Beate Schmidt-Menig: “Im Frühjahr werden die Preise wieder deutlich günstiger sein”

Montag, 24. Januar 2022 | Autor: Joachim Berner

Beate Schmidt-Menig Beate Schmidt-Menig Preissteigerungen um bis zu 20 Prozent bei Holzpellets – woran liegt das und wie sollten sich Verbraucher*innen jetzt verhalten? Darüber haben wir mit Beate Schmidt-Menig gesprochen. Sie gehört zur Geschäftsleitung des Pelletskesselherstellers Ökofen Deutschland und ist Vorsitzende des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes.

Frau Schmidt-Menig, was sind die Gründe für die Preissteigerungen?
Der aktuelle Anstieg ist nicht saisonüblich, sondern durch Verwerfungen an den internationalen Holzmärkten begründet. Sie haben kurzfristig zu einer erheblichen Preissteigerung beim Rohstoff geführt. Hier spielt auch die internationale Exportorientierung der deutschen Sägeindustrie mit den Bauholzexporten in die USA eine Rolle. Sie hat in der ersten Jahreshälfte zu einem sehr hohen Aufkommen an Holzspänen geführt. In den ersten drei Quartalen verzeichnete der Markt dadurch Rekordproduktionen an Pellets wie auch einen nicht marktüblichen niedrigen Preis. In der Jahresmitte kam es zu coronabedingten Nachfrageschwankungen sowie zu einem Rückgang der Schnittholznachfrage aus den USA, gepaart mit einer überschätzten Bauholznachfrage in Deutschland. Diese Faktoren bei gleichzeitig deutlich gestiegenen Rundholzpreisen der Forstwirtschaft führte zu einer Reduktion der Sägetätigkeit und damit auch zu einem deutlich verringerten Anfall an Holzspänen. Eine weitere Ursache für die Preissteigerungen sind die gestiegenen Produktionskosten. Einerseits sehen sie sich Produzenten mit hohen Rohstoffkosten bei den Spänen und mit enormen Steigerungen bei den Stromkosten konfrontiert. Durch die gestiegenen Rohstoff- und Produktions- aber auch Logistikkosten – wegen der Dieselpreise – ist der Pelletpreis übergangsweise von einer Preissteigerung betroffen.

Stellen Sie negative Auswirkungen auf den Pelletsmarkt fest, dass Kund*innen beispielsweise Aufträge stornieren?
Pelletpreise sind im Winter immer höher als im Frühjahr. Gegenüber fossilen Energieträgern besteht weiterhin ein deutlicher Preisvorteil. Die Energiekosten für Öl, Gas und nicht zuletzt für Strom sind alle enorm und wesentlich stärker angestiegen. Auch der Vorteil, dass Pellets nicht der CO2-Bepreisung unterliegen, es sich um ein umweltfreundliches Heizsystem mit regionalem Bezug und heimischer Wertschöpfung sowie hoher finanzieller Förderung handelt wird von den Kunden nach wie vor honoriert. Gerade aktuell im Dezember und Januar haben wir einen deutlich Anstieg im Auftragseingang verzeichnet.

Wie werden sich die Preise in den kommenden Monaten entwickeln?
Da die Holznachfrage wieder steigt und die Sägewerke wieder vermehrt im ersten Quartal sägen werden gehen wir wieder von einer Normalisierung der Preise aus.
Die Pelletproduzenten reagieren auf die größere Nachfrage nach unseren Informationen  mit Produktionssteigerungen, neuen Lagern und Lieferfahrzeugen.

Was raten Sie Pelletsheizer*innen in der momentanen Situation?
Grundsätzlich empfehlen wir bei Ökofen den Bauherren bereits in der Planungsphase das Pelletlager für mindestens einen Jahresvorrat auszulegen. Die allerwenigsten Kunden bekommen die aktuelle Preissteigerung überhaupt zu spüren. Den Neuananlagenbesitzern empfehlen wir aktuell nur Kleinstmengen zu tanken und auf die Frühjahrsangebote zu warten. Dann werden die Preise wieder deutlich günstiger sein.

Die Fragen wurden per Email gestellt.

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3 Kommentare

  1. Hb sagt:

    Schauen wir einmal im Juni ob die Lobbyistin Recht hat und die Nettopreise für die gepressten, getrockneten und ausgegasten sowie Stau reduzieren Sägeabfaelle bei 240 Euro/Tonne sein werden

  2. Spinoso sagt:

    Die Verbände waren weder willens noch in der Lage, die Preisentwicklung der letzten Monate vorherzusehen oder plausibel zu erklären.
    Wir wissen jetzt: auch der Pelletpreis folgt der Preisentwicklung anderer Energieträger.

    • pelletshome sagt:

      Guten Tag, danke für Ihren Beitrag. Die Preisentwicklung der Pellets hat noch nie den anderen Energieträgern “gefolgt”, da ganz andere Faktoren für die Preisfindung entscheidend sind. Die aktuellen Marktverwerfungen waren für niemanden vorhersehbar, auch für die Verbände nicht. Ihr Pelletshome-Team

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