Buchtipp: Wörterbuch Klimadebatte

01/03/2019 | : Joachim Berner

Experten aus verschiedenen Disziplinen klären im Wörterbuch Klimadebatte über 40 Schlüsselbegriffe des Diskurses auf. Herausgegeben hat es die Geographie-Dozentin Sybille Bauriedl von der Universität Bonn.

Wörterbuch Klimadebatte hinterfragt grünes Wachstum

Grünes Wachstum, Energiewende, Nullemission – nicht allein die Klimaforschung, auch die jahrzehntelange Klimadebatte hat ihr eigenes Vokabular hervorgebracht. Im neuen Wörterbuch Klimadebatte untersuchen Vertreter aus Kultur-, Politik- und Sozialwissenschaften über 40 der etablierten Begriffe näher. Das Fazit der Herausgeberin: Die Begriffe transportieren in der öffentlichen Kommunikation eine Agenda, die bewahren wolle, nicht reformieren. Das bisher auf immer mehr Ressourcenverbrauch beruhende Wachstum der entwickelten Staaten soll auch über die vielen Klimagipfel hinaus anhalten, während gleichzeitig weniger Ressourcen verbraucht werden sollen. Tatsache sei laut Bauriedl aber, dass der Beweis für ein grünes Wachstum seit Jahrzehnten ausbleibe. Das Wörterbuch Klimadebatte zeigt mit seinen Begriffserklärungen, dass es in der Klimadebatte vor allem um die Bewahrung des gegenwärtigen Wirtschaftsmodells geht.

Klimadebatte bewahrt Leitbild der Industriegesellschaft

In Zeiten zunehmenden Reichtums – ein Phänomen, das durch den Raubbau an der Natur möglich wurde und so den Klimawandel mit befördert hat – spricht niemand von weltweiter Solidarität. Die Idee der Weltbürgergesellschaft kam erst auf, seit es um die Verteilung der Kosten für den Naturverbrauch geht. Sie sollen nun nicht allein die Wenigen, sondern alle gemeinsam tragen. “Das ist nicht allein ungerecht, sondern verstärkt auch eine Kollektivierungsrhetorik, welche die Annahme transportiert, alle Menschen hätten in der Klimadebatte dieselben Interessen und es ginge jetzt allein noch um adäquate Methoden, das gemeinsame Ziel zu erreichen”, sagt Bauriedl. Im Kern bewege sich der Diskurs rund um den Klimawandel gerade um eben jene Begriffe, die auch schon die Industriegesellschaft geprägt hatten. “Und nun sollen diese – mit definierten Bedeutungen und Assoziationen besetzten – Begriffe heute den Wandel aus dieser Industriegesellschaft hinaus kommunizieren helfen?”, fragt Bauriedl. Sie will mit dem Wörterbuch Klimadebatte verdeutlichen, dass die alten Begriffe ebenso Teil des Problems sind wie die alten Rezepte in Wissenschaft und Ökonomie.

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