Wälder speichern immer weniger Kohlendioxid
Bisher haben Wälder jedes Jahr rund 7,8 Milliarden Tonnen CO₂ aufgenommen – etwa ein Fünftel der menschengemachten Emissionen. Doch ihre Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern, ist zunehmend durch den Klimawandel und menschliche Eingriffe wie Abholzung gefährdet.
PIK: Abnehmende CO₂-Speicherfunktion der Wälder in Klimastrategien berücksichtigen
Eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt, dass Klimastrategien die möglicherweise abnehmende Fähigkeit der Wälder, Kohlendioxid zu binden, berücksichtigen müssen. Andernfalls könnte das Erreichen der Pariser Klimaziele erheblich schwieriger, wenn nicht unmöglich werden – und deutlich teurer. „Wer Klimaschutz auf die lange Bank schiebt, muss mit unverhältnismäßig höheren Kosten rechnen“, erklärt Michael Windisch, Hauptautor der in Nature Communications veröffentlichten Studie und Gastwissenschaftler am PIK. Derzeit würden die Klimastrategien daraufsetzen, dass Wälder nicht nur erhalten bleiben, sondern ihre Fläche sogar zunimmt. Doch angesichts von immer mehr Waldbränden und der anhaltenden Abholzung im Amazonasgebiet hält er das für ein riskantes Spiel. Zudem gefährde der Klimawandel selbst die enormen Kohlenstoffspeicher der Wälder.
Abwarten beim Klimaschutz wird teuer
Laut der Studie könnte es die Klimaziele gefährden, wenn Maßnahmen zur Emissionsreduzierung sowie zum Schutz und zur Überwachung der Wälder hinausgezögert werden. In der Studie untersuchten die Forschenden, wie die Klimaziele erreicht werden können, wenn Wälder weniger Kohlendioxid speichern als bisher. Unabhängig vom Ausmaß des Waldschadens zeigt die Studie, wie hoch die Kosten des Nichtstuns ausfallen können. Schon eine Verzögerung von fünf Jahren würde die erforderlichen Maßnahmen zur Kompensation des verlorenen Kohlenstoffs deutlich verschärfen und die Kosten etwa verdoppeln. Die Emissionen im Energiesektor müssten deutlich schneller sinken, begleitet von einer fast verdoppelten Kapazität für negative Emissionen – was wiederum mehr Land beanspruchen würde, so die Autoren. Am Ende würden die Gesamtkosten erheblich ansteigen, und die Wirtschaft fast doppelt so stark betroffen sein wie bei sofortigem Handeln.
Wälder besser schützen
Die Studie zeigt außerdem, dass aktuelle Modelle möglicherweise zu optimistisch sind, was die zukünftige CO₂-Speicherung in Wäldern angeht. Sie berücksichtigen Störungen nicht ausreichend, überschätzen den Düngeeffekt von Kohlendioxid und unterschätzen die Abholzung. Schnelles Handeln sei den Forschenden zufolge nötig, um Klimafolgen abzumildern, Kohlenstoffspeicher zu sichern und steigende Kosten zu vermeiden. „Wälder sind keine unerschöpfliche Ressource. Es ist wichtig, frühzeitig zu erkennen, wenn ihre Speicherfähigkeit nachlässt“, erklärt Florian Humpenöder, PIK-Wissenschaftler und Mitautor der Studie. Er betont zudem die Notwendigkeit eines stärkeren Waldschutzes und einer schnelleren Dekarbonisierung. Da Wälder möglicherweise weniger Kohlendioxid speichern als erwartet, seien realistische Prognosen zur Kohlenstoffspeicherung unerlässlich.