„Nebenprodukte aus der Sägeindustrie werden auch künftig verfügbar sein“

Mittwoch, 14. September 2011 | Autor: Joachim Berner

Die EC Bioenergie GmbH weiht Ende Oktober in Mittenaar zwischen Siegen und Gießen ihr viertes Pelletswerk ein. Außerdem will sie im kommenden Jahr ein Pelletswerk in Frankreich bauen. Die Holding produziert aber nicht nur Holzpellets. Unter ihrem Dach agieren Tochterunternehmen wie die Energiecontracting Heidelberg AG, die Energiedienstleistungen und Energiecontracting anbietet, oder die Bioenergie Handel GmbH, die Pellets und Briketts vertreibt. Im Gespräch mit Pelletshome.com beschreibt Uli Schuler, Geschäftsführer der Bioenergie Handel GmbH, wie die einzelnen Firmen zusammenarbeiten, warum ihre Pellets sowohl das DINplus-Siegel  als auch das ENplus-Zeichen tragen und was es mit der neuen Marke wohl&warm auf sich hat.

Herr Schuler, die EC Bioenergie GmbH bietet Holzpellets der verschiedenen Standorte auch nahen Contracting-Kunden an. Wie haben die Industriebetriebe auf Ihr Angebot reagiert?
Die Nachfrage aus der Region ist groß. Der Gedanke, die Nachhaltigkeit durch den regionalen Bezug zu fördern, kommt sehr gut an. Viele Unternehmen betrachten das als Chance, zur Nachhaltigkeit im ökologischen und ökonomischen Sinn beizutragen. Wir sehen den Trend, einerseits in globalen Märkten zu agieren, andererseits lokal Verantwortung zu übernehmen.

Uli Schuler (Foto: Dittmar Koop) Wie funktionieren solche Wärme-Lieferverträge mit Holzpellets?
Ein reiner Pellet-Liefervertrag wird über die Bioenergie Handel GmbH entweder direkt mit dem Kunden oder als Dienstleister über die Energiecontracting Heidelberg AG abgeschlossen. Werden zusätzliche Energiedienstleistungen angeboten, kommt eine direkte Zusammenarbeit mit der Energiecontracting Heidelberg AG zustande.

Was sind ihre Vorteile?
Wir bieten unseren Kunden exakt das, was sie brauchen: Entweder eine umfassende Lösung vom Energiekonzept bis zur Brennstofflieferung im laufenden Betrieb oder eben ausschließlich die Brennstofflieferung. Aufgrund unserer vielen Contractingprojekte wissen wir, welche Brennstoffqualitäten der Markt gerade nachfragt, sodass wir uns darauf einstellen können. Wir arbeiten ständig daran, unsere Pellets für die unterschiedlichen Einsatzzwecke zu optimieren.

Viele Unternehmen kennen Wärmecontracting nicht. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Für viele Unternehmen steht natürlich das eigene Geschäft im Fokus. Da bleibt für andere Bereiche wie die Energieversorgung oft wenig Zeit – auch wenn sie viel Potenzial zur Optimierung bieten. Gerade deshalb ist das Contracting eine Chance sich voll auf das eigene Geschäft konzentrieren zu können. Neben den Einsparungspotenzialen und der CO2-Verringerung ist das der wesentliche Vorteil. Die Zahl der Kunden, die das erkennen, steigt. Aber es könnten noch viel mehr sein. Viele Unternehmen nutzen diese Chance noch nicht.

Wie lässt sich das ändern?
Wir müssen unseren Kunden klar zeigen, wie sie die zunehmende Komplexität in der Energieversorgung mit uns meistern können. Dabei ist die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit einem kompetenten Partner wie der Energiecontracting Heidelberg AG am wirkungsvollsten. Also einem Partner, der das Unternehmen schon bei den ersten Überlegungen beraten kann und am Ende das Konzept umsetzt und betreibt. Wir bieten genau diese Sicherheit und Zuverlässigkeit, denn was wir vorschlagen und umsetzen, müssen wir auch für einen langen Zeitraum betreiben. Das funktioniert nur mit höchstem Anspruch an Kompetenz und Qualität.

Welche Rolle spielen Kraftwerksbetreiber als Brennstoffkunden für Ihr Unternehmen?
Kraftwerksbetreiber bedienen wir mit zum Teil speziell angefertigten Industriepellets, wobei die Einsatzmöglichkeiten im nationalen Markt noch sehr überschaubar sind. Allerdings bieten wir Industriepellets zunehmend gewerblichen und kommunalen Kunden in verschiedenen Qualitäten mit Erfolg an. Wir haben uns damit in den vergangenen Jahren neben dem Verkauf von DINplus- und ENplus Pellets ein wichtiges Marktsegment aufgebaut. Zusammen mit dem Know-how der Energiecontracting Heidelberg AG bieten wir Kunden sogar die Umstellung von DINplus/ENplus Pellets auf Industriequalitäten an. Einige Kunden profitieren bereits von dieser wirtschaftlichen Optimierung.

