Volker Lenz: „Biomasse ist der einzige per se speicherbare Energieträger“

Dienstag, 29. August 2017 | Autor: Joachim Berner

An Antworten, wie sich das Potenzial der Biomasse am besten nutzen lässt, arbeitet das DBFZ Deutsche Biomasseforschungszentrum in Leipzig. Zu welchen Ergebnissen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen, erläutert Volker Lenz im ersten Teil unseres Interviews. In zwei Wochen wird er über Rohstoffe der Zukunft berichten. Lenz leitet den Bereich „Thermo-chemische Konversion.

Herr Lenz, bei der Europäischen Pelletskonferenz haben Sie auf den Wandel in der Energieversorgung hingewiesen. Strom- und Wärmemarkt wachsen zusammen, die sogenannte Sektorenkopplung. Doch während die erneuerbaren Energien im Wärmemarkt stagnieren, wächst ihr Anteil an der Stromversorgung immer weiter. Werden wir künftig vor allem mit Strom aus Photovoltaik-und Windkraftanlagen heizen?
Einzelne Studien sagen voraus, dass Photovoltaik und Windkraft letztendlich fast den gesamten Wärmebedarf abdecken werden und die Bioenergie keine Rolle mehr spielen wird. Davon bin ich nicht überzeugt. Was klar ist – und das sehen wir auch bei unseren Überlegungen –, dass die Stromversorgung definitiv in ihrem Schwerpunkt auf Photovoltaik und Windkraft umgestellt wird. Das ist gar keine Frage. Anders lässt sich die Stromwende in Deutschland auch nicht realisieren, denn Wasserkraft und Biomasse sind bei uns begrenzt.

Welche Rolle bleibt der Biomasse künftig in den Heizungskellern?
Seit gut zehn Jahren kann man beobachten, dass Wärmepumpen im Gebäudebereich eine immer größere Rolle spielen. Dadurch kommt es natürlich verstärkt zu einer Sektorenkopplung. Die Fluktuation der erneuerbaren Energien im Stromsektor und die Notwendigkeit, sie über Speicher auszugleichen, schwappen über in den Wärmebereich. An diesem Punkt setzt unsere Perspektive am DBFZ für die Zukunft an. Wir sagen, dass es sich bei der Biomasse um den einzigen per se speicherbaren Energieträger handelt. Ihn können wir gewinnbringend einsetzen, um empfindliche Lücken in der Wärme- und Stromversorgung zu schließen.

Einige Anbieter von Holzheizungen haben in der letzten Zeit neue Entwicklungen zur Kraft-Wärme-Kopplung vorgestellt. Sie reagieren damit auf die Sektorenkopplung. Wie schätzen Sie derzeit das Potenzial ein?
Grundsätzlich denken wir, dass es 2050 vor allem KWK-Anwendungen geben wird – auch im Festbrennstoffbereich. Es gilt natürlich zu differenzieren. Es wird sehr kleine Anwendungen geben, zum Beispiel ein Kaminofen mit einer Wassertasche. Er wird zwar keinen Strom generieren, aber, wenn er intelligent eingebunden ist, den Strombedarf einer Wärmepumpe mindern. Auch so kann die Sektorenkopplung funktionieren. Ansonsten gehen wir entwicklungstechnisch davon aus, dass sich die Heiztechnologie ab 2030 umstellen muss in eine Heiz-und Stromnetz stabilisierende Technologie. Wir sagen dazu Wärme-Kraft-Kopplungsanwendungen, weil der Wärmebedarf von der Menge her zunächst im Vordergrund steht. Wärme lässt sich mit einem Pufferspeicher recht gut über mehrere Tage speichern, der zeitliche Einsatz der WKK-Anlagen wird sich deshalb an den Stromnetzanforderungen orientieren. Diese Technologien müssen aus unserer Sicht kommen, um der Bioenergie eine Überlebenschance in der Breite zu garantieren. Das Schließen der Lücken im Strombereich wird angesichts kostenintensiver Batterien ökonomisch interessant werden.

Abgesehen von klassischen KWK-Anlagen mit Gasmotoren bietet die Pelletsbranche ganz neue Lösungen, Guntamatic beispielsweise die Pellets-Wärmepumpe und Ökofen den Pellets-Stirling, der sich mit einer Photovoltaikanlage kombinieren lässt. Weisen diese Entwicklungen aus Ihrer Sicht in die richtige Richtung?
Aus unserer Sicht sind es genau die richtigen Produktentwicklungen und die richtigen Ansätze.

Auf welchen Markt müssen sich die Kesselhersteller künftig einstellen?
Momentan herrschen im Kesselbereich zwei große Einsatzprinzipien vor: entweder monovalente Anlagen, die eine Wärmenachfrage komplett allein bereitstellen, oder größere, mit irgendeiner fossilen Technologie gekoppelte Anlagen zum Beispiel in Schulzentren oder für kleine Wärmenetze, die 60 bis 70 Prozent des Wärmebedarfs im Grundlastbetrieb decken. Das sind die zwei Hauptschienen und dafür werden Produkte auf dem Markt angeboten. Diese Anwendungen wird es künftig immer noch geben, es werden aber tendenziell immer mehr Kombilösungen mit anderen erneuerbaren Energien an Bedeutung gewinnen. Die Hersteller müssen also flexibel auf verschiedene Anforderungen in der Kombination reagieren können und dafür ihre Produktpalette anpassen, sowohl in der Leistung als auch in den Möglichkeiten der technischen Einbindung und dem gemeinsamen optimalen Betrieb.

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