Bruno Jordi: „Ich sehe die Entwicklung sehr positiv“

Mittwoch, 19. August 2015 | Autor: Joachim Berner

Seit 2003 produziert AEK Pellet in Balsthal bei Solothurn.  Nun baut der Schweizer Pelletsproduzent ein Holzheizkraftwerk für die Spänetrocknung. Im Interview mit Pelletshome.com erläutert Geschäftsführer Bruno Jordi die Investition und den Schweizer Pelletsmarkt.

Herr Jordi, Sie rüsten die Spänetrocknung in Ihrem Balsthaler Pelletswerk von Erdgas auf Altholz um. Warum?
Aus zwei Gründen. Zum einen aus ökologischen Überlegungen. Es ist sicher besser für die Umwelt, wenn man mit einem erneuerbaren Brennstoff trocknet und nicht mit Gas. Wir haben uns 2003 aus zeitlichen Gründen für einen Erdgasbrenner entschieden. Auch ökonomische Überlegungen spielen eine Rolle. In der Schweiz gibt es eine CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe, die kontinuierlich ansteigt.

Dann hilft die CO2-Abgabe, die Investition in ein Holzheizkraftwerk wirtschaftlich darzustellen?
Das ist richtig. Nur auf der anderen Seite, gilt es zu bedenken: Heute trocknen wir mit Erdgas, morgen nehmen wir Holz. Heute zahlen wir die Erdgaspreise und die CO2-Abgaben, morgen die Holzpreise. Die Abschreibungszeiten für solch ein Kraftwerk sind sehr, sehr lange. Kein Mensch kann sagen, wie sich die Preissituation entwickelt. Die Antwort auf Ihre Frage lautet: Ja, wir gehen davon aus, sonst hätten wir es nicht gemacht, aber die Rahmenbedingungen beeinflussen die Wirtschaftlichkeit.

Woher beziehen Sie die Rohstoffe für Ihre Pelletsproduktion?
In den vergangenen Jahren zu fast 90 Prozent aus der Schweiz. Wegen des aktuellen Umtauschkurses zwischen Schweizer Franken und Euro stammen derzeit noch knapp 80 Prozent von hier. Von Balsthal ist es nur eine dreiviertel Stunde bis zur deutschen Grenze im Norden oder an die französische Grenze im Westen. Deshalb beziehen wir auch aus dem französischen Jura und aus dem süddeutschen Raum.

Und woher wird das Altholz für Trocknung stammen?
Es wird mit einem sehr hohen Anteil aus der Schweiz kommen, sonst wäre der Transport zu teuer.

Wie hat sich der Pelletsmarkt in der Schweiz aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren entwickelt?
Wir haben den Schweizer Markt durch den Bau unseres Werks maßgeblich beeinflusst. Wenn Sie die Anzahl der Pelletsheizungen anschauen, dann hat der Markt sehrt konstant zugenommen – jedes Jahr um zehn bis 15 Prozent. Es gab nie diesen Hype wie in Deutschland und Österreich.

Wenn Sie den Pelletsverkauf von vor zehn Jahren mit heute vergleichen. Ist es heute schwieriger oder einfacher geworden?
Es war immer schwierig. Es ist kein einfacher Markt für einen Pelletsproduzenten. Der starke Schweizer Franken bereitet uns derzeit sicher Schwierigkeiten. Wir haben zudem Wertschöpfungskosten, die wesentlich teurer sind als im übrigen Europa. Die Preise auch in der Schweiz werden ganz stark von Deutschland beeinflusst. Teilweise sackt der Preis dort auf einen Schlag um 15 Prozent. Dann müssen auch wir mit den Preisen runter. Das ist für uns nicht einfach.

Ihre Schweizer Kundschaft kauft also auch in Deutschland ein?
Das ist so. Die Preise sind heute durch das Internet so transparent geworden, dass ein Schweizer Kunde sagt: „Ich kaufe weiterhin gern bei dir, aber schau mal, in Deutschland ist es durch den Euro so viel günstiger geworden. Ich kaufe schon lieber bei dir, aber du musst etwas an deinem Preis machen.“

Wie wichtig ist das Exportgeschäft angesichts dieser Verhältnisse für Sie überhaupt?
Wir exportieren zwar recht wenig, aber es gibt im Ausland die wegen unserer hohen Qualität bereit sind, einen Aufschlag zu zahlen. Wir verfolgen von Beginn an die Strategie, nachhaltig Top-Qualität zu liefern, und sind entsprechend zertifiziert.

Sie hängen hauptsächlich vom inländischen Markt ab. Welche Entwicklung erwarten Sie in den kommenden Jahren?
Ich sehe die Entwicklung sehr positiv. Vor allem sehe ich, dass die öffentliche Hand, sprich vor allem die Gemeinden und Kommunen, sich immer häufiger gegen Öl entscheiden. Überhaupt gibt es in der Schweiz einen Trend weg vom Öl. Im Neubau gibt es fast keine Ölheizung mehr. Pellets sind eine gute Alternative.

Wie schaut es auf Bundesebene aus?
Auf Bundesebene wird vor allem der Strom geregelt. Alles was Heizen, Isolieren von Gebäuden oder Energieeffizienz angeht, wird bei uns kantonal geregelt. Wir haben 26 Kantone und deshalb haben wir 26 verschiedene Gesetze. Im Kanton Solothurn zum Beispiel, wo wir zuhause sind, bekommen Sie für den Einbau einer Pelletsheizung, wenn Sie einen Ölkessel ersetzten, einen Zuschuss von 4.600 Franken.

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