gesamtenergiekonzept. So verfügen die sechs Mehrfamilienhäuser und sechs Reihenhäuser über einen Anschluss an eine Nahwärmezentrale mit Holzpelletskessel des örtlichen Energieversorgers Mainova. Außerdem versorgen Sonnenkollektoren die Gebäude mit Wärme. Im Interview erklärt Pressesprecherin Ulrike Hollstein, warum der Sonneneinsatz das Projekt besonders macht.

Frau Hollstein, was zeichnet das Energieplus-Projekt in Frankfurt-Unterliederbach aus?
Die Besonderheit des Projekts besteht zum einen in dem ausgeklügelten Gesamtenergiekonzept der Energieplushäuser, zum anderen in der Möglichkeit, Sonnenwärme in das Nahwärmenetz einspeisen zu können. Die Wärmeversorgung erfolgt durch Nutzung von Sonnenlicht in Verbindung mit einem Speichersystem mit unterschiedlichen miteinander korrespondierenden Komponenten: Heizwasser-Großspeicher, Unterstationen mit Bereitschaftsspeichern, Eisspeicher, Wärmepumpen. Das System gewinnt bilanziell gesehen einen jährlichen Wärmeüberschuss. So können Wärmeüberschüsse in den Rücklauf des Nahwärmenetzes eingespeist werden. Alles, was an solarer Energie gewonnen wird, kann so nutzbar gemacht werden. Die Umgebungsbebauung der Energieplushäuser wird durch diese Solarenergie quasi mitversorgt.

Wie wird die Wärme vom Netz an die Wohnungen übergeben?
Innerhalb des kompletten Gebäuderiegels verlaufen Heizwasserleitungen die mit den Unterstationen und den Bereitschaftsspeichern korrespondieren. Die Wärmeübergabe an die Wohnungen erfolgt mittels Heizwasser. Innerhalb einer jeden Wohnung befindet sich eine Übergabestation, die das Heizwasser zur Warmwasserbereitung über Wärmetauscher und zur Versorgung der zusätzlich installierten Heizkörper nutzt.

Kamelienstraße 4 Kamelienstraße 4 Warum haben Sie sich für diese Lösung der Wärmeübergabe entschieden?
Im Hinblick auf Wärmeverluste durch warmes zirkulierendes Trinkwasser in Rohrleitungen ist diese Lösung die energiesparendste Art des Wärmetransports. Es entfallen die Wärmeverluste für die zentrale Warmwasserbereitung in Verbindung mit den Trinkwarmwasserleitungen und Trinkwasserzirkulationsleitungen. Außerdem ist es eine praktikable Lösung, um die Trinkwasserhygienevorschriften einhalten zu können.

Welchen Vorteil bringt die Solarthermie in einem Wärmenetz?
Grundsätzlich ist die Wärmeerzeugung aus regenerativer Energie gesetztes Ziel. Die Möglichkeit, solarthermische Energie in einem Wärmenetz zu speichern, reduziert die Kosten zur Wärmebeschaffung und den Kohlendioxidausstoß. Des Weiteren entlastet die Art der Wärmespeicherung die Versorger in der Gesamtliefermenge an Energie in Quartieren und Siedlungen. Spitzenlasten bei der Energielieferung werden reduziert.

Wie stellt sich die Solarthermie wirtschaftlich dar?
Hinsichtlich des Wärmeverbrauchs für Heizzwecke fallen geringe Kosten für die Energie an. Um die erzeugte Energie jedoch zu speichern und zu transportieren, werden technische Anlagen notwendig, die Investitionskosten unabdingbar machen. Die Wirtschaftlichkeit einer Anlage ist abhängig von der getätigten Investition für die ausgewählten Anlagenteilen, der Zuverlässigkeit der Produkte sowie den Folgekosten wie beispielsweise Wartungen und Reparaturen. Hinzuzuziehen in die Betrachtung ist der Vergleich  der ortsüblichen Kosten für den Bezug von Wärme. Eine Betrachtung der Wirtschaftlichkeit der Gesamtanlage in Verbindung mit der Nutzung der einzelnen Wohnungen sowie den erforderlichen Wartungs- und Instandhaltungs- Kosten ist auf Grund der noch kurzen Gesamtlaufzeit der Anlage nur eingeschränkt möglich.

Worin sehen Sie die größten Hemmnisse für solare Wärmenetze?
Hemmnisse sehen wir für die zukünftige Nutzung der Solarthermie keine – wenn die Erzeugung von Wärme sich am Verbrauch orientiert und mit den örtlichen Wärmeversorgern kooperativ gearbeitet werden kann.

Weitere Informationen: www.bsmf.de

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