Jacob Fahrenkrug: „Smart Home-Lösungen werden zum alltäglichen Bestandteil des Lebens“

Dienstag, 16. Oktober 2018 | Autor: Joachim Berner

Jacob Fahrenkrug Jacob Fahrenkrug Im Mai hat Viessmann, weltweit agierender Hersteller von Energiesystemen, den Smart Home-Hersteller Wibutler übernommen. Inwieweit die Digitalisierung den Pelletsmarkt betrifft und welche Rolle Biomassekessel in einem Smart Home spielen, erklärt Jacob Fahrenkrug, der Technische Direktor der Viessmann Group VC/O GmbH.

Herr Fahrenkrug, was versteht Ihr Unternehmen unter einem Smart Home?
Viessmann versteht unter Smart Home ein im weitesten Sinne intelligentes Haus. Darin kommunizieren intelligente Komponenten untereinander, beispielsweise der Wärmeerzeuger mit den Raumthermostaten, der Lüftungsanlage oder auch mit der gegebenenfalls vorhandenen Photovoltaikanlage. Zugleich lassen sich diese Komponenten vom Nutzer mit internetfähigen Endgeräten wie Smartphones, Tablets und Sprachassistenten kontrollieren und steuern.

Wie lassen sich Pelletsheizungen in ein Smart Home einbinden?
Mit Vitoconnect 100 bietet Viessmann eine Schnittstelle an, mit der nahezu alle unsere Heizkessel an das Internet und damit auch in moderne Smart Home-Lösungen eingebunden werden können. Das gilt übrigens nicht nur für Neuanlagen, sondern auch für bestehende Anlagen. Die kleine Vitoconnect 100-Box wird dazu einfach per Plug & Play mit der Regelung des Pelletskessels verbunden. Die Verbindung zum Internet über den DSL-Router im Haus ist so in wenigen Minuten hergestellt. Der Betreiber kann dann seine Heizung sehr komfortabel per ViCare-App und Smartphone bedienen. Auf seinen Wunsch hin kann über Vitoconnect 100 die Heizungsanlage von einem Fachbetrieb mit Hilfe des Servicetools Vitoguide für Fernwartung und Serviceeinsätze freigeschaltet werden. Der Heizungsfachmann kann beispielsweise Parameteränderungen zur Optimierung des Heizbetriebs von seinem Schreibtisch aus durchführen und mögliche Störungen frühzeitig erkennen – noch bevor der Anlagenbetreiber es merkt. Das verschafft dem Betreiber ein Höchstmaß an Sicherheit.

Welchen Nutzen haben die Kunden von der fortschreitenden Digitalisierung in der Heizungstechnik?
Wie bereits erwähnt, profitieren die Anlagenbetreiber von Energieeinsparungen, höherem Komfort und einem deutlichen Plus an Sicherheit. So können sie beispielsweise mit der ViCare-App mit wenigen Klicks für jeden Tag der Woche die Schaltzeiten ihrer Heizung individuell einstellen und die Raumtemperaturen an ihren Bedarf anpassen. Das sorgt für deutlich niedrigere Heizkosten bei zugleich höherem Komfort in den eigenen vier Wänden.

Welchen Aufwand betreibt ihr Unternehmen für Datenmanagement und -sicherheit?
Unsere Internet-Schnittstelle Vitoconnect 100 basiert auf einem umfassenden Sicherheitskonzept, das die VDE-Prüfung zu Smart Home-Informationssicherheit erfolgreich bestanden hat. Die Firmware von Vitoconnect 100 wird gemäß den Nutzungsbedingungen regelmäßig aktualisiert, selbstverständlich auch im Falle einer Sicherheitslücke. Das Update wird automatisch eingespielt.
Die Cloud-Server befinden sich bei großen europäischen Rechenzentren, die besonders stark abgesichert sind und deshalb höchste Sicherheitsanforderung erfüllen, zum Beispiel nach ISO 27001.

Inwieweit beeinflussen die Digitalisierung und der Trend zu Kombiheizungen aus Ihrer Sicht die Zukunft des Marktes für Pelletsheizungen?
Pelletsheizungen werden häufig von überzeugten Holzheizern angeschafft, für die eine andere Art der Wärmeerzeugung nicht in Frage kommt. Daher beeinflussen Digitalisierung und das Angebot an Kombi- oder Hybridheizungen den Pelletsmarkt kaum, zumal moderne Kessel problemlos mit dem Internet verbunden und in Smart Home-Systeme eingebunden werden können. Sehr viel stärker beeinflussen die Preisentwicklung bei den Brennstoffen sowie die Attraktivität der staatlichen Förderung den Markt.

