Martin Ecker: „Das Ziel der Energiewende ist gefährdet“

27/05/2015 | : Joachim Berner

Der niederbayerische Holzkesselhersteller HDG Bavaria hat im Frühjahr eine Stellungnahme zur Novellierung der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung herausgebracht. Darin kritisiert er, dass gerade an Pelletskessel als emissionsärmste und effizienteste Holzfeuerungen die schärfsten Anforderungen gestellt würden. Dabei wären vor allem die 14 Millionen Einzelraumfeuerungen für die Staubemissionen verantwortlich. Im Interview mit Pelletshome.com erläutert Geschäftsführer Martin Ecker seine Kritik und nimmt Stellung zum Energieeffizienzlabelling der EU.

Herr Ecker, wie müsste der Gesetzgeber Ihrer Ansicht nach mit den alten, ineffizienten Geräten umgehen?
Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Biomasseforschungszentrum DBFZ hat gezeigt, dass 60 Prozent des Brennstoffs Holz in Einzelraumfeuerungsanlagen verbrannt werden. Diese Anlagentechnik verursacht nach den DBFZ-Berechnungen in Bezug auf alle Holzfeuerungsanlagen etwa 80 Prozent der Staubemissionen. Vom Rest entfallen drei Prozent auf Pelletszentralheizkessel. Natürlich ist es für den Gesetzgeber schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Was ich jedoch weniger gutheiße, ist eben die Ungleichbehandlung der Technologien Kesseln und Öfen, noch dazu, wenn man sich ihr Emissionsverhalten vor Augen führt. Meine persönliche Meinung ist, dass mit der jetzigen Regelung die Gefahr besteht, dass sich der potenzielle Holzheizkessel-Interessent für eine fossile Zentralheizung entscheidet und der Trend, mit Einzelraumfeuerungen zuzuheizen, steigt. Somit ist das Ziel der Energiewende gefährdet, nämlich den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen und die Emissionen zu minimieren.

Während früher bei einer Typprüfung im Labor die feuerungstechnischen Eigenschaften eines Kessels ermittelt wurden, sollen nun die Schornsteinfeger regelmäßig die Geräte in den Kellern auf die Einhaltung der Grenzwerte vermessen. Warum sehen Sie das kritisch?
Die Vorortmessung durch den Schornsteinfeger war für automatisch beschickte Anlagen über 15 Kilowatt früher schon gängige Praxis. Nun werden alle, auch die handbeschickten Kessel über vier Kilowatt, in einem Turnus von zwei Jahren der Emissionsmessung unterzogen. Moderne Holzkessel, speziell die Pelletskessel, unterschreiten im Rahmen der Typenprüfung diese Grenzwerte teilweise deutlich. Bei der Praxismessung durch den Schornsteinfeger sind die Betriebs- und Messbedingungen der Typenprüfung jedoch nur schwer nachzubilden und mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Erfreulicherweise kann ich Entwarnung für moderne Pelletskessel geben. Bei einer ordnungsgemäßen Installation, bei einer regelmäßigen Wartung durch das Fachhandwerk und wenn ein Normbrennstoff, idealerweise ENplus-zertifizierte Pellets, verwendet wird, ist es ohne zusätzliche Emissionsminderungsmaßnahmen wie ein Elektrofilter möglich, die Grenzwerte einzuhalten.

Sie heben in Ihrer Stellungnahme hervor, dass viele technische Regelwerke wie DIN-Normen oder VDI-Richtlinien zur Einführung der 2. Stufe der Novellierung noch nicht abgeschlossen seien und es im Vollzug zur Umsetzung noch einige Unklarheiten gebe. Welche meinen Sie genau?
Hierzu gehört unter anderem die Norm DIN SPEC 33999, die Prüfverfahren zur Ermittlung der Wirksamkeit von nachgeschalteten Staubminderungseinrichtungen beschreibt. Weiter ist die VDI 3670 zu erwähnen. Die Richtlinie definiert den Stand der Technik für nachgeschaltete Staubminderungsmaßnahmen für kleine und mittlere Kleinfeuerungsanlagen. In ihr werden zum Beispiel Mindestabscheideraten definiert. Somit ermöglichen beide Regelwerke zusammen die Vergleichbarkeit der verschiedenen Filtertechnologien und -hersteller. Eine weitere sehr wichtige Richtlinie ist die VDI 4207 Blatt 2. Sie beschreibt aus dem Blick des Schornsteinfegers, wie er bei der Messung vorgehen soll, wie das Ergebnis unter Berücksichtigung der Messunsicherheit zu beurteilen ist und welche Anforderungen an welchen Anlagen zu überwachen sind. Vor allem die VDI 4207 Blatt 2 stellt eine wichtige Handlungsanweisung an die Schornsteinfeger dar und wird vermutlich erst Ende diesen Jahres als Weißdruck erscheinen. Auch die bereits öffentlich diskutierte brennstoffbedingte Unsicherheitsspanne von sieben Milligramm pro Kubikmeter ist nicht endgültig geregelt, da die Anwendung von der Vollzugsbehörde der einzelnen Bundesländer eigenständig reglementiert wird.

