Dagmar Gaese
Mischpellets aus 50 Prozent Miscanthus, 50 Prozent Paulownia sowie einem Zusatz an Kalk entsprechen prinzipiell den Anforderungen der europäischen Pelletsnorm EN 14961-2. Das haben Untersuchungen am Institut für Landmaschinentechnik und Regenerative Energien (LTRE) der Fachhochschule Köln und im Forschungsbereich Nachwachsende Rohstoffe der Universität Bonn ergeben. “Die Nachfrage nach Holzpellets ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, daher werden langfristig Substitute zu Pellets aus Waldrestholz benötigt”, erläutert Professorin Dagmar Gaese vom LTRE, warum sie mit Kolleginnen an neuen Rohstoffen für die Pelletsherstellung arbeitet.
Kalk vemindert Schlackebildung
Miscanthus, auch Riesen-Chinaschilf genannt, erreicht in Europa eine Höhe von bis zu vier Metern, ist eine wenig anspruchsvolle, mehrjährige Pflanze und bringt jährlich einen hohen Ertrag. Da Miscanthus beim Verbrennen relativ viel Asche erzeugt und durch einen niedrigen Ascheschmelzpunkt viel Schlacke produziert, kommen Pellets aus 100 Prozent Miscanthus nicht in Frage. Als Hauptzuschlagsstoff verwenden die Wissenschaftler Paulownia, auch unter dem Namen Kiribaum bekannt. Diese sehr schnell wachsenden Laubbäume werden in Plantagen angepflanzt und sind daher eine ideale Ergänzung. “Kalk als Additivum erhöht den Ascheschmelzpunkt und verringert das Problem der Schlackebildung“, erklärt Professorin Christiane Rieker, die im LTRE sowie im neugegründeten, interdisziplinären Cologne Institute for Renewable Energy (CIRE) arbeitet und im Projekt die Verbrennungsprozesse erforschte.
Christiane Rieker
Wissenschaftlerinnen suchen Industriepartner
Bevor Mischpellets aus Miscanthus und Paulownia marktreif werden können, bedarf es noch weitergehender Forschung. Dafür suchen die beiden Wissenschaftlerinnen jetzt Kooperationspartner aus der Industrie. „Beim Mischen der Brennstoffe und bei der Pelletsproduktion konnten wir im Labor gute Ergebnisse erzielen. Diese müssen jetzt bei der Produktion im großen Maßstab bestätigt werden. Erst dann lässt sich auch die Frage beantworten, ob der Energieertrag der Pellets in einem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis zum Energieaufwand bei der Produktion steht“, sagt Gaese. Die Mischpellets könnten in Großfeuerungsanlagen zwar bereits verwendet werden, da dort die Verbrennungsprozesse ständig überwacht würden, für die Nutzung in Kleinfeuerungsanlagen unter 100 Kilowatt Leistung müssten für jede Kesselart aber noch Langzeitversuche durchgeführt werden, um die optimalen Kesselparameter experimentell ermittelt zu können.