Roland Schüren: „Nicht nur zukunftsfähig und umweltschonend, sondern auch noch umsatzverbessernd.“

Freitag, 13. November 2015 | Autor: Joachim Berner

Bäckermeister Roland Schüren aus Hilden heizt seine Backöfen mit Holzpellets. Im Gespräch mit Pelletshome.com erläutert er seine Beweggründe für den Umstieg von Erdgas auf Holzpellets und erklärt das umfassende Energiekonzept für seinen Betrieb.

Herr Schüren, 2009 haben Sie Ihre Backöfen auf Pellets umgestellt. Warum?
Wir hatten das grundsätzliche Ziel, dass wir bei unserem Backbetrieb möglichst wenig CO2 ausstoßen wollen. Wir haben damals in neue Kälteanlagen investiert, die besonders energiesparend sind. Gleichzeitig haben wir den Brennstoff für unsere Backöfen von Gas hin zu Biomasse gewechselt. Wir haben das Ziel, aus eigener Kraft CO2-neutral zu produzieren. Deswegen wollten wir von allen fossilen Energieträgern weg. Da der Backprozess zwei Drittel der Gesamtenergie einer Bäckerei ausmacht, haben wir die Gasbrenner rausgenommen und die Pelletsbrenner eingebaut.

War die Umstellung kompliziert?
Unser Energiekonzept basiert auf drei Säulen. Eine Säule, die heiße, sind die Backöfen. Aber es gibt weitere Dinge, die wir aus der Wärmerückgewinnung sehr effizient ersetzen. So sorgen die Backofenheizungen auch für unsere Warmwasserversorgung und für die Heizung. Die Wärmerückgewinnung ist so aufgebaut, dass sie auch  drei große elektrische Verbraucher ersetzt. Deswegen haben wir insgesamt einen sehr geringen Energiebedarf, weil die Wärmerückgewinnung den Stromverbrauch senkt.

Sie wollen, dass Ihr Unternehmen komplett CO2-neutral produziert.
Wir bekommen das schon ganz gut hin. Wir kommen dem Ziel durch unsere Photovoltaikanlage und demnächst durch Batteriespeicher immer näher. Ich hoffe, wir sind 2017 soweit, dass wir die ersten ein, zwei Tage autark arbeiten können, indem wir den Strom über die Speicher durch die Nacht retten und auch unsere Fahrzeuge damit berteiben. Wir sind gerade dabei, unsere Erdgasfahrzeuge durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen.

Was hat ursprünglich den Anstoß gegeben, diesen Weg mit dem Energiekonzept einzuschlagen?
Unsere Kälteanlagen waren zu klein. Sie mussten erweitert werden. Ich habe einen Energieberater konsultiert.

Nutzen Sie für die Kühlhäuser auch erneuerbare Energien?
Ja, sicher. Wir kaufen nur erneuerbar ein. Mit unserer Photovoltaikanlage erzeugen wir selbst Strom, den wir fast komplett selbst verbrauchen. Nur in Phasen am Nachmittag zum Beispiel, wenn die Autobatterien voll sind und es Sommer ist, wird etwas eingespeist. Wir sind rechnerisch CO2-neutral, auch mit der Auslieferung. Den kleinen Rest Erdgas, den unsere Fahrzeuge brauchen, haben wir durch Ausgleichsmaßnahmen neutral gerechnet. Diesen letzten Rest fossiler Energie wollen wir durch die Elektroautos wegbekommen. Dann wären wir aus eigener Kraft CO2-neutral.

Wie informieren Sie Ihre Kundschaft über das Engagement und wie fallen die Reaktionen aus?
Sehr positiv. Wir informieren über unsere hauseigene Kundenzeitung, aber auch die lokale und die Publikumspresse ist sehr interessiert. Wir haben gerade den Deutschen Solarpreis bekommen. Die Kunden honorieren das. Ich kann sagen, unser Konzept ist nicht nur zukunftsfähig und umweltschonend, sondern auch noch umsatzverbessernd.

Was empfehlen Sie einem Lebensmittelbetrieb, wenn er auf Pellets wechseln will?
Überlegen Sie sich das gut, würde ich derzeit sagen. Gas ist inzwischen deutlich billiger geworden. Im Moment rechnet sich eine Investition in Pelletsbrenner in einer Bäckerei kaum. Das liegt einfach am Marktpreis der Alternative. Er kann sich aber auch wieder ändern.

Und trotzdem engagieren Sie sich als Pelletbotschafter des Deutschen Pelletinstituts?
Klar. Ich möchte natürlich so viel wie möglich dafür tun, dass sich regenerative Energien durchsetzen. Das hat mit dem nachhaltigen Aspekt zu tun, dass wir an die Zukunft denken und unseren Nachkommen die Erde richtig hinterlassen.

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