Robert Laabmayr: “Wir schicken kein Wasser unnötig im System herum”

Montag, 27. April 2020 | Autor: Joachim Berner

Robert Laabmayr Robert Laabmayr Robert Laabmayr hat etwas gegen überbordende Technik und fehlende Effizienz im Heizungsraum. Deshalb hat der gelernte Werkzeugmacher mit seiner Firma LINK3 für Wärmespeicher eine besondere Schichttechnik entwickelt. Im Interview mit Pelletshome.com erklärt er sie.

Herr Laabmayr, worauf kommt es bei Wärmespeichern an?
Ich betrachte den Begriff Speicher als nicht mehr richtig. Denn es gibt bei thermischen Kombispeichern keine Speicherung, ohne dass man das Wasser bewegt. Wir nennen unsere Technologie deshalb Heizwassermanagement.

Das heißt?
Die Qualität eines Speichers ist von seiner Exergie, der nutzbaren Energie, abhängig. Wenn ich fünf Kilowattstunden Energie in einen 1.000-Liter-Speicher einbringe, kann ich das mit einer Temperaturerhöhung über den gesamten Speicher von etwa sechs Grad Celsius realisieren, indem ich den Speicher zum Beispiel von 30 auf 36 Grad Celsius aufheize. Dann werde ich aber keine Freude in der Badewanne haben. Ich kann aber auch nur die oberen 500 Liter von 30 auf 42 Grad Celsius erwärmen oder das obere Drittel auf 48 Grad Celsius. Nun wird schön sichtbar, dass mit der gleichen Energie sehr unterschiedlicher Nutzen erzielt werden kann.

Wie erreichen Sie das?
Damit ich die eingebrachte Energie maximal verwendbar wieder herausnehmen kann, muss der Speicher maximal schichten beziehungsweise über sehr leistungsstarke Wärmetauscher verfügen. Der Massenstrom einer Heizung darf den Speicher außerdem nicht aufmischen. Und der Frischwarmwassertauscher muss den Speicher möglichst tief entladen, um maximale Warmwasserenergie entnehmen zu können. Unsere Technologie bringt all diese Funktionen aufeinander abgestimmt so zusammen, dass sie das beste hydraulische Ergebnis erzielt. Mit ihr optimieren wir Heizungssysteme durch die Bank im zweistelligen Prozent-Bereich.

Systemkombinationen mit Ecolink Systemkombinationen mit Ecolink Wie funktioniert Ihre Speichertechnologie?
Der Feind der Schichtung ist die Vermengung. Sie wird durch unnötige Bewegung im Heizungssystem und speziell im Speicher verursacht. Im Speicher kommen alle Massenströme zusammen. Dort müssen sie voneinander entkoppelt werden. Je besser die eingebrachten oder ausgeschichteten Massenströme in oder aus einer horizontalen Ebene kommen, umso mehr lässt sich Vermischung vermeiden. Zudem ist es die einzige Möglichkeit, Walzenbildung in einem Speicher zu verhindern. Wir haben ein Ein- und Ausschichtkonzept entwickelt, das mit horizontal expandierenden beziehungsweise ansaugenden Quellanschlüssen arbeitet. Damit verhindern wir punktuelle Einmischung und ermöglichen eine horizontale, auf den gesamten Querschnitt bezogene Ein- und Ausschichtung.

Wie schichten Ihre Speicher?
Mit einer neuartigen Schichttrennplatten-Technologie teilen wir das Speichervolumen in drei strömungsentkoppelte Grundtemperaturzonen. Das bedeutet für die Praxis, dass sich großvolumige Systeme für Wärmepumpen und Flächenheizungen komplett strömungstechnisch getrennt mit hochspreizenden Systemen wie Biomasseheizungen und Radiatoren über einen LINK3-Speicher kombinieren lassen – ohne dass sie sich gegenseitig in ihren Temperaturzonen auch nur im Geringsten beeinflussen. Bisher hätte in so einer Situation der Massenstrom der Wärmepumpe oder Fußbodenheizung eine Vermengung des Speichers verursacht und dabei die hohen Temperaturen der Biomasse aufgemischt. Weil das Temperaturniveau durch Vermischung innerhalb kurzer Zeit auf Biomasse-Niveau angehoben wäre, würde die Wärmepumpe deaktiviert. Wir erzeugen also im Speicher ausschließlich laminare, turbulenzfreie Bewegung und bewahren so stets eine perfekte Schichtung.

Welche Rolle spielen speicherintegrierte Wärmetauscher?
Integrierte Rohrbündel sind üblicherweise statische Wärmetauscher – sie liegen sozusagen frei im Sekundärmedium – und bringen nur einen Bruchteil der Leistung von zwangsdurchströmten Plattenwärmetauschern. Diese wiederum befinden sich aber leider außerhalb des Speichers und sind damit der Strömungsproblematik unterworfen. Sie haben außerdem den Nachteil, dass der Rücklauf des Primärmediums bei sinkender Vorlauftemperatur ansteigt. LINK3 hat deshalb den integrierten Gegenstrom-Wärmetauscher entwickelt. Er bietet enorme Leistungen und kehrt gleichzeitig das Entladeverhalten ins Positive um. Er kann durch Warmwasserbereitung den Speicher ausschließlich in Richtung Kaltwassertemperatur entladen. Darüber hinaus sinkt die Entladetemperatur sogar noch weiter nach unten je stärker der Tauscher beansprucht wird. So haben wir bei Spitzen-Warmwasserzapfungen schon Entladetemperaturen bis unter zehn Grad Celsius gemessen. Das heißt, dass die LINK3-Warmwasserbereitung zuerst maximal aus dem gespeicherten Energieinhalt bewerkstelligt werden kann, wodurch die erforderliche Nachladeleistung für die Warmwasserbereitung auf einen Bruchteil reduziert werden kann.

Eignen sich Ihre Speicher für Pelletsheizungen?
Absolut! Wegen folgender Vorteile: Mit gleichem Speichervolumen kann wesentlich mehr Speicherkapazität genutzt werden. Lässt sich beispielsweise ein auf 65 Grad Celsius geheizter Speicher anstatt auf 40 Grad Celsius auf 15 Grad Celsius entladen, dann sprechen wir von einer Verdoppelung der Speicherkapazität. Gleichzeitig lassen sich die Nachlade- und Beladeintervalle massiv verlängern. Versorgungsleitungen können kleiner dimensioniert werden. Dadurch lassen sich Pumpen oder Ventile wesentlich kleiner auslegen. Wir reduzieren Komponenten wie Pumpen, Schaltelemente oder Ventile und senken gleichzeitig den Regelungsaufwand um bis zu 80 Prozent, was sich in verringerten Instandhaltungskosten niederschlägt. LINK3 ermöglicht Hygienesicherheit bei niedrigsten Temperaturen, nämlich schon ab 61 Grad Celsius Speichertemperatur. Last, but not least sparen wir bis zu 30 Prozent Energie, weil sie gezielt zur Verfügung steht und nicht mehr Wasser unnötig auf die Reise geschickt wird.

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