Wie sieht ein Smart Home heute aus, wie in Zukunft?
Bereits heute sind viele Haushalte smart und mit einer Reihe von intelligenten Geräten ausgestattet. Im Fokus stehen dabei intelligente Assistenten mit Sprachsteuerung wie zum Beispiel Amazon Alexa und Apple Homekit. Die Möglichkeiten dieser Geräte gehen weit über einfache Funktionen wie etwa das Abspielen von Musik hinaus. Sie können mit einer Vielzahl von Geräten im Haus verbunden werden und diese steuern. In der Zukunft wird Hardware und intelligente Software noch nahtloser miteinander verschmelzen. Die Intelligenz wird nahezu unsichtbar in das Umfeld des Hausbesitzers integriert und Sprach- und Bewegungssteuerung werden physische Interaktionen vollständig ersetzen.

Inwieweit spielt die Verbindung von Strom- und Wärmeerzeugung eine Rolle in einem Smart Home?
Nach dem Willen der Politik muss die Welt bis 2050 ohne fossile Brennstoffe auskommen. Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen wird zum dominierenden Energieträger. Das führt zu einem zunehmend schwankenden Angebot, an das sich der Energieverbrauch anpassen muss. Das kann nur gelingen, wenn die Energieeffizienz erhöht wird und die Verbrauchssektoren Strom, Wärme und Mobilität gekoppelt werden. Strom und Wärme wachsen daher immer mehr zusammen. Aus heutiger Sicht betrifft diese Entwicklung im Wärmesektor vor allem Gas- und Wärmepumpenheizungen. Stromüberschuss lässt sich in Power-to-Gasanlagen zur Erzeugung von Wasserstoff oder synthetischem Methan nutzbar machen, mit dem Gasheizungen betrieben werden. Kommunikationsfähige Wärmepumpen können einen Beitrag zur kurzfristigen Speicherung des Überschussstroms leisten, indem sie ihn in Wärme umwandeln, die in Pufferspeichern bevorratet wird. Aber auch Festbrennstoffkessel können in diesem Szenario eine wichtige Rolle spielen. Zur Wärmeerzeugung benötigen sie nur sehr wenig Strom. Ihr Einsatz kann in Zeiten, in denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, dazu beitragen, die Stromnetze zu entlasten.

Kann man den Bereich Smart Home bereits als Geschäftsfeld bezeichnen?
Innerhalb weniger Jahre wird der Smart Home-Markt ein Volumen von über 50 Milliarden US-Dollar erreichen und Wachstumsraten von 15 Prozent und mehr aufweisen. Es gibt viele Akteure in diesem Markt: von etablierten Branchengrößen wie Apple und Google bis hin zu einer Vielzahl von Start-ups, die versuchen, Nischenanwendungen zu besetzen. Smart Home kann deshalb schon jetzt als Geschäftsfeld bezeichnet werden. Wenn sich einzelne Smart Home-Lösungen erst einmal bei den Nutzern etabliert haben, werden wir erleben, dass sich digitale Ökosysteme bilden, die miteinander verbunden sind und zum alltäglichen Bestandteil des Lebens werden.

Die Fragen wurden per E-Mail gestellt.

Bewerten Sie diesen Beitrag

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 4.5/5 (2 votes cast)
4.552
Schlagworte: , , , ,

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre persönlichen Daten

Ihr Kommentar

Sie haben News für die Pellets-Branche?

Senden Sie diese an news@pelletshome.com

Newsletter
Bleiben Sie immer up to date. jetzt Newsletter abon­nie­ren

schnell und einfach den richtigen Pelletofen finden!

zum Produktfinder

zur Navigation Sprache wählen: Home | Sitemap | English | Français | Italiano

Hauptmenü:

Diese Seite verwendet Cookies, die für eine uneingeschränkte Nutzung der Website nötig sind. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Website finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Dort kann auch der Verwendung von Cookies widersagt werden.
Akzeptieren