Giacomo Zanette: “Wir haben 2016 mit einem leichten Wachstum abgeschlossen”"

Dienstag, 15. August 2017 | Autor: Joachim Berner

Der italienische Holzofenhersteller MCZ hat seinen Umsatz in den vergangenen 15 Jahren von 8,3 auf beinahe 100 Millionen Euro gesteigert. Das Unternehmen beschäftigt derzeit fast 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Frankreich, Italien und Kroatien. Im Interview erläutert Firmenchef Giacomo Zanette die Unternehmensphilosophie.

Herr Zanette, wie ist das Jahr 2016 für MCZ gelaufen?
Der gesunkene Erdölpreis und die in vielen Ländern nicht mehr so großzügigen Steuererleichterungen und Zuschüsse für erneuerbare Energien haben das zwischen 2006 und 2013 erzielte starke Wachstum abrupt verlangsamt. Wir haben es trotzdem geschafft, das Jahr 2016 mit einem leichten Wachstum von zwei bis drei Prozent abzuschließen. Um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, investieren wir in die Produktion von Geräten mit einer immer saubereren Verbrennung. Aber man darf nicht vergessen, dass es bei Kaminen und Öfen nicht nur um das Sparen geht, sondern dass sie als Einrichtungsgegenstände einen emotionalen Wert besitzen. Er lässt sich nicht rein über die Vernunft definieren.

Inweifern spiegelt sich das in Ihren Geräten wider?
MCZ hat früher als andere verstanden, welchen gefühlsmäßigen Wert Heizgeräte in einer Wohnung haben. Das Design war daher immer ein wichtiger Gesichtspunkt. 2011 haben wir den angesehenen IF Product Design Award für das Modell Toba erhalten. Wir zeichnen uns seit jeher durch ein Image von Eleganz, Technologie und Innovation aus, das wir mit timmungsvollen, die Gefühle ansprechenden Fotos vermitteln. Auch bei den Inhalten hebt sich MCZ ab. Wir versuchen, möglichst einfach und direkt über das Feuer in all seinen Facetten zu erzählen. Das Projekt yourfire.com ist zum Beispiel aus dem Wunsch heraus entstanden, den emotionalen Aspekt des Feuers auf neue Art zu vermitteln. Es sollen immer inhaltlich korrekte Informationen gegeben werden, die aber auch die Gefühle und Sinne ansprechen.

MCZ ist aus einem Baustoffhersteller entstanden. Wann und warum haben Sie sich dem Heizungsbereich zugewandt?
Die ersten Heizkamine haben wir um 1993 hergestellt. 1998 haben wir ein Fachunternehmen übernommen und begonnen, Kaminholzöfen herzustellen. Der große Wendepunkt kam Anfang 2000, als wir beschlossen, uns aus dem Bereich der Betonbodenbeläge zurückzuziehen. Wir haben den Geschäftsbereich MCZ Pavimentazioni verkauft und den Erlös vollständig in die Entwicklung der Holzheizsysteme investiert. Das war eine schwierige Entscheidung, weil die Bodenbeläge damals gute Gewinne erzielt haben. Wir haben aber geahnt, dass Kamine und Öfen bessere Zukunftsperspektiven bieten. Wir mussten mehrere Jahre warten, bis sich diese Ahnung bestätigt hat. Aber das Warten hat sich gelohnt. 2006 gab es plötzlich einen Boom vor allem bei Pelletsöfen, zuerst in Italien und dann auch im restlichen Europa. MCZ hatte zu der Zeit schon das Know-how und die Mittel, um mit bekannten Heizungsunternehmen konkurrieren zu können.

MCZ hat in den vergangenen Jahren mehrere Firmen übernommen. Warum?
Das Ziel der Gruppe ist es, ihren Marktanteil zu vergrößern, indem sie ihr Angebot durch Biomassegeräte verschiedener Kategorien ergänzt und unterschiedliche Preissegmente und Vertriebskanäle bedient. Um das zu erreichen, haben wir uns für Firmenübernahmen entschieden. Außerdem haben wir unsere Herstellungsprozesse nach den Prinzipien des Lean Manufacturing optimiert, um ein vielfältiges Angebot aufrechterhalten und zugleich eine hohe Produktionseffizienz in all unseren Geschäftsbereichen gewährleisten zu können.

