Volker Kienzlen: „Klimaschutz macht Kommunen grüner und lebenswerter“

Dienstag, 15. Januar 2019 | Autor: Joachim Berner

Volker Kienzlen Volker Kienzlen Kreise, Städte und Gemeinden spielen eine wichtige Rolle beim Kampf gegen den Klimawandel.  Die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) lädt deshalb am 22. Mai 2019 zum Kommunalen Klimaschutzkongress nach Heidelberg ein. Im Interview erläutert KEA-Geschäftsführer Volker Kienzlen, wie Gemeinden und Städte den Klimaschutz voranbringen können.

Herr Kienzlen, bei den Klimagipfeln legt die internationale Staatengemeinschaft ihre Klimaschutzziele fest und Maßnahmen, wie sie sich erreichen lassen. Warum sollten Landes- und Kommunalpolitiker auch ohne internationale Beschlüsse handeln?
Klimaschutz geht uns alle an. Wir im Südwesten verursachen zwar nur 0,2 Prozent des globalen Kohlendioxidausstoßes. Pro Kopf ist er jedoch überproportional hoch. Und wir dienen als Blaupause für andere Länder. Wenn wir es nicht schaffen, werden sie es nicht einmal versuchen, steht zu befürchten. Daher müssen Land und Kommunen und jeder einzelne jetzt und sofort etwas gegen die Klimaerwärmung tun. Der vergangene Sommer mit monatelanger Dürre und Hitzephasen hat gezeigt, dass der Klimawandel auch hier angekommen ist.

Was bringt Klimaschutz den Kommunen?
Städte, Gemeinden und Landkreise, die aktiv Klimaschutz betreiben, senken ihre Energiekosten und verbessern die Wirtschaftlichkeit ihrer Liegenschaften. Sie treiben die Erneuerung der Infrastruktur bei Stromversorgung, Gebäuden und Verkehr voran. Sie reduzieren die Belastung durch Lärm und Emissionen, machen sich unabhängiger von Energieimporten und halten Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region. Parks, Stadtwälder oder begrünte Dächer übernehmen wichtige Aufgaben bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und beim Erhalt der natürlichen Vielfalt. So werden die Kommunen grüner und lebenswerter. Das macht sich in der Außenwirkung bemerkbar: Eine positives Image der Kommune lockt Investoren und damit Neubürger an.

Kommunen können mit der ökologischen Versorgung kommunaler Liegenschaften eine wichtige Vorbildrolle übernehmen. Können Sie ein Beispiel nennen?
Vorbildhafte Beispiele in Baden-Württemberg gibt es inzwischen genug. Die 14.000 Einwohner zählende Stadt Plochingen hat mit unserer Hilfe ein wegweisendes Element des kommunalen Klimaschutzes –  das kommunale Energiemanagement – erfolgreich eingeführt. Wichtigstes Instrument ist dabei die zentrale Überwachung des Energie- und Wasserverbrauchs aller Liegenschaften. Auch Schulungen kommunaler Mitarbeiter und Verbesserungen der Gebäudetechnik haben dazu beigetragen, Energie im Rathaus, in der Bücherei und auf dem Friedhof sowie in Schulen oder Sport- und Stadthallen zu sparen.

Woher kam das Geld für die notwendigen Investitionen?
Die Stadt hat mit Energie-Einspar-Contracting in mehrere Effizienzmaßnahmen investiert. Ein Energiedienstleister hat die Finanzierung der Vorhaben übernommen und erhält im Gegenzug die eingesparten Energiekosten während der Projektlaufzeit. Damit spart die Kleinstadt am Neckar in ihren Liegenschaften ohne eigene Kostenbelastung und beweist, dass auch kleine und mittlere Kommunen wichtige Schritte zu mehr Klimaschutz umsetzen können.

Wie lassen sich die Einwohnerinnen und Einwohner einbinden?
Bei der Stadtplanung in Ludwigsburg beispielsweise kommt die Bevölkerung zu Wort. Alle drei Jahre sammeln Bürgerschaft und Fachleute gemeinsam Ideen, um die Stadt nachhaltiger zu machen. Die Ziele werden anschließend offiziell festgehalten und sukzessive umgesetzt. Ludwigsburg verwirklicht bereits seit 2004 mit seinem Stadtentwicklungskonzept zahlreiche Klimaschutzmaßnahmen. Dazu gehören der Bau von Grünanlagen mitten im Gewerbegebiet der Weststadt sowie ein zentrales Konzept zum Ausbau von Rad- und Radschnellwegen. Auch die gezielte Förderung erneuerbarer Energien ist Teil des Ludwigsburger Entwicklungsplans, beispielsweise durch das Energie-Projekt SolarHeat-Grid. Mit ihm soll eine der größten Solarthermieanlagen in Deutschland entstehen.

Was empfehlen Sie einer Kommune, die klimafreundliche Wärme anbieten möchte?
Zu den wichtigen Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland gehört der Ausbau von Wärmenetzen. Bereits 5,7 Millionen Haushalte beziehen Heizwärme und Warmwasser über Nah- oder Fernwärme. Durch den Bau eines Wärmenetzes oder den Anschluss daran erhöhen Kommunen die Versorgungssicherheit und halten die Wertschöpfung im Ort. Bürgerinnen und Bürger profitieren von in der Regel niedrigen und stabilen Wärmepreisen.

Haben Sie dafür ein Beispiel parat?
Der Gottmadinger Ortsteil Randegg im Süden Baden-Württembergs hat den Umstieg auf ein Wärmenetz bereits 2009 vollzogen. Ein 6,6 Kilometer langes Nahwärmenetz versorgt seitdem einen Großteil der Gebäude im Ort mit regenerativer Wärme. Zusätzlich ist seit Juli 2018 eine große Solarthermieanlage angeschlossen. Deren Kollektorfläche umfasst rund 2.400 Quadratmeter und befindet sich direkt neben der Heizzentrale. Mithilfe des Wärmenetzes deckt Randegg rund 20 Prozent seines jährlichen Heizwärmebedarfs und spart 1.500 Tonnen Kohlendioxidemissionen pro Jahr ein.

Weitere Informationen zum Kommunalen Klimaschutzkongress: www.kea-bw.de/veranstaltungen/kea-veranstaltungen/kommunaler-klimaschutzkongress-anmeldung/

Das Interview hat KEA zur Verfügung gestellt. Es wurde von der Pelletshome-Redaktion bearbeitet.

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