Wolfgang Rogatty: “Jede unserer Produktionsgesellschaften verfügt über ihr eigenes Entwicklungsteam”

Dienstag, 11. November 2014 | Autor: Joachim Berner

Der neue Pelletskessel Vitoligno 300-C von Viessmann zeichnet sich durch seinen Wirkungsgrad von bis zu 95,3 % aus. Im Gespräch mit Pelletshome.com beschreibt Unternehmenssprecher Wolfgang Rogatty den Entwicklungsweg des Geräts und erklärt welche Rolle, spezielle Entwicklungsteam im Konzern spielen.

Herr Rogatty, wie erreicht der Vitoligno 300-C die geringen Emissionswerte beziehungsweise den hohen Wirkungsgrad?
Für den Pelletskessel Vitoligno 300-C wurde von Viessmann eine Verbrennungstechnologie entwickelt, die durch ein geschichtetes Glutbett und eine Beschickung des Brennraums von oben besonders niedrige Emissionen und hohe Wirkungsgrade bis 95,3 Prozent gewährleistet. Dazu trägt außerdem die gestufte Verbrennung durch Aufteilung in eine Primär- und eine Sekundärzone bei.

Bei seiner Entwicklung haben Sie mit der Bios Bioenergiesysteme GmbH aus Graz als wissenschaftlichen Partner zusammengearbeitet. Die Forschungsfirma hat unter anderem mit Computersimulationen und Labortests das Abbrandverhalten von Holzpellets untersucht. Inwiefern sind diese Ergebnisse in die Entwicklung des Vitoligno 300-C eingeflossen?
Die Zusammenarbeit mit Bios gilt nicht der Entwicklung eines bestimmten neuen Heizkessels. Es handelt sich um ein übergeordnetes Forschungsprojekt zur Minimierung von Emissionen aus Biomassefeuerungen trotz variierender Brennstoffqualitäten. Erste Erkenntnisse aus diesem Projekt flossen in das Brennkammerdesign des Vitoligno 300-C ein.

Wie kann man sich bei Viessmann den Ablauf von Entwicklungsarbeiten angesichts der Technologievielfalt im eigenen Haus vorstellen? Gibt es für jede Heiztechnik ein Spezialentwicklerteam oder bearbeitet eine Abteilung sämtliche Technologien?
Jede Viessmann-Produktionsgesellschaft verfügt über ein eigenes, spezialisiertes F&E-Team. So ist das Biomasse-Kompetenzzentrum in Vorarlberg für die Entwicklung von Holzfeuerungen mit Leistungen von 2,4 bis 13.000 Kilowatt zuständig. Regelmäßige Treffen der F&E-Leiter aus den verschiedenen Gesellschaften stellen den interdisziplinären Erfahrungsaustausch und die Möglichkeit zur Bildung von Synergien sicher.

Mit einem Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro entsteht bei Viessmann ein als Forschungs- und Entwicklungszentrum geplantes Technikum. Was war die Motivation für solch eine hohe Investition?
Das Technikum soll im Geiste des Unternehmensclaims „Climate of innovation“ interdisziplinäres und kreatives Arbeiten fördern. Als technologischer Schrittmacher der Branche hat Viessmann immer wieder Meilensteine der Heiztechnik gesetzt. Das Unternehmen verfolgt durch die strategische Entscheidung für das neue Technikum das Ziel, seine Führungsposition zu festigen und weiter auszubauen.

Viessmann bietet ein breites Produktspektrum an Heiztechnologien an, das praktisch sämtliche Energieträger umfasst. Welche Bedeutung besitzen Holzkessel für den Umsatz?
Im Geschäftsjahr 2013 trugen regenerative Energiesysteme mit rund 25 Prozent zum Gesamtumsatz von 2,1 Milliarden Euro bei. Biomassekessel haben daran einen erheblichen Anteil. Sie erzielten gegenüber 2012 einen deutlichen Zuwachs von mehr als zehn Prozent.

Was man nicht im Produktprogramm findet, sind Holzöfen. Warum?
Zum Kerngeschäft von Viessmann gehören seit jeher Wärmeerzeuger für Zentralheizungen. Holzöfen als Einzelraumöfen umfasst deshalb das Produktportfolio nicht.

Warum kommt aus Ihrer Sicht die Energiewende in den Heizungskellern nicht recht voran?
Das liegt insbesondere daran, dass die politischen Rahmenbedingungen die anvisierten Ziele nur unzureichend unterstützen. So wird im Koalitionsvertrag der Wärmemarkt zwar ausdrücklich adressiert, die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung als wichtigste Maßnahme ist jedoch dem Rotstift zum Opfer gefallen. Das ist kaum zu verstehen, denn es waren nicht Subventionen gefragt, sondern lediglich Impulse, die vorhandenes privates Kapital in Richtung klimaschützender Maßnahmen gelenkt hätten.

Wie ließe sich das ändern?
Durch bessere politische Rahmenbedingungen, zum Beispiel durch eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung.

Welche Rolle misst Viessmann dem Holzpelletsmarkt in Zukunft bei?
Der Verwendung von pelletierten Brennstoffen misst Viessmann auch zukünftig große Bedeutung zu. Besonders die Forderung nach niedrigen Emissionen, aber auch der einfache Transport und die exakte Dosierbarkeit sprechen für die Nutzung von Pellets. Vorstellbar sind aber in Zukunft auch Pellets aus anderen biogenen Stoffen, wie zum Beispiel aus der Miscanthus-Pflanze.

Weitere Informationen: www.viessmann.de

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