Wie verteiben Sie Ihre Produkte?
Auf den für uns wichtigsten Märkten in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz ist die MCZ Group direkt tätig und hat sich ein eigenes Vertriebsnetz aufgebaut. In anderen Ländern wie Belgien, Polen oder Spanien verlassen wir uns auf teilweise sehr große Importeure.

Wo liegen Ihre wichtigsten Märkte?
Der französische Markt ist in Hinsicht auf den Umsatz für uns am wichtigsten. Ein Drittel unseres Gesamtumsatzes erwirtschaften wir in Frankreich.

Der Export spielt demnach eine große Rolle.
Für MCZ war von Anfang an klar, dass man sich nicht exklusiv auf den italienischen Markt konzentrieren kann. Heute kommen 70 Prozent unseres Umsatzes aus dem Export. Wir haben es geschafft, Geräte mit einem internationalen Design anzubieten, das nicht zu stark vom italienischen Geschmack beeinflusst ist. Aber vor allem haben wir ein gut organisiertes Kundendienst-Netzwerk in allen Ländern, in denen wir unsere Geräte vertreiben. Öfen, insbesondere Pelletsöfen, sind technisch komplexe Geräte, für die ein angemessener Service erforderlich ist. Die dafür zuständigen Fachtechniker werden hier im Unternehmen ständig aus- und weitergebildet.

Welche Perspektiven sehen Sie für den Pelletsmarkt?
Mittel- und langfristig erwarten wir ein gutes Wachstum des französischen Pelletsmarkts, der, im Gegensatz zu dem italienischen, noch nicht voll entwickelt ist. Mit wachsendem Interesse beobachten wir auch die neuen Märkte, zum Beispiel in China, Russland und den USA. Gleichzeitig beobachten wir auch, wie sich andere Heizsysteme zur Haushaltsenergiegewinnung, die nicht mit Biomasse funktionieren, wie zum Beispiel Solar- oder Erdwärmeanlagen, weiterentwickeln. Wir schließen nicht aus, dass sich in diesen Bereichen auch interessante Wachstumsperspektiven für unsere Gruppe eröffnen können.

Das Interview hat die Presseagentur ERGO zur Verfügung gestellt. Es wurde von der Pelletshome-Redaktion bearbeitet.

Vom Kochherd bis zum Heizkessel – dIe Marken der MCZ Group
Die Marke MCZ, die im mittleren bis oberen Marktsegment positioniert ist und ihre Geräte ausschließlich über Fachhändler vertreibt, hat Öfen und Kamine im Angebot, die sich durch hohe Leistungen und ein ausgesuchtes Design auszeichnen. Die Marke Red bietet Heizsysteme an, die sowohl mit Pellets als auch mit Sonnenenergie funktionieren und von Heizkesseln über Öfen und Boiler bis hin zu Solarkollektoren reichen. Bei Sergio Leoni und Arco handelt es sich um Nischenmarken. Die erste ist auf handgefertigte Keramiköfen spezialisiert, die zweite auf Holz- und Pelletsöfen aus Speckstein. Die Marke J.Corradi steht für klassische Kochherde, wie  man sie von früher kennt, allerdings mit modernem Design und einer besseren Leistung. Mit der Marke Sunday hat sich das Unternehmen eine gute Position auf dem europäischen Markt für gemauerte Gartengrills erarbeitet. Die Marke Cadel liegt im mittleren bis oberen Preissegment des spezialisierten Vertriebskanals, während die Pelletsöfen der Marke Freepoint über große europäische Handelsketten wie Leroy Merlin und Brico vertrieben werden. In diesem Jahr hat MCZ die traditionsreiche französische Kaminmarke Brisach übernommen.

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