Tobias Brunner
COVID-19-Pandemie und die Folgen für die Pelletsbranche – dazu haben wir vor Kurzem eine Gesprächsreihe gestartet. Im elften Interview gibt Tobias Brunner vom Energielieferanten Fritz Wahr Energie eine Einschätzung zu den Folgen der Conorakrise.
Herr Brunner, wie wirkt ich die Pandemie auf den Pelletsabsatz aus?
Es ist schwer, ein passendes Bild für die aktuelle Lage abzugeben. Sie ändert sich ständig. Außerdem sind die Zeiträume sehr kurz, in welchen sich schon wieder weitere Änderungen abzeichnen. Die Kunden – gewerblich wie privat – halten wegen der Coronakrise derzeit nicht mit den Bestellungen zurück. Zu Anfang der Krise wurden sogar einige “Panikkäufe” getätigt. Lediglich die gewerblichen Kunden beispielsweise aus dem Hotelgewerbe kaufen derzeit nicht, weil schlicht die Liquidität fehlt.
Unter welchen Sicherheitsvorkehrungen liefern Sie weiterhin Pellets?
Wir liefern Holzpellets weiterhin mit unveränderten Kapazitäten aus. Diverse umfangreiche Hygiene- und Schutzmaßnahmen sind eingeführt, die unser Personal vor Ort beim Kunden umsetzt.
Wie gesichert ist der Brennstoffnachschub aus der Pelletsproduktion?
Rohstoffseitig kommt derzeit weiterhin genügend Material bei den Produzenten an. Zudem sind die Lager der Händler und Produzenten weitestgehend noch relativ gut bestückt. In Baden-Württemberg haben wir aber lediglich drei Hersteller von Holzpellets. Fällt einer davon aus oder gar zwei, dann dreht sich das Blatt. Ein weiterer wichtiger Indikator wären die Spediteure und die Sägewerke. Der Markt funktioniert nur dann reibungslos, wenn Säger, Spediteure für den Rohstoff, Produzenten und Lieferanten funktionieren.
Wie wird sich der Pelletspreis entwickeln?
Man könnte in diesem Jahr von steigenden Pelletspreisen im Sommer sprechen, sofern die Ausnahmesituation noch länger anhält oder direkte Markttreiber beeinträchtigt werden. Damit wir uns aber richtig verstehen: Wir gehen immer noch davon aus, dass zwischen Mai und August nur wenig Veränderung zu erwarten ist. Das bedeutet konkret eine Einschätzung von plus oder minus drei bis fünf Euro pro Tonne. Die generelle Preisentwicklung über die gesamte Saison ist nicht maßgeblich durch die Krise beeinflusst. Weiterhin wird die Phase zwischen Mai und August die günstige und die zwischen September und April die teurere sein. Preisreaktionen wie im Ölgeschäft wird es im Pelletsgeschäft vorerst nicht geben.
Welche Auswirkungen auf die Marktentwicklung erwarten Sie durch die Pandemie?
Sicher hat die Pandemie auch direkte und indirekte Auswirkungen auf das Pelletsgeschäft. Der Absatzweg der Sackware in Richtung Italien beispielsweise ist komplett eingebrochen, wodurch weitere Mengen ihren Absatz in regionalen Gebieten suchen werden. Für die nahe Zukunft wird es wichtig sein, die Kunden genau im Blick zu haben und Zahlungen zum Teil direkt zu verlangen, damit man als Händler nicht auf Forderungen sitzen bleibt. Da Holzpellets zum größten Teil im privaten Bereich und auch im gewerblichen Bereich zum Heizen genutzt werden, kann die Pelletsbranche voraussichtlich auf weniger drastische und längerfristige Auswirkungen hoffen wie zum Beispiel der Maschinenbau oder die Autoindustrie.
Weitere Informationen: www.wahr-energie.de