Stadtgrün: 3-30-300-Regel gegen Hitze
Hitzewellen betreffen besonders urbane Gebiete, in denen sich die Hitze staut. Abhilfe schafft mehr Stadtgrün.
Gegen Hitzeinseln hilft Stadtgrün
Versiegelte Flächen, fehlender Baumbestand und fehlendes Stadtgrün verwandeln Innenstädte immer häufiger in lebensfeindliche Hitzeinseln. Asphalt und Beton speichern tagsüber enorme Mengen Wärme und geben sie nachts wieder ab. Die Folge: Die Temperaturen sinken kaum ab, die Anzahl tropischer Nächte mit über 20 Grad Celsius nimmt zu, Erholung bleibt aus, die Hitzebelastung steigt. Studien zeigen, dass in dicht bebauten Stadtteilen die Lufttemperatur im Sommer um bis zu zehn Grad höher liegen kann als im Umland. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke.
Grün als Klimaanlage: Die 3-30-300-Regel
Um die städtischen Lebensräume widerstandsfähiger zu machen, fordert die Initiative Grün in die Stadt die flächendeckende Anwendung der 3-30-300-Regel. Entwickelt hat sie der niederländische Wissenschaftler Cecil Konijnendijk als einfache Leitlinie für mehr Stadtbegrün:
- 3 Bäume: Jede Person soll von ihrem Zuhause aus mindestens drei große Bäume sehen können. Studien zeigen, dass schon der Blick ins Grüne Stress mindert, die mentale Gesundheit stärkt und die Aufenthaltsqualität steigert.
- 30 Prozent Kronendachfläche: Jede Nachbarschaft soll einen Baumkronenanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen. Ein hoher Kronendachanteil verbessert das Mikroklima, spendet Schatten, reduziert die gefühlte Temperatur um bis zu 15 Grad und senkt die Hitzebelastung nachhaltig.
- 300 Meter zum Grünraum: Jede Wohnung soll maximal 300 Meter von einer größeren, öffentlich zugänglichen Grünfläche entfernt sein. So wird sichergestellt, dass alle Menschen – unabhängig von Einkommen oder Wohnlage – Zugang zu kühlen Rückzugsorten haben.
Barcelona, Malmö und Utrecht haben die Regel bereits als Leitlinie verankert. Und die Weltgesundheitsorganisation sowie Stadtklima-Expertinnen und -Experten empfehlen sie als zentrale Maßnahme zur Klimaanpassung. “Die 3-30-300-Regel bietet dabei eine klare Orientierung: Sie bringt konkrete Ziele für mehr Grün in jede Nachbarschaft”, erklärt Manfred Hansel, Sprecher der Initiative “Grün in die Stadt” und Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Er fordert, die Regel verbindlich in die Stadtplanung aufzunehmen. Gleichzeitig müssten Bund und Länder die Kommunen mit langfristigen Förderprogrammen unterstützen.