Barbara Pilz: „Die Rahmenbedingungen für Pelletsheizungen in Deutschland haben sich wesentlich verbessert“

Mittwoch, 29. April 2015 | Autor: Joachim Berner

Beim Industrieforum Pellest trifft sich jährlich die Branche, um aktuelle Entwicklungen im internationalen Pelletsmarkt zu diskutieren. In diesem Jahr findet es zusammen mit der ENplus-Konferenz des DEPV am 11. und 12. Juni in München statt. Barbara Pilz, Projektleiterin beim Veranstalter Solar Promotion, erklärt im Interview mit Pelletshome.com, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet und wie sie die Marktentwicklung einschätzt.

Frau Pilz, das Industrieforum Pellets findet in diesem Jahr zusammen mit der Intersolar Europe in München statt, nachdem Sie es in den vergangenen Jahren in Berlin veranstaltet haben. Warum gehen Sie nach München?
Wir sehen in dem Ortswechsel eine gute Möglichkeit, thematische Synergien besser zu nutzen. Moderne Heizungsanlagen setzen sich heutzutage immer häufiger aus verschiedenen Wärmeerzeugern zusammen. Die Installation einer Pelletsheizung mit einer Solarthermieanlage stellt bereits heute eine sehr beliebte Kombination dar, die hilft, Brennstoff einzusparen und die Effizienz der Feuerung zu steigern. Auch die Kombination einer Pelletsfeuerung mit einer Photovoltaikanlage oder einer Wärmepumpe sowie die Integration in ein intelligentes Gebäudemanagement kann für den Hausbesitzer eine interessante Option sein. Doch dazu müssen die Komponenten aufeinander abgestimmt und die Regelung angepasst sein. Um diesen Technologiesystemen eine Plattform zu bieten, hat die Intersolar Europa im vergangenen Jahr ihr Ausstellungsspektrum auf den Bereich der regenerativen Wärme ausgeweitet. Wir sehen das 14. Industrieforum Pellets in diesem Umfeld sehr gut angesiedelt. So können sich die Teilnehmer der Konferenz einen Eindruck von den zukünftigen Möglichkeiten regenerativer Heizsysteme machen.

Sie haben es gerade erwähnt: Im Wärmemarkt gewinnen Kombiheizungen an Bedeutung. Wie werden Sie das Thema beim Industrieforum aufgreifen?
Es wird zwei Vorträge geben. So wird Helmut Jäger vom Solarheizungshersteller Solvis auf die Kombinationsmöglichkeiten verschiedener regenerativer Energiesysteme eingehen und sie unter den Kriterien Umweltfreundlichkeit, Unabhängigkeit, Kosten und Stromnetzstabilität betrachten. Christof Wittwer vom Fraunhofer Institute for Solar Technology wird darüber hinaus einen Einblick in die Integration von Heizsystemen in das Energiemanagement der Gebäude von morgen geben.

Was werden weitere wichtige Themen des 14. Industrieforums Pellets sein?
Einen weiteren Schwerpunkt stellen die Länderreports dar, die einen kompakten Einblick in die unterschiedlichen internationalen Märkte bieten. Experten aus Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien und den USA berichten über das Geschehen am Markt. In weiteren Vorträgen werden der Status quo politischer und energiewirtschaftlicher Rahmenbedingungen wie der Öko-Design-Richtlinie oder der 2. Stufe der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung und deren Auswirkungen auf den deutschen beziehungsweise europäischen Kessel- und Ofenmarkt diskutiert.

Der zweite Veranstaltungstag steht mit der ENplus-Konferenz „Qualitätssicherung rund um das Heizen mit Pellets“ ganz im Zeichen der Brennstoffzertifizierung. Welche aktuellen Entwicklungen gibt es?
Die Einführung des 2010 vom Deutschen Pelletinstitut entwickelten Zertifikats stellt eine Erfolgsgeschichte dar. Nach nur fünf Jahren werden bereits 95 Prozent der in Deutschland hergestellten Pellets nach den strengen ENplus-Vorgaben produziert. Das hat maßgeblich zur Verbesserung der Brennstoffqualität und damit auch zur Kundenzufriedenheit beigetragen. Doch das Zertifikat ist nicht nur in Deutschland ein Erfolg. Etwa 200 Produzenten und 300 Händler in 31 Ländern sind inzwischen nach ENplus zertifiziert. Für uns Grund genug, dem Zertifikat im Rahmen des 14. Industrieforum Pellets mehr Raum zu geben. So organisiert der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband eine ENplus-Konferenz, in der die Entwicklung, das neue ENplus-Handbuch 3.0, Schulungen und Audits, Qualitätsaspekte rund um die Anlieferung sowie Marketingkonzepte präsentiert werden. Parallel dazu führt das European Pellet Council seinen 3. Internationalen ENplus Auditor Workshop in München durch, der allerdings ausschließlich ENplus Auditoren vorbehalten ist.

