Aufbruchstimmung in der Pelletsbranche

Dienstag, 13. Oktober 2009 | Autor: pelletshome

535 Teilnehmer aus 35 Ländern diskutierten beim 9. Industrieforum Pellets in Stuttgart aktuelle Marktentwicklungen und Zukunftstrends der Pelletwirtschaft. Der Besucherrekord bestätigte das Treffen als eine der wichtigsten Fachkonferenzen der Branche.

Zu den wichtigsten Neuigkeiten, die am Industrieforum vorgestellt wurden, zählt die neue EU-Norm für Pellets, die voraussichtlich ab 2010 Gültigkeit erlangen und die alle bisherigen diesbezüglichen nationalen Normen ablösen wird. Mit der neuen europäischen Norm EN 14961 soll auch ein neues, europaweit einheitliches Zertifizierungssystem für die Pelletsqualität eingeführt werden: EN plus. Vorarbeiten für das neue Zertifizierungssystem wurden durch das deutsche Pelletsinstitut sowie das deutsche Biomasseforschungszentrum geleistet. Eine Feinjustierung des vorliegenden Entwurfs für das neue Zertifizierungssystem soll durch die Diskussion mit Branchenmitgliedern bei proPellets Austria aber auch anderen europäischen Pelletsverbänden erfolgen. In Zukunft wollen die nationalen Pelletsverbände eng bei allen Fragen der Pelletsqualität zusammenarbeiten. Dazu wird die Etablierung eines europäischen Dachverbands der Pelletswirtschaft diskutiert. Ein erstes Treffen der Pelletsverbände zur Vorbereitung der Gründung eines solchen Dachverbandes wird Anfang 2010 in Brüssel stattfinden.

Verknappung durch Kraftwerkseinsatz

Besonders spannend verlief eine Podiumsdiskussion am ersten Konferenztag, in der es zu einer kontroversiellen Debatte darüber kam, ob Pellets vorwiegend für den Wärmemarkt zur Verfügung stehen sollen, oder ob auch der rasant wachsende Einsatz in Kraftwerken seine Berechtigung hat. Der Geschäftsführer von Ökofen, Herbert Ortner verwies darauf, dass die Pelletsnutzung in Heizanlagen wesentlich effizienter ist als in Kraftwerken. Daher sollten diese für den Einsatz am Wärmemarkt vorbehalten bleiben und der Einsatz in Kraftwerken gesetzlichen Restriktionen unterworfen werden. Weiterer Kritikpunkt am Kraftwerkseinsatz: Dieser könnte zu einer Verknappung der Versorgung mit Pellets am Wärmemarkt führen.
Diesem Argument setzte Jorit Hachmer, Vertreter des Kraftwerkbetreibers Essent, entgegen, dass der direkte Ersatz von Kohle durch Pellets einen besonders hohen CO2 Vermeidungseffekt hat. Auch ist die Pelletsqualität, die Kraftwerke verbrennen meist nicht für den Einsatz in Kleinfeuerungsanlagen geeignet. Hachmer geht davon aus, dass die ambitionierten Ziele für die Nutzung von erneuerbarer Energie und die Reduktion der CO2 Emissionen, die die EU vorgegeben hat, innerhalb der relativ kurzen Frist von elf Jahren nur durch den massiven Ausbau der Nutzung von Pellets in Kohlekraftwerken erreichbar ist. In diesem Bereich könnten innerhalb weniger Jahre viele Millionen Tonnen Pellets eingesetzt werden. Die politischen Rahmenbedingungen dafür müssten allerdings erst geschaffen werden. Die Beschaffung derart großer Pelletsmengen wäre laut Hachmer nur auf dem Weltmarkt möglich. Am Wahrscheinlichsten erscheint dabei die Nutzung von Plantagenwäldern für die Bereitstellung der Rohstoffe für die Pelletsproduktion. So wurde erst kürzlich ein Großprojekt vertraglich besiegelt, in dem schnell wachsende Eukalyptusplantagen in Australien als Rohstofflieferant für die Pelletsproduktion herangezogen werden. Über eine Million Tonnen Pellets jährlich sollen auf diese Weise produziert werden. Die Kraftwerksnachfrage würde nach Hachmer zur raschen Etablierung tragfähiger weltweiter Produktionsstrukturen führen, die in der Folge auch für die Belieferung der Wärmemärkte zur Verfügung stehen würden, zumal diese einen deutlich höheren Preis bezahlen können als Kraftwerke.

Neue internationale Interessenten

Wie rasch es zu einer Globalisierung der Pelletswirtschaft kommt, zeigte sich nicht nur an der breiten internationalen Teilnehmerschaft. Auffällig war die Anwesenheit vieler international tätiger Großhandelshäuser, die derzeit unter anderem im Handel mit Zellulose tätig sind und die sich in Zukunft auch mit dem Pelletshandel befassen wollen.
Im Vergleich zu der sehr erfolgreichen Konferenzveranstaltung nahm sich die parallel laufende Messe Interpellets etwas bescheidener aus. Die meisten wichtigen Unternehmen stellten zwar aus, von der Besucherfrequenz war die Ausstellung aber noch kein durchschlagender Erfolg. Dennoch war die Messe, gerade für die internationalen Besucher der Konferenz ein wichtiger Anziehungspunkt und zusätzlicher Nutzen. Markant für beide Veranstaltungen: Obwohl derzeit aufgrund der niedrigen Ölpreise eine durchwegs gedämpfte Konjunktur in der Pelletswirtschaft zu verzeichnen ist, sind die Erwartungen für die kommenden Jahre hochgesteckt. Alle Experten gehen von einer sehr positiven weiteren Entwicklung aus.

Besucherrekord

Mit 535 Teilnehmern aus 35 Ländern konnte die Fachtagung einen neuen Besucherrekord verzeichnen. Hervorragende fachliche Vorträge, eine spannende Podiumsdiskussion und viel Gelegenheit zum Austausch mit den Branchenkollegen bestätigten das Industrieforum Pellets als eine der wichtigsten Pellets-Fachkonferenzen weltweit. Thematische Schwerpunkte waren die Entwicklung in diversen internationalen Märkten, Innovationen bei der Pelletsproduktions- und Feuerungstechnik sowie Entwicklungen im internationalen Handel, bei der Logistik und dem Marketing von Pellets.
Das hohe Niveau der Beiträge zeigte, wie rasch die Professionalisierung der Branche voranschreitet. Die Marktberichte aus aller Welt machten die enormen quantitativen Wachstumspotenziale deutlich, vor denen die Pelletwirtschaft steht.

Autor: Dr. Christian Rakos (Geschäftsführer proPellets Austria)
Quelle: www.timber-online.net

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