Martin Bentele: “Die Politik hat versäumt, die von ihr beschlossenen Förderungen zu kommunizieren”

Dienstag, 20. Juni 2017 | Autor: Joachim Berner

Warum die Energiewende am Wärmemarkt stockt und weshalb sich Verbraucherinnen und Verbraucher keine Sorgen um die Versorgungssicherheit mit Holzpellets machen müssen, hat Martin Bentele in einem Interview mit der Firma Raiffeisen Bio-Brennstoffe erklärt. Das Gespräch mit dem Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV) dokumentiert Pelletshome.com auszugsweise.

Wie bewerten Sie den Holzpelletmarkt 2017?
Wenn wir uns bei Marktteilnehmern umhören, dann haben wir beim Kesselzubau bisher ein Plus zwischen fünf und zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2016 war schon schwach, deswegen wird auch 2017 kein Superjahr werden. Wir leiden darunter, dass die Energiewende am Wärmemarkt nicht richtig vorankommt.

Woran liegt das?
Es fehlt vor Ort die Berufsgruppe, die die Menschen davon überzeugt, auf erneuerbare Wärmequellen umzustellen. Die Mehrheit der Heizungsbauer ist mit ihrem Alltagsgeschäft, und das sind vor allem fossile Heizungen und Bäder, voll ausgelastet und hat keinen Druck, sich mit der Materie zu befassen.

Für Pelletheizungen gibt es attraktive öffentliche Förderungen. Aber nur wenige Verbraucher wissen davon, zudem sind die Förderrichtlinien schwer überschaubar.
Es gibt sicherlich zehn Prozent der Verbraucher, die die Förderkulisse grob überblicken und sich wegen Spezialfragen dann an einen Fachmann wenden. Aber die meisten wissen eben nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Wir haben an manchen Orten in Deutschland über Bundes-, Landes- und kommunale Förderung die Situation, dass man rund die Hälfte der Investitionskosten erstattet bekommt. Das Problem: Wir haben keine Berufsgruppe, die dem Verbraucher diese gute Nachricht überbringen will. Daran hakt es. Es gibt gute Heizungsbauer, die sich intensiv mit der Materie beschäftigen und sich mit erneuerbarer Wärme auskennen, aber es sind noch deutlich zu wenige. Außerdem hat es die Politik versäumt, die von ihr beschlossenen Förderungen von Beginn an auch zu kommunizieren. Es heißt nicht umsonst: “Tue Gutes und rede darüber”.

Verbraucher, die sich mit einer Umstellung der Heizung beschäftigen, hinterfragen häufig die Versorgungssicherheit bei Holzpellets. Können Sie die Bedenken zerstreuen?
Auf jeden Fall. In deutschen Wäldern stehen die größten Holzvorräte Mitteleuropas. Daraus ergibt sich, dass wir auch die meisten Sägewerke haben. In Deutschland wird das meiste Rundholz eingeschnitten und folglich fällt auch das meiste Sägerestholz an – alleine an Hackschnitzeln und Sägespänen sechs bis sieben Millionen Tonnen im Jahr. Zum Vergleich: Wir produzieren in Deutschland jährlich rund zwei Millionen Tonnen Pellets. Da ist also noch viel Luft nach oben.

Tut der Handel genug, um die Versorgungssicherheit bis zum Verbraucher zu gewährleisten?
Der qualifizierte Handel, und das sind in der Regel die ENplus-zertifizierten Unternehmen, wissen um die Bedeutung der Einlagerung im Herbst für die Versorgungssicherheit und handeln danach. Die Problemfälle findet man eher bei denjenigen Händlern, die Pellets ohne große Überzeugung nebenher verkaufen, aber dann laut schreien, wenn sie wegen ihrer eigenen Kurzsichtigkeit schlecht bevorratet sind.

Viele Handelsunternehmen setzen bei Pellets auf Eigenmarken. Welche Bedeutung hat das für den Markt?
Ich denke schon, dass eine Marke ein wichtiges Instrument der Kundenbindung ist. Sie stärkt das Vertrauen zum Händler und seinem Produkt. Für zehn Euro Preisvorteil wechselt dann niemand mehr so schnell den Anbieter. Das Zusammenspiel zwischen eigener Vertriebsmarke des Handels und ENplus-Zertifizierung funktioniert sehr gut.

Lassen sich die 33.000 zusätzlichen Pelletfeuerungen in 2017 noch erreichen, die Sie Jahresbeginn prognostiziert hatten?
Wir hatten von vornherein zurückhaltende Erwartungen formuliert. Daher gehen wir davon aus, dass wir das schaffen. Diese Zahl umfasst ja auch Öfen. Vor einigen Jahren hatten wir schon 33.000 neue Heizungen jährlich. Unser Anspruch muss es sein, einen jährlichen Anstieg zu bekommen, der in Richtung 50.000 geht, damit sich das Geschäft gut entwickelt.

Wann wird der Holzpelletmarkt nach den eher mageren Jahren 2016 und 2017 richtig anziehen und was muss dafür passieren?
Ich kann das nicht vorhersagen. Wir haben ein marktreifes Produkt, das dem Verbraucher einen vergleichbaren Komfort wie bei fossilen Feuerungen bietet, aber mit dem wir gigantisch viel Kohlendioxid einsparen können – und zwar auf eine sehr wirtschaftliche Weise. Vor diesem Hintergrund bin ich fest davon überzeugt, dass die Energiewende am Wärmemarkt mit Pellets irgendwann kommen wird. Ob das 2030 oder schon früher der Fall sein wird, vermag ich nicht zu sagen. Wir werden natürlich alles dafür tun, dass es so bald wie möglich passiert.

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1 Kommentar

  1. Erich sagt:

    Wenn man sieht wie die Politik (kann nur für Österreich schreiben) den Leuten die sich ein Elektroauto eh leisten können (der Normalbürger kann es sich eh nicht leisten trotz Förderung) das, Geld nachwirft und bei der Erneuerung von umweltfreundlichen Heizungen herumgezögert wird (habe selbst vor ca 4Jahren von Öl auf Pellets mit Solaranlage umgestellt), fragt man sich schon wie, wofür und für wen die Politik denkt. Bin 100% mit meiner Heizung zufrieden.

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