Digitale Technologien und Klima
Digitale Technologien gelten als Treiber von Effizienz, Wachstum und Innovation. Ihr Beitrag zum Klimawandel fällt jedoch deutlich größer als bisher angenommen.
Auch digitale Technologien verursachen Treibhausgase
Eine neue Studie des RIFS Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit zeigt, dass digitale Technologien bereits 2021 für rund 4,1 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich waren. Der größte Teil dieser Emissionen bleibt in der öffentlichen Berichterstattung und in offiziellen Klimabilanzen bislang verborgen. Ein internationales Forschungsteam hat deshalb berechnet, welche Emissionen durch die Digitalisierung entstehen. Berücksichtigt haben sie Hardware, IT-Dienstleistungen sowie Kommunikationsinfrastruktur. Die Analyse basiert auf Daten für den Zeitraum von 2010 bis 2021 und erfasst neben direkten Emissionen auch vor- und nachgelagerte Produktionsstufen.
Es wird falsch bilanziert
Zwischen 77 und 87 Prozent der Emissionen entstehen bereits vor der eigentlichen Nutzung oder Bereitstellung einer digitalen Technologie – hauptsächlich in der Herstellung entlang globaler Lieferketten. Diese vorgelagerten Emissionen sind häufig nicht Teil der Berichterstattung in Unternehmen. Auch in den nationalen Klimastatistiken werden Emissionen meist produktionsbasiert erfasst – also dort, wo sie entstehen, nicht dort, wo die entsprechenden Güter und Dienstleistungen konsumiert werden. Zudem werden laut der Studie 42 Prozent der digitalen Emissionen nicht den Digitalindustrien selbst, sondern anderen Wirtschaftssektoren wie Automobilbau, Maschinenbau oder Finanzdienstleistungen zugerechnet.
Künstliche Intelligenz verschärft das Problem
Während die Emissionen klassischer Hardwareproduktion zuletzt leicht zurückgingen, weisen die Forschenden auf einen deutlichen Anstieg der Emissionen bei IT-Dienstleistungen hin. Die Nachfrage nach Cloud-Anwendungen, Rechenleistung und datenintensiven Services habe die Emissionen dieses Sektors seit 2010 um mehr als 60 Prozent steigen lassen. Dieser Trend dürfte durch den rasanten Ausbau von Anwendungen künstlicher Intelligenz weiter verstärkt werden.