Viele Atomkraftwerke stehen vor dem Abbruch
In Europa werden bis 2030 neunmal mehr Atomkraftwerke dauerhaft vom Netz genommen als neu gebaut sein. Das hat das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien ermittelt.
Großbritannien hat am meisten Atomkraftwerke stillgelegt
Vor vierzehn Jahren hat sich im japanischen Fukushima einer der schlimmsten Atomunfälle ereignet. Die Katastrophe hat damals zu einem Umdenken in der Energiepolitik geführt. Seitdem sind in Europa 37 Atomkraftwerke dauerhaft vom Netz genommen worden. Das geht aus einer Analyse des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) in Münster hervor. Es hat dazu Daten der Internationalen Atomenergieagentur und aktuelle Stilllegungspläne der europäischen Länder ausgewertet. “Die Vorstellung einer raschen Renaissance der Atomenergie in Europa ist unrealistisch”, kommentiert IWR-Chef Norbert Allnoch die Ergebnisse. Denn nach Auswertung der Daten wird sich die Zahl der stillgelegten Atomkraftwerke in der Europäischen Union, Großbritannien und der Schweiz bis Ende 2030 auf insgesamt 52 Atomkraftwerke erhöhen. Derzeit werden aber nur drei neue Anlagen gebaut. Bis in sechs Jahren könnten lediglich drei weitere hinzukommen.
Bei der Atomenergie handelt es sich um ein Auslaufmodell
Mit 18 Anlagen hat Großbritannien die meisten Atomkraftwerke vom Netz genommen. Danach folgen Deutschland (17), Belgien und Spanien (je fünf), Schweden (vier), Frankreich (zwei) sowie die Schweiz (eines). 59 der 114 Atomkraftwerke in Europa produzieren bereits seit über 40 Jahren Strom. Auch nach dem Jahr 2030 wird aufgrund des zunehmenden Alters der Atomkraftwerke mit weiteren Stilllegungen zu rechnen sein, während geplante Neubauten wegen der sehr hohen Bau- und Finanzierungsrisiken auf Staatshilfen angewiesen sein werden und weiterhin nur schleppend vorankommen. Selbst im aktuell unwahrscheinlichen Fall eines schnellen Baustarts neuer Atomkraftwerke ist aufgrund der langen Bauzeiten von zehn bis 15 Jahren nicht zu erwarten, dass diese vor 2040 in Betrieb gehen und für die Stromversorgung zur Verfügung stehen können.