Thomas Metzler: “Das Energie-Potenzial von Holz sollte stärker thematisiert werden”

Freitag, 19. Juni 2020 | Autor: Joachim Berner

Thomas Metzler Thomas Metzler Der Schweizer Architekt Thomas Metzler setzt auf Holzfeuerungen. Im Interview erklärt er, warum und wie sie zur Energiewende beitragen. 2003 hat er zusammen mit seiner Frau Caroline Nyffeler Metzler das Architekturbüro Bauatelier Metzler gegründet.

Herr Metzler, Sie realisieren in Ihren Gebäuden meistens eine Holzfeuerung. Warum?
Ich bin in einem Haus mit einer Kachelofenheizung aufgewachsen und habe dadurch eine große Affinität zu Holzheizungen. Ein Kachelofen ist nicht nur ein schönes Objekt, die langwellige Wärmestrahlung entspannt und ist sehr angenehm. Außerdem hat eine Wärmeinsel im Raum etwas sehr Gemütliches. Es ist aber nicht so, dass wir in jedem Haus eine Holzheizung einbauen. Vorwiegend setzen wir Holzheizungen bei Renovierungen und privaten Neubauten ein. Eine Holzheizung – wir bevorzugen Speicheröfen – kann dabei das ganze Haus heizen oder zum Beispiel eine Wärmepumpenheizung optimal ergänzen. In meinem Minergie-P-Haus verwende ich den Speicherofen in den Übergangszeiten oder zur Entlastung der minimal dimensionierten Wärmepumpe.

Wer installiert eine Holzheizung in seinem Haus?
Ich kann da nur für unser Büro sprechen. Dazu muss ich erwähnen, dass wir zu einem großen Teil im ländlichen oder kleinstädtischen Raum tätig sind. Wir verbauen Holzheizungen bei privaten Wohnungsbauten und Umbauten, aber auch bei Ferienhäusern. Unseren Kunden ist neben der Wohnqualität ein ökologisches Heizsystem wichtig. Ein Vorteil sehe ich neben der oben angesprochenen Gemütlichkeit in der Kraft einer Holzfeuerung. Sie kann sehr schnell die gewünschte Temperatur erreichen oder die Grundtemperatur einfach und rasch erhöhen.

Wie beurteilen Sie das Bedürfnis nach einer Holzfeuerung im Haus?
Wenn wir Speicheröfen als Heizsystem oder als Ergänzung zum Heizsystem vorschlagen, kommt das bei den meisten Baufamilien sehr gut an. Mit Holzspeicheröfen ist man unabhängig vom Stromnetz, bekommt die Vorteile der erwähnten langwelligen Strahlung und Gemütlichkeit. Außerdem können schöne Objekte mit starker Ausstrahlung im Raum geschaffen werden.

Das Raumklima und gesundes Bauen stehen heute im Vordergrund. Wie passt die Wohnraumfeuerung dazu?
Das passt. Wir haben schon vor über 15 Jahren Holzfeuerungen als Ergänzung in Minergie-P-Häusern verbaut. Wichtig ist, dass Systeme verbaut werden, welche ihre Wärme langsam abgeben und eine unabhängige Luftzufuhr haben. In einem sehr gut gedämmten Haus einen kleinen leichten Baumarktofen zu verbauen, ist hingegen keine gute Idee. Da überhitzt das Gebäude schnell.

Was braucht es, um mehr Architekten zu überzeugen, Holzfeuerungen in ihren Projekten zu realisieren?
Das große Energie-Potenzial unseres genutzten aber vor allem auch ungenutzten Schweizer Holzes sollte stärker thematisiert werden. Um die Ziele der Energiewende zu erreichen, sollten wir nicht nur auf einen Energieträger setzen. Gerade mit der aufkommenden Elektromobilität wird der Stromverbrauch in der Schweiz stark steigen. Holz als Heizenergie kann einen großen Beitrag leisten, den Stromverbrauch nicht unverhältnismäßig stark ansteigen zu lassen. Ich hoffe, dass das Potenzial erkannt wird und Holzfeuerungen dadurch einen gewichtigen Beitrag leisten können.

Weitere Informationen: www.bauatelier-metzler.ch

Das Interview hat Holzenergie Schweiz zur Verfügung gestellt. Es wurde von der Pelletshome-Redaktion bearbeitet.

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