Wie bewerten Sie die aktuelle Marktlage für Pelletsheizungen?
Die Rahmenbedingungen in Deutschland haben sich durch die Anhebung der Förderung im Marktanreizprogramm deutlich verbessert. Die Stimmung in der Branche ist zuversichtlich – frei nach dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann“. Ich bin überzeugt, dass der Pelletsmarkt in diesem Jahr wieder einen Aufwärtstrend erlebt.

Vor welchen Herausforderungen steht die Branche in diesem Jahr?
Eine der größten Herausforderungen neben der Marktbelebung dürfte die am 26. September 2015 in Kraft tretende und in der Pelletsbranche umstrittene Öko-Design-Richtlinie darstellen. Mit der Energieverbrauchskennzeichnung sollen Hausbesitzer künftig die Effizienz verschiedener Heiz- und Warmwassergeräte vergleichen können. Die Pelletsbranche betrachtet das Label insofern als problematisch, als dass es Heiztechniken miteinander vergleicht, die unterschiedliche Energieträger nutzen. Ein gutes Label suggeriert dem Endverbraucher, dass er mit diesem System effizient, günstig und klimafreundlich heizt. Doch das ist nicht unbedingt der Fall, denn im Label werden Brennstoffkosten oder CO2-Vermeidung gar nicht berücksichtigt. Deutlich sinnvoller wäre der Vergleich innerhalb einer Produktgruppe gewesen. Ein weiteres Problem für die Branche ist es, dass das Effizienz-Labelling nicht für alle gleichzeitig eingeführt wird. Für Gas-, Öl- und Stromheizungen gilt es bereits ab September, während entsprechende Vorschriften für Pelletsheizungen noch nicht einmal veröffentlicht sind. Was der aktuelle Status bei der Öko-Design Richtlinie ist und welche Auswirkungen sie auf den europäischen Heizungsmarkt haben wird, erfahren Interessierte von zwei Experten der Pelletsindustrie während des 14. Industrieforum Pellets.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie in die kommenden Monate?
Ich blicke sehr optimistisch in das Jahr. Es kann eigentlich nur bergauf gehen, gerade nach der Anhebung der Fördersätze. Die Potenziale im Wärmemarkt sind durch den Modernisierungsstau der vergangenen Jahre riesig. Man muss sich das mal vor Augen halten: Nur noch knapp ein Viertel der rund 20 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland arbeiten auf dem aktuellen Stand der Technik – und das in einer Gesellschaft, der es enorm wichtig ist, technisch immer up to date zu sein und zum Beispiel immer das neueste Handy zu besitzen. Die Pelletsbranche ist für Modernisierungen durch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ihrer Heizungen gut aufgestellt. Man darf nicht übersehen, dass die Pelletstechnik nicht nur in Einfamilienhäusern Einzug gehalten hat. Immer mehr Firmen setzen auf den ökologischen Brennstoff, wenn es darum geht, Betriebsgebäude zu wärmen oder Prozesswärme zu erzeugen. Da hat sich ein eigenständiger Markt für Großanlagen entwickelt. Wenn es die Branche jetzt noch schafft, den Anschluss an das moderne Gebäudemanagement nicht zu verpassen und sich smart mit anderen regenerativen Energiesystemen zu vernetzen, sehe ich große Potenziale, die modernste Holzheizung stabil in unserer Hightech-Gesellschaft zu verwurzeln.

Weitere Informationen: www.pelletsforum.de

Bewerten Sie diesen Beitrag

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 5.0/5 (3 votes cast)
5.053
Schlagworte: , , , ,

1 Kommentar

  1. […] Anforderungen der 2. Stufe der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung waren eines der Hauptthemen der Veranstaltung. Holzkesselhersteller stellen sich nicht gegen die Einführung strenger Emissionsgrenzwerte. machte […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre persönlichen Daten

Ihr Kommentar

Sie haben News für die Pellets-Branche?

Senden Sie diese an news@pelletshome.com

Newsletter
Bleiben Sie immer up to date. jetzt Newsletter abon­nie­ren

schnell und einfach den richtigen Pelletofen finden!

zum Produktfinder

zur Navigation Sprache wählen: Home | Sitemap | Italiano

Hauptmenü:

Diese Seite verwendet Cookies, die für eine uneingeschränkte Nutzung der Website nötig sind. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Website finden Sie in der Datenschutzerklärung.
Dort kann auch der Verwendung von Cookies widersagt werden.
Akzeptieren