“Pellets sind ideal: halb so teuer wie Öl und seit Jahren absolut preisstabil”

Mittwoch, 21. Dezember 2011 | Autor: Joachim Berner

Die Schmidmeier Naturenergie GmbH plant und projektiert Pellets-Dampfanlagen für die Industrie. Sie bietet zum Beispiel Nahrungsmittel- und Textilreinigungsunternehmen komplette Versorgungskonzepte für Prozesswärme an. Im Interview mit Pelletshome.com beschreibt Geschäftsführer Thomas Schmidmeier das Potenzial solcher Lösungen, diskutiert Hemmnisse und appelliert an die Branche, neue Geschäftsmodelle zu suchen.

Sie bieten Pelletslösungen zur Dampferzeugung in Industrie- und Gewerbebetrieben an. Was macht dieses Marktsegment für Pellets besonders interessant?
Die hohen Energiekosten bringen insbesondere energieintensive Betriebe mittlerweile an ihre Grenzen. In den vergangenen Jahren haben sie viel Geld in Energieeffizienz- und Einsparmaßnahmen investiert. Weiter und vor allem auf Dauer sparen können die Betriebe jetzt nur noch durch den Umstieg auf einen stabil kostengünstigen Brennstoff. Holzpellets sind ideal: in Industriequalität aktuell halb so teuer wie Öl und seit Jahren absolut preisstabil. Außerdem sind sie derzeit der einzige überall und in großer Menge erhältliche feste Biomasse-Brennstoff, der die enorm hohen Anforderungen an die Verfügbarkeit Industrieller Dampfanlagen gewährleistet.

Thomas Schmidmeier Wie hoch schätzen Sie das Potenzial ein?
In Deutschland arbeiten im Leistungsbereich zwischen 1.000 bis 20.000 Kilowatt etwa 20.000 Dampfkessel. Für den Leistungsbereich darunter liegen uns keine belastbaren Zahlen vor. Aber wir wissen, dass in über tausend Brauereien Dampfanlagen mit Leistungen zwischen 200 und 1.000 Kilowatt laufen. Die Betriebe fahren fast ausschließlich mit Öl oder Gas. Sie werden innerhalb der nächsten zehn Jahre handeln müssen. Nicht nur wegen des Kostendrucks, sondern zunehmend zur Offenlegung ihrer Klimabilanz. Insbesondere in der Lebensmittelindustrie ist jede vermiedene Tonne CO2 mittlerweile gut fürs Geschäft.

Welche Gewerbebetriebe eignen sich besonders für Pellets-Dampfanlagen?
Im Prinzip lassen sich branchenübergreifend in allen Betrieben funktionale Dampflösungen auf Basis von Pellets realisieren. Am wirtschaftlichsten laufen sie in besonders energieintensiven Branchen wie der Baustoff-, Chemie-, Futtermittel- oder Textilreinigungsindustrie. Unsere Kunden- und Datenbank umfasst mittlerweile weit über 10.000 solcher Betriebe. Für die kleinen und mittleren Betriebe darunter mit einem Dampfbedarf von unter drei Tonnen pro Stunde und einem Heizölverbrauch von weniger als 400.000 Litern können wir seit Kurzem eine wirtschaftliche Lösung anbieten, den Susteamer.

Was genau bieten Sie den Betrieben an?
Funktionale Energielösungen auf Basis von Holzpellets als Gesamtkonzept, von der Planung über die Projektierung bis hin zur Realisierung. Dabei arbeiten wir gerne und sehr gut mit den Planern der Kunden zusammen, die übergeordnete Projektsteuerung bleibt aber immer bei uns. Herzstück unserer Energielösungen sind Dampfkessel des Typs Lignocal, dem einzig schnell regelbaren Pellet-Dampfkessel weltweit, oder ein Susteamer. Beide Systeme können wir auch im Container realisieren. Vor wenigen Tagen haben wir dazu eine Kooperation mit einem der renommiertesten Dampfanlagenbauern besiegelt. Neben dem Kessel und dessen unmittelbare Peripherie kümmern wir uns als Brennstoffspezialisten um Lager- und Fördertechnik und wir erstellen für unsere Kunden ein langfristiges und vor allem belastbares Brennstoffversorgungskonzept. Nach unzähligen Gesprächen mit Kunden aber auch Planern und Entscheidern der verschiedenen Branchen weiß ich, dass der Markt funktionale Gesamtlösungen verlangt. Kein Kunde wird sich für Pellets entscheiden oder einen Biomassedampfkessel alleine, wenn das Paket nicht stimmt. Dabei spreche ich übrigens ausdrücklich nicht von Contracting. Gerade Mittelständler sind und bleiben gerne ihr eigener Herr im Kesselhaus.

