Kai Borgstädt: „Pellets in HD-Qualität verbrennen sauberer“

Dienstag, 28. Februar 2017 | Autor: Joachim Berner

Ein neues Ablängverfahren in der Pelletsproduktion hat die Firma HD Pelletstechnologie vor drei Jahren eingeführt. Es verspricht eine bessere Brennstoffqualität. Im Interview mit Pelletshome.com erklärt Prokurist Kai Borgstädt die Vorteile des Verfahrens.

Herr Borgstädt, wie viele Pellets werden in HD-Qualität inzwischen hergestellt?
Die HD-Technologie wird bisher in 14 Produktionsstätten eingesetzt. Im Jahr 2016 wurden etwa 600.000 Tonnen Pellets in HD-Qualität hergestellt. In diesem Jahr wird es eine deutliche Mengensteigerung geben, da sechs Produktionsstätten erst im Laufe des vergangenen Jahres auf unsere Technologie umgerüstet haben. Außerdem werden noch weitere HD-Partner hinzukommen.

Nur in Deutschland oder auch in anderen Ländern?
In Deutschland gibt es derzeit neun HD-Standorte. In Österreich sind es drei Produktionen. Eine befindet sich in der Schweiz und eine in Dänemark.

Warum lassen sich bessere Pellets herstellen, wenn sie schonend abgelängt werden?
Ein wesentliches Qualitätsmerkmal von Holzpellets ist die Oberflächenbeschaffenheit. Nach Möglichkeit sollte sie glatt und frei von Beschädigungen und Rissen sein. Bei dem Ablängvorgang mit der HD-Technologie wirkt im Vergleich zu der herkömmlichen Methode nur ein Bruchteil der mechanischen Belastung auf den frischen Pelletstrang, also weniger Kollisionen, Schläge und Stauchungen usw. Das führt dazu, dass Pellets in HD-Qualität einfach in einem besseren Gesamtzustand sind. Ein weiterer, entscheidender Vorteil des HD-Systems ist die Kontrolle über die Pelletslängen. Pellets in HD-Qualität weisen einen sehr hohen Anteil mit idealen Längen auf, den wir im Bereich von 14 bis 32 Millimeter definiert haben. Der Anteil kurzer Pellets und von Bruch wird drastisch reduziert, die eingestellte Maximallänge nicht überschritten. Mit der HD-Technologie ist es uns also möglich, die Durchschnittslänge deutlich zu erhöhen und gleichzeitig ungewünscht lange Pellets auszuschließen.

Warum sind lange Pellets problematisch?
Die langen Pellets wollen wir nicht, da sie sich genau wie die ganz kurzen und der Bruch negativ auf das Fließverhalten auswirken. Sie verhalten sich oftmals störend in der Fördertechnik von Kesseln, Lagern und Öfen. Ich rede nicht von Überlängen, sondern von langen Pellets in der normkonformen Fraktion bis 39 Millimeter. Überlängen sind mit HD sowieso kein Thema mehr.

Welche Vorteile bringt HD?
Holzpellets mit einem hohen Solllängenanteil und einem möglichst geringen Anteil an kurzen Pellets und Bruchstücken verbrennen am saubersten. Bei Prüfstandtests haben Pellets in HD-Qualität gezeigt, dass sie gegenüber konventionellen Pellets effizienter verbrennen, mit reduzierten CO-Emissionen. Zudem erhöhen wir die Durchschnittslänge bei gleichzeitiger Reduktion der Langfraktion. Das bedeutet jede Tonne Pellets besteht aus deutlich weniger Pellets und damit auch weniger problematischen Stirnflächen. Denn genau dort entsteht ein Großteil des Bruchs und des Feinanteils beim Handling und Einblasen der Pellets.

Sehen Sie die Produktionsqualität mit HD an einem Optimum angelangt?
Nein, mit Sicherheit nicht. Wir greifen mit unserer HD-Technologie erst ein, wenn das Pellet bereits gepresst ist. Die Grundvoraussetzungen für gute Pellets werden vorher geschaffen: die richtigen Rohstoffe und deren Aufbereitung in Kombination mit einem guten technischen Equipment und fähigen Menschen. Da gibt es genug Stellschrauben für Optimierungen. Auch bei unserem HD-System überlegen wir ständig, an welcher Stelle wir noch besser werden können. Ob in der Bedienerfreundlichkeit oder den Produkteigenschaften, wir lernen ständig dazu. Die Erfahrungen fließen in die Weiterentwicklung unserer Technologie ein.

Wo in der Produktion ließe sich der Herstellprozess noch verbessern?
Das lässt sich nicht pauschalisieren. Jede Produktionsanlage unterscheidet sich. Bei dem einen ist die Siebtechnik verbesserungswürdig, bei dem anderen die Förderwege, das Qualitätsmanagement oder die Rohstoffzerkleinerung. Aus meiner Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass wir mittlerweile ein sehr hohes Niveau erreicht haben. Das merkt man an der allgemeinen Produktqualität.

Sie verkaufen die Technologie nicht, sondern vergeben Nutzungsrechte an die Pelletsproduzenten. Warum?
Wir haben die Idee von einem Netzwerk mit Produzenten, Händlern und Verbrauchern, in dem alle Beteiligten von der verbesserten Qualität profitieren. Die geschützte Marke HD steht als verbindendes Element für die besonderen Produkteigenschaften. Wir können sie aber nur gewährleisten, wenn wir unsere HD-Partner gewissenhaft auswählen und ein nachhaltiges Qualitätsmonitoring durchführen können. Solche Dinge lassen sich sehr gut in Lizenzverträgen regeln, die auf eine langfristige Partnerschaft ausgelegt sind. Mit dem reinen Verkauf von Systemkomponenten hätten wir nur wenig Kontrolle über den Verbleib und Einsatz der Teile. Das hat für uns aus patentschutzrechtlichen Überlegungen eine gewisse Relevanz.

Wie hat die Branche anfangs auf Ihre Innovation reagiert und welche Rückmeldung bekommen Sie heute?
Wir sind seit Sommer 2014 mit der HD-Technologie auf dem Markt. Die Marktlage war seither für unsere Kunden, die Produzenten, eher schwierig. Aufgrund der milden Temperaturen der vergangenen beiden Winter war der Verbrauch geringer. Die Neuinstallationen von Pelletsfeuerungsanlagen blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Umso zufriedener sind wir, dass wir trotz der widrigen Rahmenbedingungen so erfolgreich in den Markt starten konnten und unsere Entwicklung sehr erfreulich verläuft. Die Rückmeldungen sind in der Regel sehr gut. Am meisten freuen wir uns, wenn wir ein positives Feedback von Endkunden über unsere neue Internetseite bekommen. Das motiviert uns und zeigt uns dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage im Pelletsmarkt ein?
Ich würde mir natürlich ein stärkeres Marktwachstum bei den Neuinstallationen wünschen. Das täte der gesamten Branche gut. Der normale Winter, den wir aktuell erleben, führt aus Sicht der Produzenten temporär zu einer gewissen Entspannung der Marktlage. In manchen Regionen hatten wir seit langem mal wieder ein Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot, teilweise gab es auch Lieferfristen von zwei bis drei Wochen. Das führt hoffentlich dazu, dass der Handel und die Kunden die Lager wieder verstärkt in den Sommermonaten füllen und sie damit zu einer stabilen Produktions- und Versorgungslage beitragen.

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