Georg Dasch: „Ein Sonnenhaus ermöglicht ein Maximum an Eigenversorgung“

Dienstag, 10. April 2018 | Autor: Joachim Berner

Georg Dasch Georg Dasch Der Architekt Georg Dasch plant seit fast dreißig Jahren Sonnenhäuser. Im Interview erklärt der Vorsitzende des Sonnenhaus-Instituts, warum die Solarthermie trotz des Trends zum Heizen mit Strom ihre Berechtigung hat.

Herr Dasch, das Heizen mit Photovoltaik und Wärmepumpe gewinnt immer mehr an Beliebtheit. Warum sollte heute überhaupt noch jemand ein Sonnenhaus mit einer großen Solarwärmeanlage bauen?
Das klassische Sonnenhaus-System ist heute schon mit 100 Prozent regenerativer Heizenergie möglich. Ein gutes Sonnenhaus hat die niedrigsten Heizkosten bei einer geringen Komplexität der Anlage. Der Vorteil der Solarwärme besteht in den geringen spezifischen Speicherkosten und der Langlebigkeit von Wärmespeichern mit Wasser als Medium.

Also braucht es keine Photovoltaik auf dem Sonnenhaus?
Ich habe schon bei meinen ersten Sonnenhäusern zusätzlich zur Solarwärmeanlage Solarstrommodule in das Dach integriert. Damals waren sie zur Volleinspeisung, heute wird der Strom im Haushalt verbraucht. Die Kombination von Solarthermie, Nachheizen mit Biomasse und die Stromversorgung für Haushalt und Mobilität über eine Photovoltaikanlage ermöglichen ein Maximum an Eigenversorgung mit Solarenergie.

Um mindestens 50 Prozent Heizenergie von der Sonne zu erreichen, muss die Solarwärme gespeichert werden. Dafür ist ein Langzeitwärmespeicher nötig und der braucht Platz. Was hat sich in den vergangenen Jahren bei der Entwicklung getan?
Ein Langzeitwärmespeicher ist dann nötig, wenn der solare Deckungsgrad die 50 Prozent überschreiten soll. Ein Speicher von acht Kubikmetern ermöglicht bei einem Einfamilienhaus Deckungsraten von etwa 70 Prozent. Der Platzbedarf ist also nicht mehr so groß. Außerdem kann der Speicher geschickt in das Gebäudeinnere integriert werden, zum Beispiel als optischer Blickfang im Flur, um den herum sich die Treppe in das Obergeschoss schlängelt.

Sonnenhaus am Chiemsee Sonnenhaus am Chiemsee Halten Sie eine Holzheizung oder eine Gastherme für das bessere Nachheizsystem in einem Sonnenhaus?
Wenn das Ziel eine 100 Prozent regenerative, Kohlendioxidfreie Energieversorgung ist, dann scheidet eine Gastherme aus. Wenn es darum geht, geringe Investitionskosten zu haben, und ein Anteil fossiler Energieverbrauch toleriert wird, dann ist eine Gasheizung eine Option.

Das Sonnenhaus-Konzept wird immer häufiger in Mehrfamilienhäusern und Geschosswohnungsbauten eingesetzt. Meistens kommen große Solarwärmeanlagen zum Einsatz. Wie kann sich die Solarthermie gegen Photovoltaik und Wärmepumpe durchsetzen?
Der Vorteil der Solarthermie liegt in der Bereitstellung von Temperaturen jenseits der 60 Grad Celsius, was eine komfortable, hygienisch einwandfreie Versorgung mit Warmwasser ermöglicht. Mehrfamilienhäuser werden in der Regel mit Gasthermen oder Biomassekesseln beheizt. So lange im Nachheizsystem ein Feuer brennt, ist die Kombination mit einer großen Solarwärmeanlage sehr sinnvoll. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kann sonst die Heizkosten nicht senken. Wenn die Nachheizung mit einer Wärmepumpe geplant ist, dann ist die Entwicklung eines Photovoltaik-Wärmepumpenheizsystems sinnvoll.

Wird es in 20 Jahren noch klassische Sonnenhäuser mit Solarthermie geben?
Auch in 20 Jahren wird es noch klassische Sonnenhäuser geben, weil sie technisch nicht überholt sind. Welche Technik neu eingesetzt wird, das will ich heute nicht beurteilen, weil in der PV-Wärmepumpentechnologie noch viel Potenzial liegt. Ist die Stromerzeugung ganzjährig regenerativ und kann Strom für ein paar Wochen gespeichert werden, dann muss man bewerten, was wirtschaftlicher ist: Strom oder Wärme speichern.

Das Interview hat das Sonnenhaus-Institut zur Verfügung gestellt. Es wurde von der Pelletshome-Redaktion bearbeitet.

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