Carlo Kallen: “Wärmelieferverträge ergeben eine hohe Kundenbindung”

Freitag, 31. Januar 2020 | Autor: Joachim Berner

Carlo Kallen Carlo Kallen Das Geschäftsfeld Contracting gehört als zentrales Element zur Firmenstrategie des Kommunalversorgers Enercity. Mit seinen Contracting-Unternehmen gehört der Konzern zu den großen Anbietern in Deutschland. Welche Rolle Holzbrennstoffe für Wärmeliefervereinbarungen spielen, erläutert Pressesprecher Carlo Kallen im Interview.

Herr Kallen, in welchen Fällen rechnet es sich, Holz für Wärmecontracting einzusetzen?
Wärmecontracting mit Holz macht Sinn, um einen niedrigen Primärenergiefaktor zu erreichen und somit umweltbewusst zu heizen. Besteht ein konstanter Bedarf – eine Grundlast –, dann kann Holz wirtschaftlicher als Erdgas sein.

Worauf kommt es vor allem an, um Wärmecontracting mit Holz erfolgreich umzusetzen?
Es muss wettbewerbsfähig mit anderen regenerativen und fossilen Energieträgern sein. Ist Wärmecontracting aus Holz die für den jeweiligen Kunden sinnvollste Lösung hinsichtlich Primärenergiefaktor, Kosten, Technik und Betrieb, entscheidet er sich dafür. Speziell bei Holz ist ein störungsfreier Betrieb wichtig und dass ausreichend Lieferanten zur Verfügung stehen, die das Holz in einer guten Qualität liefern.

Inwiefern unterscheiden Sie zwischen Holzpellets und Hackschnitzel?
Holzpellets werden industriell hergestellt. Daher ist der Brennstoff sehr homogen und in gleichbleibender Qualität verwendbar. Mit Holzpellets betriebene Anlagen sind gut regelbar und wenig störungsanfällig. Holzhackschnitzel werden direkt aus Bäumen hergestellt. Hier gibt es stark unterschiedliche Qualitäten, was den Betrieb einer Wärmeanlage erschwert. Auch der Silobetrieb und das Lager sind aufwändiger zu betreiben. Dafür sind Holzhackschnitzel im Einkaufpreis günstiger. In der Regel werden Pellets bei Anlagen bis 500 Kilowatt und Holzhackschnitzel ab 500 Kilowatt eingesetzt.

Welche Gründe sprechen gegen Holz?
Bei der Holzversorgung muss der Bezug sichergestellt sein. Je nach Region gibt es mehr oder weniger Lieferanten. Außerdem ist der Betrieb aufwändiger. Es wird Lagerfläche für das Holz benötigt und die Lieferungen müssen koordiniert und entgegengenommen werden. Zudem benötigt die Wärmeanlage eine Transportvorrichtung, die das Holz automatisch zum Kessel transportiert. Die Abgasreinigung ist relativ teuer. Insbesondere bei Holzhackschnitzel benötigt man aufgrund des größeren Betriebsaufwandes und der höheren Störanfälligkeit Personal vor Ort.

Sehen Sie Unterschiede zwischen Biomasse und fossilen Energieträgern?
Die Abläufe bei der Vertragsverhandlungen und der Planung sind gleich. Unterschiede kommen durch die gewählte Technologie und den hiermit einhergehenden Betrieb zustande. So ist der Lieferant für Holz ein anderer als der für Erdgas.

Für welche Kundengruppe eignet sich Wärmecontracting mit Holz?
Wir bieten Wärmecontracting für Anlagen ab 200 Kilowatt an. Contracting eignet sich für alle Arten der Gebäudenutzung, zum Beispiel im Wohnungsbau oder für Büros, Pflegeheime und öffentliche Einrichtungen. Grundsätzlich beliefern wir daher jede Kundengruppe. Privathaushalte versorgen wir beispielsweise in Form von Einfamilienhaussiedlungen mit Nahwärmenetzen. Für jedes Projekt suchen wir die individuell passende Lösung. Abhängig von den Rahmenbedingungen kann Wärmecontracting mit Holz daher für jede Kundengruppe sinnvoll sein.

Gibt es dabei Unterschiede bei der Vorgehensweise?
Es gibt Unterschiede bei der Art der Vertragsanbahnung. Kommunen schreiben ihre Wärmeversorgung aus. Hier sind oft die Einsatzenergie und der Primärenergiefaktor vorgegeben. Die anderen Kundengruppen schreiben ebenfalls aus oder verhandeln ihre Versorgung direkt mit einem oder mehreren Anbietern. Bei der Umsetzung ergeben sich die Unterscheide aus dem jeweiligen Objekt und der Art der Wärmeversorgung.

Welche Vorteile bietet Wärmecontracting mit Holz für Kunden?
Grundsätzlich übernimmt der Contractor die ganze Abwicklung und den Betrieb. Bei Holz ist der Betrieb sehr aufwändig. Ein weiter wesentlicher Vorteil für Bauträger oder Immobiliengesellschaften ist der geringe Primärenergiefaktor. Ein niedriger Primärenergiefaktor ist wichtig, um gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Holz hat einen Primärenergiefaktor von 0,2, Erdgas dagegen von 1,1.

Welche Vorteile haben Sie als Energieversorger von Wärmecontracting?
Es ist ein neues Geschäftsfeld. Hat ein Energieversorger noch keine Erfahrung mit Wärmecontracting, dann bietet sich eine Kooperation mit einem Contractinganbieter an. Durch eine Kooperation lassen sich neue Kunden gewinnen. Der lokale Energieversorger kennt seine Kunden und deren individuelle Bedürfnisse. Außerdem hat er Erfahrungen bei der Strom- und Gasbelieferung sowie der Betreuung technischer Anlagen. Wir liefern das technische Knowhow und planen die Contracting-Projekte. Im Gegensatz zu Strom- und Gasabsatz sind Wärmelieferverträge langfristiger. Hieraus ergibt sich eine hohe Kundenbindung.

Weitere Informationen: www.enercity-contracting.de

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