Tobias Paulun: “Marktteilnehmer können Preisänderungsrisiken absichern”

Montag, 20. November 2017 | Autor: Joachim Berner

Seit Mitte September lassen sich Holzpellets an der Energiebörse European Energy Exchange (EEX) handeln. Im Interview mit Pelletshome.com erklärt Strategievorstand Tobias Paulun, warum die EEX Holzpellet-Futures eingeführt hat. 

An der EEX werden Emissionen, Erdgas, Kohle und Strom gehandelt. Warum jetzt auch Holzpellets?
Holzpellets werden zur Energiegewinnung genutzt, sind ein Ersatzprodukt für Kohle und damit eng mit dem Energiemarkt verbunden. Besonders in Dänemark, Großbritannien, Schweden und den Benelux-Ländern werden Kohlekraftwerke zunehmend zur Teilbefeuerung mit Holzpellets umgerüstet oder komplett auf den Brennstoff umgestellt. Wir wollen dazu beitragen, für diese neue Produktklasse einen transparenten und liquiden Marktplatz zu entwickeln. Auch über Europa hinaus gewinnen Holzpellets an Bedeutung. So entstehen in Asien gerade viele Projekte zur Verstromung der Holzpresslinge. Deshalb passt das Produkt auch strategisch gut zur EEX, die sich zunehmend über Europa hinaus aufstellt und mittlerweile in drei Zeitzonen präsent ist.

Welche Vorteile bietet ein börslicher Handel?
Die neuen Kontrakte geben unseren Handelsteilnehmern die Möglichkeit, Preisänderungsrisiken über die Börse und ihr Clearinghaus abzusichern. Dabei ist für sie von Vorteil, dass bereits heute alle wichtigen Handelsteilnehmer für Energie und energienahe Produkte in Europa an den Märkten der EEX aktiv sind.

Ihr Angebot umfasst laut Ihrer Pressemitteilung finanziell abgerechnete Futures auf Holzpellets, die als Monatsfuture mit 36 Fälligkeiten verfügbar sind. Was ist darunter genau zu verstehen?
Bei einem Monats-Future vereinbaren Käufer und Verkäufer einen Preis für einen bestimmten Liefermonat. Entsprechend der handelbaren Fälligkeiten kann dieser bis zu 36 Monate in der Zukunft liegen. Da es sich um einen finanziellen Kontrakt handelt, wird zum vereinbarten Lieferzeitpunkt der vereinbarte Preis gegen den zugrundeliegenden Sportmarkt-Index abgerechnet. Man vergleicht also einfach ausgedrückt den gehandelten Preis mit dem zum Lieferzeitpunkt aktuellen Preis und es erfolgt ein Barausgleich. Wir verwenden als Index den Argus-Index cif ARA.

Warum ist die Kontraktgröße auf 100 metrische Tonnen festgelegt?
Das ist die Mindesthandelsgröße. Kleinere Mengen können nicht direkt über die EEX gehandelt werden, aber eventuell über einen Intermediär, welcher Volumen kleinerer Teilnehmer bündelt. Die Festlegung auf 100 Tonnen ergab sich in Abstimmung mit unseren Kunden, die wir im Vorfeld der Einführung konsultiert hatten. Aus dem Markt haben wir das Feedback erhalten, dass eine Kontraktgröße von 100 Tonnen für den Großhandel eine gute Ausgangsbasis darstellt. Handelsteilnehmer können jeweils das Vielfache der Kontraktgröße handeln.

Die Handelsteilnehmer können sich nicht nur gegen Preisrisiken absichern, sondern eine Transaktion in das börsliche Clearing überführen, wie es in einer Pressemitteilung von Ihnen heißt. Was bedeutet das konkret?
Jedes Börsengeschäft, das an der EEX getätigt wird, wird durch das Clearinghaus der Börse abgewickelt. Das bedeutet, unsere Tochtergesellschaft European Commodity Clearing (ECC) garantiert die Zahlung und Lieferung jeder Transaktion, auch im Falle des Ausfalls eines Handelsteilnehmers. Teilnehmer können auch außerbörslich geschlossene Geschäfte durch das Clearinghaus abwickeln lassen und auf diese Weise absichern. Über unser sogenanntes Trade Registration Angebot registrieren Handelsteilnehmer ihr außerbörslich geschlossenes Geschäft und überführen es damit in das börsliche Clearing. Infolgedessen übernimmt die ECC auch für diese Geschäfte Clearing und Abwicklung und garantiert die Erfüllung der Transaktion. Die Unternehmen profitieren bei diesem Service von der sicheren und etablierten Abwicklungsinfrastruktur der Börse.

Wie sichern Sie Risiken ab, wenn zum Beispiel eine Firma sich nicht an die Kontraktvereinbarungen hält?
Beim Ausfall eines Teilnehmers, das heißt Nichterfüllung seiner vertraglichen Pflichten, übernimmt unser Clearinghaus das Ausfallrisiko. In ihrer Rolle als zentraler Kontrahent tritt die ECC in die Vertragskette ein und gewährleistet die Zahlung und Lieferung des Handelsgeschäfts.

Welche Voraussetzungen müssen Firmen erfüllen, damit sie Holzpellets an der EEX handeln können?
Um Holzpellets an der EEX zu handeln, müssen Unternehmen als Handelsteilnehmer an der Börse zugelassen sein. Damit verbunden sind eine Reihe von Anforderungen: Die Firmen müssen beispielsweise einen zugelassenen Händler benennen und die technische Infrastruktur für den Handel vorhalten. Die Handelsteilnehmer müssen sich zudem bei der ECC zulassen und Sicherheiten gemäß ihrer eingegangenen Positionen hinterlegen. Alternativ zur direkten Zulassung an der Börse können Teilnehmer auch indirekt über einen Dienstleister am Handel teilnehmen.

Wie hat sich das Handelsvolumen mit Holzpellets-Futures seit September entwickelt?
Bislang gab es noch kein Handelsgeschäft. Viele Kunden haben uns ihr Interesse am Holzpellet-Future signalisiert. Allerdings benötigt es Zeit, um diesen jungen Markt zu entwickeln und es braucht Vorbereitungen seitens der Teilnehmer. Bevor sie handeln können, benötigen sie eine Zulassung für diesen Markt an der EEX und müssen die entsprechende technische Infrastruktur für den Handel vorhalten. Drei Teilnehmer haben diesen Prozess bereits erfolgreich durchlaufen und sind bereit, Holzpellets an der EEX zu handeln. Weitere befinden sich aktuell in der Vorbereitung.

Die Fragen wurden per E-Mail gestellt.

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