Michael Bilharz: “Behalten Sie Ihre persönliche CO2-Bilanz im Blick”

Freitag, 28. Februar 2020 | Autor: Joachim Berner

Dr. Michael Bilharz Dr. Michael Bilharz Egal, ob beim Einkaufen, beim Verreisen oder beim Heizen der eigenen vier Wände: Bei allem was wir tun, hinterlassen wir unseren ganz persönlichen ökologischen Fußabdruck. Wie Sie Ihren eigenen Kohlendioxidausstoß berechnen und senken können, erklärt Dr. Michael Bilharz vom Umweltbundesamt (UBA) im Interview.

Herr Bilharz, wie schneidet Deutschland im Vergleich zu anderen Nationen beim Kohlendioxidausstoß pro Kopf und Jahr ab?
Der deutsche Pro-Kopf-Ausstoß liegt bei 11,6 Tonnen. Das ist deutlich über dem Weltdurchschnitt und deutlich über dem EU-Wert von acht bis neun Tonnen Kohlendioxid pro Person und Jahr. Der Grund: Unser Konsum ist stark auf der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas ausgerichtet. Auch unser Fleischkonsum und die damit verknüpften Methanemissionen liegen überdurchschnittlich hoch. Wir tragen deshalb in Deutschland eine besondere Verantwortung. Aus Gründen des Klimaschutzes müssen wir spätestens bis 2050 auf unter eine Tonne pro Person und Jahr kommen.

Sie appellieren an jeden Einzelnen. Wenn das Verzicht bedeutet, wird es schwer werden.
Wichtig ist, dass man nicht nur zuerst auf sich selbst schaut, sondern sich daran erinnert, dass Klimaschutz eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Es geht nicht nur um den eigenen Konsum. Ich kann Kohlendioxid auch bei anderen und mit anderen einsparen. Zum Beispiel, indem ich in bestehende Klimaschutzprojekte investiere und so meinen eigenen Kohlendioxidausstoß kompensiere. Oder indem ich mich finanziell beim Ausbau erneuerbarer Energien beteilige. Das ist oft einfacher und wirkungsvoller, als mit einem schlechten Gewissen kleine Einsparmöglichkeiten im Alltagskonsum detektivisch aufzuspüren.

Wer bei sich selbst ansetzen will: Wie gehen sie oder er am besten vor?
Das geht am besten mit einem Blick auf die Maßnahmen, die besonders viel Kohlendioxid einsparen können. Fragen sie sich: Beziehe ich Ökostrom? Nutze ich für Kurzstrecken mein Fahrrad? Ist mein Haus gut gedämmt? Kaufe ich Bioprodukte? Was auch effektiv ist: Weniger tierische Lebensmittel konsumieren. Oder beispielsweise mit dem Giro-Konto zu einer ökologischen Bank wechseln. Oder Mitglied in einem Klimaschutzverband werden. Vor allem aber gilt: Seltener ins Flugzeug steigen.

UBA-CO2-Rechner UBA-CO2-Rechner Wird das unser Leben aber nicht komplett auf den Kopf stellen?
Nein. Auch wenn wir klimaneutral leben, wird der Strom weiterhin aus der Steckdose kommen. Wir werden auch zukünftig automobil sein. Aber wir müssen die Strukturen und Anreize, die unser Verhalten lenken, so verändern, dass klimafreundliches Verhalten den Normalfall darstellt. Das gilt für die gesellschaftlichen Strukturen wie für die Alltagsstrukturen. Ein Beispiel: Wer ein Auto hat, der nutzt es auch – alleine schon deshalb, weil es fahrbereit vor der Türe steht. Bei Car-Sharing hingegen fährt man das Auto nur, wenn man es wirklich braucht.

Vielen dürfte gar nicht bewusst sein, wie viel Kohlendioxid sie produzieren. Wie lässt sich das klar vor Augen führen?
Grundsätzlich kann man sagen: Je höher das Einkommen, desto höher der eigene ökologische Fußabdruck. Menschen mit einem höheren Einkommen besitzen in der Regel eine größere Wohnung, größere Autos, oft auch mehrere Autos und reisen mehr. Gleichzeitig hat man aber mit einem höheren Einkommen auch mehr Möglichkeiten Kohlendioxid einzusparen. Beispielsweise durch eine ökologische Geldanlage in erneuerbare Energien, energetische Sanierungen oder den Kauf von Bio-Produkten. Das heißt: Geld kann gut Kohlendioxid einsparen, neigt aber dazu, höhere Kohlendioxidemissionen zu verursachen.

Wie kann ich herausfinden, wie groß mein ökologischer Fußabdruck ist?
Der lässt sich mit dem UBA-CO2-Rechner in zehn bis 20 Minuten einfach bestimmen. Hilfreich ist, wenn man seine Heiz- und Stromkostenabrechnung parat hat, ebenso den Autokilometerstand. Am Ende geben wir mit unserem Szenario-Tool viele Hinweise, wie man den eigenen ökologischen Fußabdruck verbessern kann und zeigen, was das im Einzelfall bringt. Viele werden überrascht sein, was alles möglich ist.

Weitere Informationen: https://uba.co2-rechner.de

Das Interview hat das Umweltbundesamt zur Verfügung gestellt. Es wurde von der Pelletshome-Redaktion bearbeitet.

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