Diskussion um Studie über Holzverbrauch in Deutschland

Freitag, 01. Juni 2012 | Autor: Joachim Berner

Der Verbrauch von Holz in deutschen Privathaushalten ist zwischen 2001 und 2010 von zwölf auf 34 Millionen Festmeter gestiegen. Das ist das Ergebnis der Studie “Energieholzverwendung in privaten Haushalten 2010″ der Universität Hamburg. Zwei der insgesamt zehn Verbände, die die Studie finanziert haben, ziehen unterschiedliche Schlüsse aus der Erhebung. Während die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) davor warnt, dass der Holzindustrie der Rohstoff ausgehe, mahnt der Deutsche Energieholz- und Pelletverband (DEPV) vor einer unzulässigen Interpretation der Zahlen. Die zu verzeichnende Steigerung der energetischen Holznutzung gegenüber 2007 sei im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass 2010 mit Abstand das kälteste Jahr in diesem Jahrhundert gewesen sei. Die geringe Zubauquote bei Holzöfen und -kesseln in dieser Zeit lasse ebenfalls keine andere Interpretation zu.

Demgegenüber sieht die AGR durch die zusätzliche Nachfrage nach Energieholz die internationale Konkurrenzfähigkeit der Holzverarbeitungsindustrie gefährdet. “Die AGR ist nicht grundsätzlich gegen eine Verbrennung von Holz”, sagt AGR-Geschäftsführer Denny Ohnesorge. “Jedoch wird mittlerweile bereits die Hälfte des jährlich in Deutschland verfügbaren Holzaufkommens verbrannt, ohne dass daraus höherwertige Produkte hergestellt werden können. Der knappe Rohstoff sollte jedoch möglichst effizient und wertschöpfend eingesetzt werden.” Holzprodukte langfristig zu verwenden, zu recyceln und erst am Ende zu verbrennen, diene dem Klimaschutz und spare jährlich bis zu 13 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. Von der Bundesregierung fordert die AGR deshalb, die energetische Nutzung von verwertbaren Holzsortimenten nicht weiter zu fördern.

“Eine Zunahme der energetischen Holznutzung ist zu begrüßen, kommt sie doch gleichermaßen dem Klimaschutz wie auch dem Verbraucher über die Energiekosteneinsparung zugute. Diese Entwicklung muss mit entsprechender Steuerung in Richtung Effizienz und gutem Emissionsverhalten der Holzfeuerungen fortgeführt werden”, entgegnet DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele. Die Erhebungen der Studie dürften nicht auf eine Weise interpretiert werden, dass die energetische Holznutzung aus 2007 und 2010 einen linearen Verlauf darstellte und daraus ein Trend für die kommenden Jahre hergeleitet werde. „Wenn dies nun kurz nach der Veröffentlichung der Studie von denjenigen Verbänden , die in der Holzenergie einen Marktkonkurrenten sehen, so dargestellt wird, handelt es sich dabei um ein leicht durchschaubares Manöver, mit dem bewusst die Realität verzerrt sowie Politik und Öffentlichkeit getäuscht wird“, sagt Bentele.

Die Studie “Energieholzverwendung in privaten Haushalten 2010″ können Sie im Internet herunterladen unter http://www.rohholzverbraucher.de/sites/aktuelles_pressemitteilungen.php

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2 Kommentare

  1. Im Übrigen muss man erwähnen, dass Energieholz zum überwiegenden Teil (24 Mio. Festmeter) als Scheitholz für Öfen und Holzkessel verbraucht wird (siehe Tabelle). Holzpellets machen mit 1,627 Mio. Festmetern nur einen sehr geringen Anteil daran aus.
    Pelletkessel und -öfen als effektivste und emissionsärmste Art der Holzverbrennung sollte man also nicht mit anderen Holzheizungen über einen Kamm scheren.

  2. Sugel sagt:

    Zwar hat sich der Versorgungsnotstand mit Nadelrohholz noch nicht umfassend gezeigt, jedoch wurde auf der Tagung „Sicherung der Nadelrohholzversorgung“, einer vom Niedersächsischen Kompetenznetz für Nachhaltige Holznutzung (NHN) organisierten Fachtagung, deutlich, dass es ratsam ist, sich mit diesen Aussichten auseinanderzusetzen. Das Problem wiegt umso schwerer, weil gerade Nadelholz, der Treibstoff, der verarbeitenden Industrie ist. Immerhin rekrutiert sich in Deutschland der Schnittholzverbrauch zu 95 Prozent aus Nadelholz. Und da geht es vor allem um die Fichte, die wiederum mit 60 Prozent am Gesamteinschlag des Nadelholzes beteiligt ist. „Die Fichte zu halten, ist eine Mammutaufgabe“, so Björn Seintsch vom Johann Heinrich von ­Thünen-Institut. Getrieben wird die Sorge, dass die hiesigen Forstbetriebe mit der Bereitstellung von Nadelrohholz schon deshalb mit der Nachfrage nicht Schritt halten können, weil auf dem ohnehin schon engen Markt allein in den letzten zehn Jahren zahlreiche neue Verarbeitungsbetriebe entstanden sind und immer mehr Akteure um den heimischen Rohstoff buhlen. Denn zu den bis dahin klassischen Abnehmern, wie der Holzwerkstoff-, der Zellulose- und Papierindustrie, ist die Biomasse-Branche hinzugekommen.

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