Die MW Biomasse AG aus Irschenberg vermarktet seit zehn Jahren Pellets aus regionalen Rohstoffen. Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen Zusammenschluss mehrerer Unternehmen der Forst- und Landwirtschaft. Im Gespräch mit Pelletshome.com geht Vorstand Sebastian Henghuber auf die Marktentwicklung der vergangenen Jahre ein.
Herr Henghuber, wie schätzen Sie die aktuelle Lage auf dem Pelletsmarkt ein?
Die Lage auf dem Pelletsmarkt ist aktuell sehr ruhig. Die Lagerkapazitäten bei den Herstellern sind groß und damit gibt es gute Preise.
War es vor zehn Jahren einfacher oder schwieriger, Pellets zu verkaufen?
Vor zehn Jahren war es schwieriger, da Pelletsheizungen erst am Kommen waren. Aktuell zeichnet sich eine leichte Flaute beim Neubau von Pelletsheizungen ab. Leider verleitet der günstige Ölpreis gerade zu Neuinvestitionen in Ölheizungen. Ich denke, dass man sich bei einer langfristigen Investition nicht von kurzfristigen Ereignissen verleiten lassen sollte. Die vergangenen zehn Jahre haben gezeigt, dass Pellets die komfortable, CO2-neutrale und krisensichere Wärmequelle sind.
In welchem Marktsegment machen Sie gerade mehr Dynamik aus: bei Privat- oder bei Gewerbekunden?
Das ist für mich schwer abzuschätzen, aber ich denke das Privatkundengeschäft ist momentan dynamischer.
Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Privathaushalte haben kleinere Heizungen und legen mehr Wert auf sehr gute Brennstoffqualität. Außerdem bevorzugen sie häufig Pellets aus der Region. Für genau das steht die MW Biomasse AG. Größere Heizwerke beziehen oft Industriepellets, bei denen Regionalität und Qualität keine Rolle spielen. In diesem Segmentsehen wir nicht unser Kerngebiet.
An der MW Biomasse AG sind sechs verschiedene Unternehmen der regionalen Forst- und Landwirtschaft beteiligt, unter anderem die Waldbesitzervereinigungen Holzkirchen, Rosenheim und Traunstein. Wie ist es zu dem Zusammenschluss gekommen und mit welchem Ziel?
Bei unseren Gründerfirmen handelt es sich um land- und forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse, die vor 50 Jahren von Bauern als Selbsthilfeeinrichtungen gegründet wurden. Im Jahr 2006 erkannte man die Entwicklungen der Holzenergie und beschloss, eine gemeinsame Firma für die regionale Vermarktung von Energieholz und für Wärmecontracting mit Holzheizwerken zu gründen. Den Beteiligten war bewusst, dass das nur gelingt, wenn man sich in einem starken Verbund spezialisiert und professionalisiert. Das oberste Ziel ist die Vermarktung von Energieholz aus unserer Region. Dazu gehören Pellets, die aus den Sägewerken stammen, an die unsere Waldbauern ihre Stämme verkaufen. Genauso die Hackschnitzel, die bei der Waldpflege anfallen. Die Hackschnitzel werden in unseren teils eigenen Heizwerken zu Wärme veredelt. Die Wärme liefern wir über unsere Nahwärmenetze an die Kunden. Nach zehn Jahren kann man sagen, dass es uns als regionaler Energielieferant gelungen ist, den Markt für Holzenergieprodukte in unserer Region entscheidend mit aufzubauen.
Was macht Ihr Unternehmen aus?
Wir sind der regionale Energiedienstleister und Brennstofflieferant, der für hohe Qualität und Professionalität steht. Mit der Aufgabe, regionale Holzenergie der heimischen Land- und Frostwirte zu vermarkten. Mit diesem Produktportfolio sind wir einzigartig in Deutschland. Wir bieten die komplette Wertschöpfungskette aus einer Hand vom Energieholz im Wald bis hin zum warmen Wasser.
Sie haben kürzlich eine neue Geschäftsstelle in Irschenberg bezogen. Welche Veränderungen sind damit verbunden?
Wir haben hier ein sehr freundliches, lichtdurchflutetes Büro gebaut. Dabei war uns wichtig, dass das Gebäude unsere Leitbilder wiederspiegelt. Das Büro ist ein Holzbau aus massiven Dreischichtplatten aus regionalem Holz und entspricht dem modernen Passivhausstandard. Beheizt wird das Gebäude mit einem Pelletsofen, der uns an kalten Tagen mit der angenehmen Wärme aus Holz empfängt. Es macht einfach Spaß, hier zu arbeiten.
Ihr Unternehmen bietet Wärmecontracting für gewerbliche Kunden und öffentliche Einrichtungen an. Wie fällt die Resonanz aus?
In den vergangenen zehn Jahren hat sich hier sehr viel getan. Anfangs mussten wir noch die Funktionalität erklären und Bedenken ausräumen. Mittlerweile ist die Wärmedienstleistung flächendeckend bekannt und geschätzt. Wir beliefern nicht nur öffentliche und gewerbliche Kunden, sondern auch Privathaushalte und Mehrparteienhäuser. In den vergangenen Monaten spürten wir bei neuen Projekten den Einfluss des günstigen Ölpreises. In unseren bestehenden Netzen ist die Nachfrage ungebrochen beziehungsweise sogar in den vergangenen beiden Jahren noch gestiegen. Und seit Kurzem sind die Anfragen nach neuen Holz-Heizzentralen wieder merklich angestiegen, sodass von Licht am Horizont gesprochen werden kann.
Welche Holzenergie setzen Sie meist bei den Wärmeanlagen für Fabrikgebäude, Kliniken oder Wohnsiedlungen ein?
Hier setzen wir Waldhackschnitzel ein. Umso größer die Leistung der Heizung umso mehr rentiert sich die Investition in eine Hackschnitzelheizung.
Wo sehen Sie den Pelletsmarkt in zehn Jahren?
Ich sehe eine positive Zukunft der Pellets, da sie der CO2-neutrale, regionale Brennstoff sind, der einen vergleichbaren Komfort bietet wie eine fossile Heizung. Die Pellets sind für die Zukunft mehr als gerüstet.