Als Pelletshersteller haben Sie sich sowohl nach DINplus als auch nach ENplus zertifizieren lassen. Warum?
Neben dem Preis ist auch die Qualität, repräsentiert durch die Zertifizikatssiegel, ein wesentliches Kaufkriterium. Derzeit existieren beide Siegel nebeneinander, wobei wir mittlerweile merken, dass das ENplus-Siegel durch einige Kampagnen des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands verstärkt beim Privatkunden angekommen ist. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Kunden in Zukunft nicht mehr nur nach den beiden Parametern Qualität und Preis kaufen werden. In Endkunden- und Händlergesprächen haben wir festgestellt, dass sich die Kunden einen weitergehenden Rund-um-Service wünschen, den ein Netzwerk von individuellen Akteuren bestehend aus Händlern, Installateuren usw. bieten kann, die unter einer Marke agieren. Eine solche Marke führt die EC Bioenergie GmbH gerade unter dem Namen wohl&warm ein.

Welche Rohstoffe setzen Sie in Ihren Pelletswerken hauptsächlich ein?
Wir setzen ausschließlich Rohstoffe aus der Region ein. Für unsere DINplus- und ENplus-Pellets nutzen wir frische, unbehandelte Späne und Hackschnitzel aus Nadelholz. Für unsere Industriepellets kommen je nach Kundenanlage auch andere Holzqualitäten zum Einsatz.

Wird das in absehbarer Zukunft so bleiben?
Um die heutigen und zukünftigen Schwankungen auf den Rohstoffmärkten zu kompensieren und auch für sich nutzen zu können, hat die EC Bioenergie GmbH frühzeitig sowohl produktions- als auch vertriebsseitig eine auf Flexibilität ausgerichtete Produktstrategie gewählt. Wir können deshalb bereits heute verschiedenste Holzqualitäten und -fraktionen verarbeiten und kundengerecht zu einem einheitlichen Produkt mit klar definierten Eigenschaften herstellen. Zudem beteiligt sich die EC Bioenergie GmbH an unterschiedlichen Forschungsprojekten, beispielsweise mit Kurzumtriebshölzern. In unmittelbarer Nähe zu unserem Standort Hardegsen ist bereits eine Demonstrations- und Forschungsfläche entstanden.

Inwieweit wird sich die Rohstoffbeschaffung auf lange Sicht ändern?
Wir gehen davon aus, dass Nebenprodukte aus der Sägeindustrie in den nächsten Jahren weiter verfügbar sein werden, sie aber weitere Holzqualitäten ergänzen werden, die heute noch eine untergeordnete Rolle spielen. Trotz eines weiter wachsenden Pelletsmarktes richten sich vorausschauende Marktteilnehmer bereits jetzt auf eine zunehmend breiter werdende Rohstoffbasis und auch robuster werdende Pelletsanlagen im Kleinfeuerungsbereich ein. Zudem profitiert die Pelletsbranche schon heute von der seit Jahren zu beobachtenden Abwanderung der Holzwerkstoff- und Papierindustrie aus Deutschland. Viele Rohstoffe aus dem Sägewerksbereich werden deshalb künftig in die Pelletsbranche strömen.

Sie wollen im kommenden Jahr in Frankreich Ihr erstes Pelletswerk im Ausland bauen. Warum dort?
Die exzellenten Rahmenbedingungen eines stark wachsenden nationalen Pelletsmarktes sowie eines prädestinierten Produktionsstandorts haben die Auswahl bestimmt. Das Pelletswerk wird direkt an ein Sägewerk angeschlossen, so dass die Rohstoffversorgung kontinuierlich und ohne großen Transportaufwand gesichert ist.

Planen Sie Werkseröffnungen auch in anderen Ländern?
Aktuell sind keine weiteren Produktionsstandorte außerhalb Deutschlands geplant. Wir sind allerdings dabei, den Standort Kehl bei Straßburg auf über 125.000 Jahrestonnen zu erweitern, um von dort den französischen, schweizerischen und italienischen Pelletsmarkt noch intensiver beliefern zu können.

Weitere Informationen:

www.bioenergie-heidelberg.de

www.ech-heidelberg.de

www.bioenergie-handel.de

www.wohlundwarm.de

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