Beate Schmidt-Menig: „ENplus ist heute Standard“

Dienstag, 14. Oktober 2025 | Autor: Joachim Berner

Beate Schmidt-Menig Beate Schmidt-Menig Im Interview erläutert die ehemalige DEPV-Vorsitzende Beate Schmidt-Menig, warum sie ENplus als Errungenschaften der Qualitätssicherung in der Pelletsbranche erachtet.

Das Zertifizierungssystem ENplus wurde 2010 vom Deutschen Pelletinstitut (DEPI) gemeinsam mit dem Deutschen Biomasseforschungszentrum Leipzig (DBFZ) und unter Einbeziehung von Pro Pellets Austria für Holzpellets entwickelt. Beate Schmidt-Menig als damalige Vorsitzende des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV), war damals maßgeblich daran beteiligt.

Frau Schmidt-Menig, was hat den DEPV seinerzeit veranlasst, die ENplus-Zertifizierung für Holzpellets ins Leben zu rufen?
Die Situation beim Heizen mit Holzpellets war damals nicht mit der heute vergleichbar. Der neue, unbekannte Energieträger war attraktiv und die Nachfrage sehr hoch, aber es gab Probleme, die sich auf die Verbrennung konzentrierten. Das war vor allem dem hohen Feinanteil an Sägemehl geschuldet, der die Heizungsfunktion beeinträchtigte. Die Folge waren Diskussionen zwischen Pelletlieferanten und Heizungsbauern, um zu klären, wer für das Nichtfunktionieren der Anlage verantwortlich war. Das drohte dauerhaft zu einem Imageschaden für die Branche insgesamt zu führen. Es gab also Handlungsbedarf für den noch jungen Verband DEPV und für mich als Vorsitzende.

Wie sind Sie das Problem angegangen?
Da die Qualität der produzierten Pellets immer schon sehr hoch war, wussten wir, dass wir nach den Ursachen in der Lieferkette suchen mussten. Bei Pellets handelt es sich bekanntermaßen „nur“ um gepresstes Sägemehl. Bei der Herstellung wird die Zugabe von Bindemittel schon aus Kostengründen niedrig gehalten. Es galt also, Vorgaben für den Transport und die Einbringung ins Kundenlager zu erarbeiten, da den Pellets auf diesem Weg der größte Schaden drohte.

Und daraus ist die Idee für ENplus entstanden?
Ja, genau. Mit unserem Vorstandsmitglied Hans Martin Behr hatten wir zum Glück einen Brennstoffexperten im Team. Er entwarf die Idee, eine Zertifizierung über die Produktion hinaus bis zur Anlieferung beim Kunden zu entwickeln. Das war die Grundlage für den Erfolg, der sich letztlich dadurch zeigt, dass die Diskussionen im Heizungskeller nahezu beendet sind und die Anlagen störungsfrei laufen.

Das hört sich nicht nach einer einfachen Einführung an.
Nein, das war es nicht. Aber zum Glück hatten wir mit dem Deutschen Pelletinstitut – dank Unterstützung der Bundesregierung – die Chance, in Berlin eine GmbH zu gründen, die das ambitionierte Projekt umsetzen konnte. Mit dem Deutschen Biomasseforschungszentrum, personell insbesondere mit Volker Lenz, hatten wir den notwendigen wissenschaftlichen Partner. Unseren Schwesterverband Pro Pellets Austria haben wir von Beginn an für die europäische Zustimmung eingebunden. Denn ein rein nationales Siegel hätte nicht den Erfolg gebracht.

Welche Vorteile haben Verbraucher durch die ENplus-Zertifizierung?
Sie bekommt durch die beim Handel vorgeschriebene Kompetenz bei Transport und Logistik Pellets in sein Lager eingebracht, die vor allem beim Feinanteil kaum anders als direkt nach der Pressung sind. Das bedeutet reibungslosen und störungsfreien Heizungsbetrieb.

Wie bewerten Sie persönlich die Entwicklung von ENplus?
Ich erinnere mich, dass wir zu Beginn unsicher waren, ob der Brennstoffhandel das System annimmt. Die Akzeptanz hat uns wirklich überrascht. Heute werden rund 80 Prozent der in Deutschland verkauften Ware von ENplus-Händlern geliefert. Das ist die Voraussetzung für den einwandfreien Betrieb und für den Erfolg der Branche. Zusätzlich bringt ENplus auch die unterschiedlichen Teilbereiche der Lieferkette zusammen, also den Handel und das Heizungsfachhandwerk. Das ist enorm wichtig und darauf können wir allesamt stolz sein.

Worauf sollten Verbraucher:innen beim Pelletskauf besonders achten?
Die Qualität ist das A und O für den reibungslosen Heizbetrieb. Der Bezug der Presslinge über einen Händler, der seine Kompetenz über ENplus nachweisen kann, ist Grundvoraussetzung. Wer einmal mit Billigpellets auf die Nase gefallen ist, hat das schmerzlich gelernt. DEPV und DEPI sollten noch aktiver auf das SHK-Handwerk einwirken, ihren Kunden diesen Sachverhalt zu erklären und den Pelletbezug ausschließlich über den ENplus-Handel empfehlen.

Und was machen Sie als Heizungshersteller für ENplus?
Fast alle Kesselhersteller empfehlen dieses Gütesiegel, manche knüpfen sogar die Gewährleistung daran. Wir Hersteller haben das Erfolgspotenzial von ENplus schon früh erkannt und werben dafür. Schön, dass wir im 15. Jahr seit Einführung noch einmal die Gelegenheit bekommen, auf dieses wichtige Verbraucherschutzthema hinzuweisen.

Das Interview hat das Deutsche Pelletinstitut zur Verfügung gestellt. Es wurde von der Pelletshome-Redaktion bearbeitet.

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