Während die Bundesimmissionsschutzverordnung im nationalen Rahmen emissionstechnische Vorgaben macht, führt die EU mit der Ökodesign-Richtlinie im europäischen Raum neue Mindestanforderungen ein, die Wärmeerzeuger einhalten müssen. Die Bundesimmissionsschutzverordnung legt schärfere Grenzwerte für den Staub- und den Kohlenstoffausstoß fest. Was gilt denn nun?
Das ist eine gute Frage, die noch seitens der zuständigen Behörde beantwortet werden muss. Die Schwierigkeit der Bewertung sehe ich darin, dass die Ökodesign-Richtlinie das Inverkehrbringen von Produkten in der EU regelt. Die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung hingegen regelt den Betrieb der Wärmeerzeuger. Ich gehe davon aus, dass Ihre Frage zeitnah von einem europäischen Nachbarland an Deutschland gestellt wird und das dann geprüft werden muss, ob sich die deutschen Grenzwerte mit dem Europarecht vereinbaren lassen.

Zum 26. September 2015 führt die EU das Energielabel für Heizungen ein. Es soll Verbraucherinnen und Verbrauchern die Effizienz mit einer Ampelskala anzeigen. Bei der Frankfurter Heizungsmesse ISH im März hatten es die meisten Wärmepumpenhersteller bereits auf ihre Geräte geklebt. Für Pelletskessel soll es erst 2016 eingeführt werden. Befürchten Sie dadurch Nachteile für die Branche?
Aus der Sicht eines Hersteller ist es meiner Meinung nach nicht zwingend ein Nachteil, denn durch die verzögerte Einführung kann man sich einen gewissen Erfahrungsschatz von den Öl- und Gaskessel-sowie den Wärmepumpenherstellern aneignen und die Umsetzung dann schneller und effektiver gestalten. Nach den neusten Unterlagen vom 27.April 2015 soll die Kennzeichnungspflicht für Pelletskessel ab dem 1.April 2017 zum Tragen kommen. Natürlich besteht den Verbrauchern und auch dem Heizungsbauer gegenüber Aufklärungsbedarf, warum Holzheizkessel noch kein Energielabel tragen dürfen. Eine mediale Unterstützung ist hierfür besonders wichtig. Es darf auf keinen Fall der Anschein erweckt werden, dass Holzheizkessel technologisch nicht vergleichbar oder nicht zeitgemäß sind.

Noch ist unklar, in welcher Labelklasse die Pelletsgeräte eingestuft werden. Welche Bewertung erwarten Sie?
Das Energieeffizienzlabel für Pelletskessel lehnt sich weitgehend an die Bewertungskriterien und die Berechnungsalgorithmen für Öl-und Gasheizkessel, Wärmepumpen und KWK-Anlagen. Um den gegenüber Gas und Öl besseren Primärenergiefaktor von Holz zu berücksichtigen, wird ein Biomasse-Kennzeichnungsfaktor vorgeschlagen. Somit erhalten moderne Holzheizkessel voraussichtlich durchwegs die Energieeffizienzklasse A+ oder A++. Sie sind damit ähnlich bewertet wie die Luft-Wasserwärmepumpe – verglichen mit fossilen Technologien etwas besser.

Wie beurteilen Sie die Konzeption des EU-Labels generell?
Persönlich bin ich mir nicht sicher, ob ein Energielabel für Heizkessel notwendig ist. In der Regel erfolgt der Verkauf der Heizungstechnik über das Fachhandwerk. Handwerker haben aus meiner Sicht durchaus für sie gewichtigere Argumente, sich für ein Produkt beziehungsweise einen Lieferanten zu entscheiden, zum Beispiel die Zuverlässigkeit oder ob der Service und die Qualität passt. Ich kann mir gut vorstellen, dass dem Endkunden oftmals die Entscheidung vom Handwerker abgenommen wird. Für Handwerker und Hersteller bedeuten das Produktlabel und vor allem das Systemlabel bei der Umsetzung einen erheblichen Aufwand.

Bei all den neuen Herausforderungen, die der gesetzliche Rahmen an Sie als Holzkesselhersteller stellt, konnten Sie sich da überhaupt noch über den iF-Designpreis freuen?
Ja, natürlich. Die Auszeichnung bedeutet die Anerkennung für all die beteiligten Personen, denen es durch Formensprache gelungen ist, dem Anspruch an ein Hightech-Heizsystem optisch gerecht zu werden und trotzdem die Markenwerte wie Qualität, Robustheit und Langlebigkeit widerzuspiegeln. Persönlich finde ich es sehr erfreulich, den iF Design Award, ein weltweit anerkanntes Markenzeichen, in enger Zusammenarbeit mit dem regionalen Produktdesigner Stefan Otzelberger von Soform Design verliehen zu bekommen.

Weitere Informationen: www.hdg-bavaria.com

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