Was hemmt Ihrer Meinung nach den Einsatz von Pellets-Dampfkesselanlagen?
In Industrie und Gewerbe stehen wir in Deutschland heute da, wo wir vor zehn, 15 Jahren bei den Privatkunden standen: Pelletslösungen sind keine anerkannte Standardtechnologie, anders als in Skandinavien übrigens. Dort laufen Tausende von großen Pelletsanlagen, die Betriebe mit Heißwasser oder Dampf versorgen – viele davon von unserem Partner Omnical beziehungsweise dem Schwesterunternehmen Danstoker. Seit drei Jahren leisten wir in dieser  Kooperation viel Basisarbeit, vernetzen uns in den Branchen und machen Marketing- und PR-Arbeit. Denn viele Kunden sind noch immer skeptisch, was die Verfügbarkeit der Anlagen betrifft. Auch mit dem Brennstoff Industriepellets können die Unternehmer häufig nur wenig anfangen, kennen ihn oftmals nicht. Logisch, dass dann das Vertrauen in Preisstabilität und Versorgungssicherheit fehlt. Deswegen haben wir eine Expertise über die historische Preisentwicklung beim Deutschen Biomasse Forschungs-Zentrum in Leipzig in Auftrag gegeben. Wir werden Sie im Januar 2012 veröffentlichen. Auch Planer und Ingenieure wagen sich erst langsam an das Thema heran. Oft holen sie am Ende doch die einfache Standardlösung mit Öl oder Gas aus der Schublade. Holzpellet-Dampfanlagen? Zu kompliziert und schwierig. Um es auf den Punkt zu bringen: Industriepellets und darauf basierende Lösungen für Prozessdampfanwendungen haben ein Imageproblem.

Wie ließen sich diese Hemmnisse überwinden?
Aufklärung, gezielte Information und der Aufbau von branchenübergreifenden Netzwerken. Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren schon viel getan, sind auf Kongressen der verschiedenen Branchen unterwegs gewesen und haben Vorträge und Schulungen gehalten. Ich würde mir wünschen, dass mehr Mitstreiter aus der Biomasseszene, allen voran der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband, das Thema gemeinsam mit uns voranbringen würden. Da kommt bisher so gut wie gar nichts. Dazu müsste man dort Präsenz zeigen, wo potenzielle Kunden zusammenkommen – auf den Messen und Veranstaltungen der verschiedenen Branchen. Dort erreicht man auch deren Planer und die Top-Anlagenbauer, ohne die heute kaum noch ein Unternehmer eine Entscheidung treffen kann oder will. Wir sind gerade dabei, diese Multiplikatoren für unser Thema zu gewinnen.

Was sagen Sie zur Wirtschaftlichkeit der Anlagen?
Wenn die Rahmenbedingungen wie der Energie- und somit der Brennstoffbedarf und die Fördermittelsituation stimmen, liegen die Amortisationszeiten im Schnitt zwischen drei und fünf Jahren, in einigen Fällen auch darunter. Bei kleinen Betrieben, die einschichtig fahren und einen Verbrauch von unter 100.000 Litern Heizöl haben, können wir das nicht immer erreichen.  Weil Dampfkesselanlagen häufig 30 und mehr Jahre in Betrieb sind, warten viele Unternehmen ab und halten sich auch mit Neuinvestitionen in fossile Anlagen zurück.

Wie viele Anlagen haben Sie bislang realisieren können?
Eine Anlage mit einem 3 Tonnen-Lignocal-Dampfkessel läuft schon im zweiten Jahr in einem Wäschereibetrieb in Schwaben. Zwei weitere Anlagen gehen voraussichtlich im Sommer 2012 in Betrieb. Wir haben im Moment 25 Lignocal-Projekte in der heißen Phase, bei wenigsten drei stehen wir kurz vor Vertragsabschluss. Für den Susteamer haben wir etwa 30 Anfragen auf dem Tisch, obwohl wir noch nicht einmal mit der aktiven Vermarktung begonnen haben. 2012 wird für uns also ein sehr arbeitsintensives Jahr werden.

Der Pelletskesselmarkt in Europa stagniert. Müsste die Branche stärker nach neuen Einsatzfeldern suchen?
Sie hätte schon lange und viel intensiver suchen müssen. Mir persönlich war seit dem Einbruch 2009 klar, dass sich der Kleinkesselmarkt nicht mehr erholen wird.  Der private Markt wird auf absehbare Zeit nicht mehr genügend Wachstumspotenzial für alle bieten. Nur dort, wo es wirklich um existenzielle Geldbeträge geht, können sie sich gegen das durchsetzen, was an den Wirtshausstammtischen an Quatsch verbreitet wird. Zudem sind wir in der Industrie nicht auf das Wohlwollen des Heizungbau-Handwerks angewiesen. Es wird Zeit, dass sich die gesamte Branche bewegt und sich für innovative Geschäfts- und Kooperationsmodelle öffnet.

Weitere Informationen: www.schmidmeier.com

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