Der europäische Biomasseverband AEBIOM hat die nationalen Aktionspläne für erneuerbare Energien verschiedener europäischer Staaten untersucht. Sie sollen Wegweiser für die Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung in den einzelnen Ländern sein. AEBIOM-Experte Peter Rechberger erklärt im Interview mit Pelletshome.com inwieweit die Regierungspläne moderne Ökowärmetechnologien berücksichtigen und was sie für die Pelletsheiztechnik vorsehen.
Herr Rechberger, wie schneiden die Biowärme in den nationalen Aktionsplänen ab?
Fast die Hälfte des europäischen Energieaufwands fällt fürs Heizen und Kühlen an. Der Wärmesektor bleibt in den Aktionsplänen zwar der wichtigste Markt für die Bioenergie, jedoch hätte sich AEBIOM einen weit stärkeren Ausbau gewünscht. Schließlich kann Biomasse am effizientesten zur Wärmerzeugung eingesetzt werden – und das zu sehr konkurrenzfähigen Preisen. Solarthermie und Geothermie vernachlässigen die Pläne allerdings noch stärker.

Energieexperte Peter Rechberger arbeitet für den europäischen Biomasseverband AEBIOM in Brüssel. Foto: Rechberger
Welche Ziele setzen sich die Staaten für die Biomasse bis 2020 genau?
Die Biomasse soll mit 18 Prozent zum europäischen Wärme- und Kühlbedarf beitragen – unter Berücksichtigung der Ziele für die Energieeffizienz. Die Pläne der 27 Mitgliedsstaaten sagen für 2020 die folgende Aufteilung der Bioenergie voraus: 62 Prozent für Wärme, 24 Prozent für Transport, 14 Prozent für Strom.
Woran liegt es Ihrer Ansicht nach, dass die Ziele für Ökowärme weniger ambitioniert sind als für Ökostrom?
Während vielen Mitgliedsstaaten die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen mit Einspeisetarifen, grünen Zertifikaten usw. leicht fällt, haben sie mit dem vielschichtigen Wärmebereich große Probleme. Es hat den Anschein, dass manchen Plänen keine strukturierte Strategie für den Wärmemarkt zu Grunde liegt. Anscheinend hat man zunächst die Ziele für den Transportsektor formuliert, da in diesem Bereich jeder Mitgliedsstaat einen verpflichtenden Anteil von zehn Prozent erneuerbarer Energie bis 2020 erreichen muss. Danach wurde der Stromsektor bedient. Was dann noch nötig war, um die länderspezifischen Vorgaben für den Endenergieverbrauch zu erreichen, fiel am Ende dem Wärmesektor zu. Es muss auch erwähnt werden, dass viele Pläne von Beamten in Wirtschaftsministerien und nicht von Energieexperten verfasst wurden.
Wie sieht es mit der Pelletsheiztechnik in den Regierungsplänen aus?
Genaue Angaben zur Pelletsheiztechnik hat die EU in den Plänen nicht verlangt. Einige Länder wie zum Beispiel Frankreich, Italien und Schweden planen jedoch mit einem hohen Einsatz fester Biomasse im Wärmesektor.
Welche Länder stellen sich außergewöhnlich ambitionierte Ziele für den Wärmesektor, welche vernachlässigen ihn besonders?
Die Briten stehen vor einem Umbruch ihres besonders auf Gas ausgelegten Wärmesektors. Mit Hilfe eines revolutionären Vergütungssystems für erneuerbare Wärme, das den deutschen Einspeisetarifen für Strom ähnelt, wollen sie einen hohen Anreiz zum Umstieg auf erneuerbare Energien schaffen. Von den großen Mitgliedsstaaten setzen vor allem Frankreich und Italien auf Biowärme. Speziell der wenig ambitionierte Plan für Biomasse meiner österreichischen Landsleute enttäuscht. So werden die vielen erfolgreichen Hersteller von Biomasseheizsystemen aus Österreich noch stärker im europäischen Ausland nach Kunden suchen müssen. Der österreichische Aktionsplan hat nicht das starke Wachstum der Branche in den vergangenen Jahren berücksichtigt.
Wie beurteilen sie die europäische Energiepolitik hinsichtlich der Förderung von Ökowärme?
Brüssel hat die Wichtigkeit des Wärmemarktes erkannt. Aber in den Aktionsplänen kann die Kommission ihre Mitgliedsstaaten nicht zu mehr Aktivitäten im Wärmebereich zwingen. Die Länder können selbst entscheiden, mit welchen Technologien sie die Ziele für 2020 erreichen wollen. Mehr Einfluss hat die EU bei der Forschung. So entwickelt die von der EU unterstützte Technologieplattform für erneuerbares Heizen und Kühlen RHC derzeit die Vorgaben für neue europäische Förderprogramme. Mehrere Milliarden Euro an Co-Finanzierung warten am Ende dieses Prozesses. Besonders erfolgreich zeigten sich zudem von der Kommission unterstütze Partnerschaften von Städten oder Regionen, die gemeinsam ehrgeizigere Ziele zum Ausbau erneuerbarer Energie verfolgen als ihre Landesregierungen auf nationaler Ebene.
Welche Schritte unternimmt AEBIOM für den Ausbau von Wärme aus Biomasse in Europa?
Seit der Gründung vor 20 Jahren kämpft AEBIOM für mehr Bioenergie in Europa. AEBIOM tritt für eine effiziente Nutzung von Biomasse ein. Und da führt an der Wärme kein Weg vorbei! Ein Großteil unserer mehr als 80 Firmenmitglieder arbeitet im Wärmebereich. Mit Positionspapieren, Events, Broschüren und nicht zuletzt in persönlichen Gesprächen mit Entscheidungsträgern in Kommission und Parlament weisen wir auf dieses wichtige Thema hin. AEBIOM leitet zudem das Biomasse Panel der zuvor erwähnten RHC-Platform, die gemeinsam mit Vertretern der Solar- und Geothermiebranche dem erneuerbaren Heizen auf europäischer Ebene mehr Gehör verschafft.
Inwieweit arbeiten Sie dabei mit der Pelletsbranche zusammen?
Pelletsfirmen sind ein Eckpfeiler in unserem Verband. Viele unserer Mitglieder sind in diesem Markt tätig. Mit Anlagenherstellern, Brennstoffproduzenten, Händlern, Kesselherstellern und Großabnehmern vertritt AEBIOM die gesamte Wertschöpfungskette. Im vergangenen Jahr wurde zudem das European Pellet Council unter der Schirmherrschaft von AEBIOM gegründet, um generell den Pelletssektor in Europa zu vertreten und im speziellen die europaweite Einführung der Pelletszertifizierung ENplus zu koordinieren. Der Präsident dieser Vereinigung, Christian Rakos von Propellets Österreich, sitzt im Aufsichtsrat von AEBIOM.
Weitere Informationen:
European Biomass Association: www.aebiom.org
European Pellet Council: www.pelletcouncil.eu
European Technology Platform for Renewable Heating and Cooling: www.rhc-platform.org
Renewable heat incentive in the UK: www.rhincentive.co.uk