„Pellematic Smart_e kann bis zu zwei Drittel des Hausstroms erzeugen“

21/01/2014 | : Joachim Berner

Strom aus der Verbrennung von Holzpellets zu erzeugen, ist das Ziel des österreichischen Pelletskesselherstellers Ökofen. 2010 hat er damit begonnen, seinen Pelletsbrenner mit einem Stirlingmotor zu kombinieren. 2011 war der erste Prototyp fertig, 2012 starteten die ersten Feldtestanlagen. Pelletshome.com sprach mit Geschäftsführer Stefan Ortner über die seitdem mit den Pellematic Smart_e-Anlagen gesammelten Erfahrungen.

Herr Ortner, Sie haben 2012 die erste stromerzeugende Pelletsheizung in Betrieb genommen. Wie hat sich das Projekt seitdem entwickelt?
Die Ergebnisse der Pilotphase sind durchaus positiv. Wie für Entwicklungsprojekte üblich konnten wir im Praxisbetrieb wertvolle Erkenntnisse gewinnen und das Produkt dadurch noch optimieren.

Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit bezüglich der Anlagentechnik sammeln können?
Eine wichtige Erfahrung war unter anderem die Wichtigkeit einer optimalen hydraulischen Einbindung des Stirlingmotors. Unnötig hohe Rücklauftemperaturen beeinflussen die elektrische Leistung negativ. Sie gilt es daher zu vermeiden. Grundsätzlich war für uns die Beständigkeit der Materialien eine Kernfrage. Ich denke, dass wir dafür schon sehr gute Lösungen gefunden haben. Vor allem bei Grundlastanlagen haben wir wertvolle Laufzeitstunden sammeln können.

Wie funktioniert die Pellematic Smart_e?
Der Stirlingmotor arbeitet mit dem Temperaturunterschied zwischen Rauchgas und Rücklauf des Heizsystems. Es gilt also möglichst hohe Rauchgastemperaturen am Wärmetauscher des Stirlings zu erreichen, um den Temperaturunterschied möglichst hoch zu halten.

Der Stirlingmotor liefert eine Leistung von einem Kilowatt. Welche Eigenstromanteile lassen sich damit in privaten Wohnhäusern erzielen?
Die Erfahrung in Einfamilienhäusern hat uns gezeigt, dass es oft nicht sinnvoll ist, die volle Leistung von 1.000 Watt zu erzeugen. Häufig liegen die Verbräuche um die 500 Watt. Dieser Betriebspunkt ermöglicht durch die geringere thermische Leistung längere Laufzeiten. Eigenverbrauchsanteile von 70 bis 90 Prozent sind durchaus realistisch.

Wie lässt sich die Stromproduktion der Anlage in den Wintermonaten, wenn die Heizung voll im Einsatz ist, mit den Übergangsmonaten, wo sie hin und wieder gebraucht wird, und den Sommermonaten, wenn sie nur das Warmwasser erzeugt, vergleichen?
Natürlich stellt sich das von Haus zu Haus sehr unterschiedlich dar. Generell besitzt das System die Möglichkeit zur Modulation. Das wirkt sich gerade in den Übergangsmonaten positiv aus.

Die Pellematic Smart_e arbeitet wärmegeführt, das heißt im Vordergrund steht die Deckung des Wärmebedarfs. Kann ihre Betriebsweise dennoch auch auf den Strombedarf abgestimmt werden?
In der Pilotphase wurden dazu verschiedene Regelkonzepte einem Test unterzogen. Durch den thermischen Speicher hat man in jedem Fall die Möglichkeit, den Betrieb auch auf den Stromverbrauch abzustimmen.

Wie viel mehr Brennstoff braucht die Anlage als eine vergleichbare reine Pelletsheizung, um zusätzlich Strom erzeugen zu können?
Da beinahe alle thermischen Verluste des Stirlingmotors im Heizsystem verwertet werden, muss man nur den Energieinhalt der in Strom umgewandelt wird in Form von Pellets einsetzen.

Inwiefern rechnet sich der Mehraufwand?
Unsere Erfahrung ist, dass den Kunden, die sich für das Produkt interessieren, vor allem die Unabhängigkeit und ein hoher Eigenverbrauchsanteil wichtig sind. Gerade in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage kommt man diesem Ziel schon sehr nahe. Wie die monetäre Bewertung dieses Schritts in Richtung Unabhängigkeit ausfällt, hängt von der jeweiligen persönlichen Wertigkeit ab.

Wann denken Sie, die Feldtestphase abschließen und mit der Serienproduktion zu beginnen zu können?
Eine definitive Entscheidung wird getroffen, sobald diese Heizsaison vorüber ist und wir alle Ergebnisse aus der Pilotphase vorliegen haben. Voraussichtlich werden wir heuer bereits mit einer Version, die optimal für das typische Einfamilienhaus abgestimmt ist, auf den Markt kommen.

Welche Zielgruppe haben Sie mit der stromerzeugenden Pelletsheizung im Blick?
Ähnlich wie zu den Anfängen der Pelletsheizung richten wir uns vor allem an technisch Interessierte und Pioniere. Als Ökofen vor über 15 Jahren Europas erste Pelletsheizung auf den Markt gebracht hat, waren wir auch auf diese Pioniere angewiesen. Trotz der damals nicht flächendeckend vorhandenen Brennstoffversorgung und einem Kostennachteil im Betrieb, haben diese Kunden der Technologie zum Erfolg verholfen. Ähnliche Pioniere werden auch die ersten Kunden des Stirlingmotors sein.

Weitere Informationen: www.okofen-e.com

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  1. Kh. Stoklas sagt:

    1. 70-90 % des Stroms können in Eigenverbrauch genutzt werden. wie werden die restlichen 10-30 % verwertet? Ins Netz eingespeist oder in Batterien gespeichert?
    2. Läuft das System auch ohne Stromerzeugung, d.h. nur als Heizung, wenn kein Strom gebraucht wird?
    3. Wird das System Pellematic-Smart_e, das es grünen Strom erzeugt, ggf. gefördert, wenn der Strom ins Netz angegeben wird?
    4. Kann das System, ggf. ganz autark, als Insellösung betrieben werden ohne Netzanschluß?

  2. [...] von ÖkoFEN wird somit eine energiesparende und umweltfreundliche Heizlösung angeboten“, stellt Herbert Ortner abschließend [...]

  3. [...] und hilft unseren Kunden noch mehr Energie zu sparen“, freut sich ÖkoFEN Geschäftsführer Stefan Ortner über die [...]

  4. […] von mehr als 600 Installateurpartnern in den USA beginnt sich jetzt auszuzahlen.“ so ÖkoFEN Geschäftsführer Stefan Ortner. Auch in Frankreich ist der Pelletsspezialist erfolgreich unterwegs. In anderen Märkten wie […]

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