Stefan Ortner zur Corona-Krise
COVID-19-Pandemie und die Folgen für die Pelletsbranche – dazu starten wir heute eine Gesprächsreihe. Im ersten Interview berichtet Geschäftsführer Stefan Ortner vom österreichischen Pelletskesselhersteller Ökofen.
Herr Ortner, wie wirkt sich die Pandemie auf den Kesselabsatz aus?
Die Nachfrage ist konstant hoch. Es gibt gute Gründe, trotz dieser schwierigen Situation optimistisch zu bleiben, da bisher so gut wie keine Aufträge storniert wurden. Wir haben lediglich Liefertermine verschoben. Die Auftragseingänge laufen je nach Markt unterschiedlich. Schön zu sehen ist, dass die Heizungsbauer in Deutschland, einem unserer wichtigsten Märkte, nach wie vor arbeiten, was sich in guten Bestell- und Auslieferungszahlen niederschlägt. Die Förderbedingungen sind in vielen Ländern sehr gut, weshalb sich die Kunden auch jetzt für eine Pelletsheizung entscheiden.
Produzieren Sie weiterhin Pelletskessel?
Ja, seit Ende März produzieren wir nach einem zweiwöchigen Betriebsurlaub mit Minimalbetrieb wieder. Den Urlaub haben wir genutzt, um Konzepte für die neue Situation zu entwickeln und die Arbeitsbereiche für eine kontaktlose Produktion umzugestalten. Zusätzlich haben wir die Kantine räumlich und organisatorisch angepasst, um größtmögliche Hygiene und Abstände zu gewährleisten. Büros wurden adaptiert und die Infrastruktur für die Arbeit im Homeoffice erweitert. Für Lieferanten haben wir Schleusen errichtet, Desinfektionsbereiche geschaffen und Hinweise zum richtigen Verhalten in allen Bereichen angebracht. Seit Ende März läuft die Produktion in zwei eigenständigen Teams, damit wir der nach wie vor hohen Nachfrage nach unseren Produkten gerecht werden können.
Gibt es Probleme mit der Rohstoffversorgung?
Ein Großteil unserer Arbeit konzentriert sich derzeit auf die Sicherstellung der Lieferkette, die bisher trotz einiger Herausforderungen noch immer gut funktioniert. Die Materialversorgung ist eine unablässige Voraussetzung. Nun macht es sich bezahlt, dass wir permanent fertige Kessel und Rohmaterial in unseren strategischen Sicherheitslagern haben, um auch in herausfordernden Zeiten wie diesen lieferfähig zu sein.
Ökofen bietet Webinare an
Wie laufen Kunden- und Außendienst ab?
Der Außendienst hat auf kontaktlose Beratung über Telefon, Email und Videokonferenzen umgestellt. Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Digitalisierungs-Hausaufgaben gemacht und unterstützen Heizungsinstallateure und Endverbraucher mit vielen hilfreichen Online-Angeboten. Für Endkunden gibt es die Möglichkeit, mit dem Onlineberater die passende Heizung inklusive Materialrichtpreis und der jeweiligen Förderung für ihr Bundesland zu finden. Das funktioniert für Neubau und Sanierung und auch für Systeme mit Solaranlagen. Eine eigene Website touchdemo.oekofen.info zeigt die moderne Bedienoberfläche für unsere Produkte mit all den innovativen Funktionen wie Online-Wetterdaten-Verarbeitung und der dazugehörigen Smartphone App. Neu ist für die Endkundenberatung ein Online-Erfassungsbogen, der zur vertiefende Vorqualifizierung von Anfragen dient und von Interessenten selbst ausgefüllt und mit Fotos, Skizzen und Plänen angereichert werden kann. Für Heizungsinstallateure bieten wir schon seit längerer Zeit das moderne Ökofen-Partnernet. Neben einem Dokumenten-Downloadbereich mit Volltextsuche und zahlreichen Filtermöglichkeiten findet der Fachmann einen Konfigurator für Hydraulikschemen und eine Berechnungsmöglichkeit für Systemlabels von Heizanlagen. Der Kundendienst ist wie gewohnt im Einsatz. Die Priorität liegt derzeit auf nicht verschiebbaren Aufträgen. Bei den Einsätzen achten wir penibel auf den Schutz unserer Kunden und Mitarbeiter mit Schutzausrüstung, Desinfektionsmitteln und Verhaltensregeln.
Welche Auswirkungen auf die Marktentwicklung erwarten Sie durch die Pandemie?
Wir erwarten für die nächsten Wochen eine leichte Eintrübung der Märkte. Aber wir sind sehr zuversichtlich für das Gesamtjahr. Ein großes Fragezeichen sind politische Maßnahmen und Entscheidungen nach der Krise. Für die erneuerbaren Energien könnte es sogar positiv sein, wenn Konjunktur- und Rettungspakete an ökologische Ziele geknüpft und Investitionen in das eigene Heim unterstützt werden. Gefahr droht, wenn das einzige Ziel darin besteht, schnell zur alten Normalität zurückzukehren und keine Investitionen in Zukunftsprojekte fließen. Wir können nur hoffen, dass unsere Politiker erkennen, dass sie es jetzt in der Hand haben, diese einmalige Chance für unsere Zukunft zu nützen.