Martin Ecker: “Holzheizungen verbinden Ökologie und Ökonomie”

Donnerstag, 18. November 2021 | Autor: Joachim Berner

Martin Ecker, Geschäftsführer HDG Bavaria. Martin Ecker, Geschäftsführer HDG Bavaria. Zur Emissionsminderung bei Holzkesseln und ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung haben wir Pelletskesselhersteller befragt. Hier die Antworten von Martin Ecker, Geschäftsführer der Firma HDG Bavaria.

Herr Ecker, der Klimawandel ist neben der Corona-Pandemie das bestimmende Thema in Politik und Gesellschaft. Wie stark profitiert die Pelletsbranche davon?
Natürlich profitiert die ganze Branche und damit auch HDG als Hersteller von modernen Holzheizsystemen davon, dass das Thema Klimaschutz eine immer größere Rolle spielt. Moderne Holzzentralheizungen können ein entscheidender Baustein für eine erfolgreiche Wärmewende sein. Die CO2-neutrale Verbrennung ist aber nicht der einzige Vorteil, der Holzbrennstoffe auszeichnet, denn Pellets müssen beispielsweise auch nicht über tausende Kilometer transportiert werden, sondern schaffen Wertschöpfung in der Region und machen unabhängig von Rohstoffimporten. Holzheizungen verbinden Ökologie und Ökonomie so auf vielfältige Weise.

Holzheizungen stehen wegen Feinstaubemissionen immer wieder in der Kritik. Dabei wird häufig nicht zwischen modernen Pelletsfeuerungen und altersschwachen Kaminöfen unterschieden. Inwieweit stellt das ein Problem dar?
Es ist in der Tat so, dass in der Berichterstattung alle Holzheiztechnologien über einen Kamm geschoren werden. Holzzentralheizungen erzielen jedoch sowohl durch Primärmaßnahmen, beispielsweise die messgrößengesteuerte Luftregelung während der Verbrennung, als auch durch Sekundärmaßnahmen wie Feinstaubabscheider niedrigste Emissionen. Aus diesem Grund werden unsere Zentralheizsysteme als saubere und klimafreundliche Alternative zu Recht auch staatlich gefördert.

Welches Potenzial für weitere Feinstaubemissionsminderungen bei Pelletsfeuerungen besteht aus Ihrer Sicht noch?
Aufgrund des genormten Brennstoffs, ausgereifter Verbrennungstechnik und bewährten Sekundärmaßnahmen müssen sich Pelletheizungen schon heute in Sachen Emissionen vor keinem anderen Heizsystem verstecken. Doch natürlich arbeiten wir an der stetigen Weiterentwicklung von Primär- und Sekundärmaßnahmen. Ergänzend muss man erwähnen, dass die verfügbare Technik aus den DACH-Ländern schon heute weltweit die Maßstäbe hinsichtlich Umweltfreundlichkeit und Effizienz setzt.

Innovationsbonus für Holzheizsysteme Innovationsbonus für Holzheizsysteme Zunehmend geraten auch die Kohlenmonoxid- und Stickoxidemissionen in den Blick. Kommt da eine neue Herausforderung auf die Branche zu?
Im Bereich der Stickoxidemissionen ist dies durchaus zu erwarten, wobei die mengenmäßig bedeutendsten Emissionsquellen für reaktive Stickstoffverbindungen der Verkehr beziehungsweise die Verbrennung fossiler Energieträger und die Landwirtschaft sind. In diesen Fällen werden neue reaktive Stickstoffverbindungen in den Kreislauf eingebracht. Im Fall der Biomasseverbrennung ist die Situation etwas anders. Ähnlich wie beim CO2 wird während des Wachstums des Baums Stickstoff über den Boden, ausgewaschen aus der Atmosphäre, aufgenommen. Bei der Verbrennung werden aus dem im Brennstoff gespeichertem Stickstoff zum Teil Stickoxide, zum Teil molekularer Stickstoff gebildet. Eine Oxidation von Luftsauerstoff findet aufgrund der zu niedrigen Brennraumtemperaturen nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß statt. Insgesamt kommt es also durch die Biomasseverbrennung nicht zu einem Eintrag von zusätzlichen reaktiven Stickstoffverbindungen in den Kreislauf. Auch hier sehen wir noch dringend Aufklärungsbedarf in der Öffentlichkeit.

Die Klimakrise bestimmt schon länger die öffentliche Diskussion. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr dennoch hauptsächlich fossile Heizungen verkauft. Nur bei jeder fünften Anlage handelte es sich um eine Wärmepumpe oder eine Biomasseheizung. Was läuft falsch?
Einerseits wurden und werden fossile Heizsysteme unter dem Stichwort “Renewable Ready” staatlich sogar noch gefördert, was dem eigentlichen Gedanken einer klimafreundlichen Wärmewende im Heizungskeller natürlich nicht zwingend gerecht wird. Andererseits ist es sicher so, dass viele Kunden den kompletten Brennstoffwechsel – etwa von Öl hin zu Pellets – scheuen und aus diesem Grund lieber nur den alten Kessel tauschen und die Peripherie weiter nutzen. Hier liegt es an uns als Hersteller, aber auch an Politik und Verbänden Aufklärungsarbeit zu betreiben und mit Vorurteilen aufzuräumen.

Was erwarten Sie von der neuen Regierungskoalition in Deutschland?
Eine Ampelkoalition gab es bisher noch nicht. Wir erwarten schon, dass der Klimaschutzgedanke in der nächsten Legislaturperiode noch mehr in den Vordergrund gerückt wird. Gerade im Wärmesektor sehen wir weiterhin großes und auch kurz- bis mittelfristig nutzbares Einsparpotenzial in Sachen CO2-Emissionen. Dabei wird es wichtig sein, die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen und nicht zu überfordern. Das ist die Herausforderung vor der die neue Regierung steht.

Worin sehen Sie die wichtigsten Aufgaben der Pelletsbranche in den kommenden Monaten?
Mit dem Klimaschutz rücken auch Holzheizungen immer mehr in den Blickpunkt. Das führt dazu, dass natürlich auch in diesem Bereich immer mehr Fehlinformationen gestreut werden, Stichwort “Massenabholzung der Wälder”. Die Branche muss Fakten diesen Mythen entgegenstellen und den Menschen so vermitteln, dass ein entscheidender Baustein für eine erfolgreiche, CO2-neutrale Wärmewende sind.

Weitere Informationen: www.hdg-bavaria.com

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