Andreas Schuh: “Ich warne vor Internetkäufen”

Dienstag, 19. Dezember 2017 | Autor: Joachim Berner

Der Winter steht vor der Tür. Für ein wohlig warmes Zuhause ist eine funktionstüchtige Heizungsanlage, auf die Verlass ist, das A und O. Andreas Schuh, Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin, informiert im Interview über Fehler beim Start in die Heizsaison, die ideale Raumtemperatur und Käufe im Internet.

Welche Fehler treten bei der Inbetriebnahme der Heizung am häufigsten auf und was sind die Ursachen?
Einer der häufigsten Fehler ist, dass der Wasserdruck nicht mehr stimmt. Wenn eine Heizung über die Sommermonate ausgeschaltet war, fehlt beim Anlaufen häufig der berühmte Schluck Wasser, der nachgefüllt werden muss. Das kann der Fachmann schnell erledigen. Wenn Heizkörper nach der Sommerpause der Heizung nicht ausreichend warm werden, liegt das häufig daran, dass der Stift im Thermostatventil klemmt. Der Handwerker kann den Stift wieder lösen, indem er den Thermostatkopf abschraubt und durch leichtes Klopfen wieder gangbar macht.

Solange die Heizungsanlage läuft, sehen die wenigsten Eigentümer einen Grund, irgendetwas zu ändern.
Auch wenn man nicht gleich den Kessel austauschen möchte, die Anlage optimieren sollte man in jedem Fall, zum Beispiel durch einen hydraulischen Abgleich. Der ist im Grunde ein Muss, um die Anlage effizient zu fahren. Nach meinen Erfahrungen liegen die Einsparungen zwischen zehn und 15 Prozent. Die Optimierung wird sogar vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit 30 Prozent Erstattung auf die Handwerkerrechnung gefördert.

Wass muss bei einem hydraulischen Abgleich beachtet werden?
Nach einem hydraulischen Abgleich kommt es häufig zu Missverständnissen. Denn die Systemtemperaturen der Heizungsanlage sind nach dem Abgleich erheblich geringer. Dies zeigt sich insbesondere an Heizkörpern, die im oberen Bereich heiß sind und sich im unteren Bereich sehr kühl anfassen. Sie haben also eine heiße obere Schicht, eine lauwarme Mitte und eine kältere untere Schicht. Das ist der Idealzustand, denn dann gibt der Heizkörper die optimale Wärme ab, und die tiefe Rücklauftemperatur steigert die Effizienz der Heizungsanlage. Aber gerade deswegen rufen die meisten Kunden an. Ich frage dann immer, ob die Raumlufttemperatur gemessen wurde, denn die ist entscheidend.

Kuschelig warm ist nicht unbedingt effizient. Wie kann ich sparsam heizen und mich trotzdem wohl fühlen?
Die Norm sagt 20 Grad Celsius, aber das ist für den ein oder anderen nicht behaglich. Im Altbau muss man die Raumlufttemperatur häufig auf 22 Grad Celsius stellen, um sich wohl zu fühlen. Im Schlafzimmer reicht den meisten eine Temperatur von 18 Grad Celsius. Generell ist zu vermeiden, dass einzelne Räume oder die ganze Wohnung auskühlen. Studien zeigen: Man muss mehr Energie investieren, um den Raum wieder warm zu bekommen, als wenn man gleichmäßig heizt. Wer in den Urlaub fährt, sollte die Heizung – gerade im Altbau – auf eins stellen. Manchmal reicht auch die Frosteinstellung. Aber ich hatte auch schon einen Fall, da ist in einem sehr kalten Winter die Heizung eingefroren.

Ein paar kleine Reparaturen traut sich der ein oder andere schon mal zu. Hilfe gibt es im Internet. Wann muss in jedem Fall ein Fachmann ran?
Es gibt im Internet seriöse Seiten, wo man sich kleine Tipps für Reparaturen anschauen kann. Weitergehende Arbeiten an der Heizungsanlage sollte wirklich nur der Fachmann übernehmen. Ebenso warne ich vor Internetkäufen. Ich hatte einen Kunden, der hat über das Internet ein Gasheizgerät gekauft und keinen Installateur gefunden, der ihm das einbaut. Unsere Installateure machen das zu Recht nicht. In dem Moment, in dem der Installateur das Gerät anpackt, haftet er für ein Gerät, das er nicht ausgesucht und gekauft hat. Deshalb sollte immer der Vertriebsweg Industrie, Großhandel über den Handwerker eingehalten werden. Dann ist auch der Kunde auf der sicheren Seite.

Das Interview hat die Plattform “Intelligent heizen” des VdZ – Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik zur Verfügung gestellt. Es wurde von der Pelletshome-Redaktion bearbeitet.

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