Julien Uhlig: „Der dezentralen Energieversorgung gehört die Zukunft“

Dienstag, 17. Februar 2015 | Autor: Joachim Berner

Ein Mikro-Kraftwerk, das Strom und Wärme mit Holzpellets Produziert, hat die Entrade Energiesysteme AG Ende Januar an ihrem Entwicklungszentrum in Pfaffenhofen vorgestellt. Im Gespräch mit Pelletshome.com beschreibt Vorstand Julien Uhlig Besonderheit und Funktionsweise der Entwicklung.

Herr Uhlig, wie kann man sich ihr Mini-Kraftwerk vorstellen?
Wir haben einen Hochtemperaturreaktor entwickelt, in dem bei der Verschwelung von Biomasse-Pellets ein hochwertiges Synthesegas entsteht, mit dem ein Verbrennungsmotor angetrieben wird. Daraus generiert sich eine elektrische Leistung von 22 Kilowatt sowie eine thermische Leistung von 55 Kilowatt – genug, um beispielsweise ein Mehrfamilienhaus mit 15 Wohnungen mit Energie zu versorgen. Bei dem Gas handelt es sich um ein sogenanntes Schwachgas, das in seinen brennbaren Bestandteilen aus 25 Prozent Kohlenmonoxid, 18 Prozent Wasserstoff und rund zwei Prozent Methan besteht. Beim Rest handelt es sich um nicht-brennbaren Stickstoff.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit dieser Technologie zu beschäftigen?
Vor rund fünf Jahren habe ich mich – damals im Auftrag der Wirtschaftsförderung Aachen – intensiv mit der Entwicklung von Holzstromanlagen zur dezentralen Versorgung beschäftigt. Hieraus ist die Entrade AG entstanden, die ursprünglich weltweit solche Anlagen betreiben wollte. Wir haben aber keine Technologie am Markt gefunden, die unseren Ansprüchen gerecht geworden ist. Daher haben wir die Firma Agnion Energy mit ihrem gesamten Know-how in der dezentralen Biomassevergasung übernommen und das Mini-Kraftwerk E3 entwickelt. Durch seine wegweisende Technologie ist es absolut wettbewerbsfähig. Es kann die Energieprobleme in Entwicklungs- und Schwellenländern maßgeblich senken.

Ist das der Markt, auf den Sie zielen?
Überall dort, wo bislang Dieselgeneratoren verwendet werden, besteht ein Markt. Der von uns E3 getaufte Generator – E3 steht für Strom, Wärme und Kälte – soll in erster Linie in Schwellenländern zum Einsatz kommen, wo eine einzige Anlage bis zu 400 Menschen und damit ganze Dörfer rund um die Uhr preisgünstig mit Strom versorgen kann. Schließlich ist der biogene Brennstoff deutlich günstiger als Mineralöl und beinahe überall verfügbar.

Was ist denn das Besondere an Ihrer Anlage?
Im Gegensatz zu herkömmlichen Anlagen fallen beim E3, für den wir inzwischen 14 Patente angemeldet haben, pro Kubikmeter Brennstoff nur 0,1 Gramm Teer an. Der Grund liegt in der besonderen Geometrie des Feuerraums, wodurch im gesamten Reaktor eine gleichmäßig hohe Temperatur von 1.200 Grad Celsius erzielt wird. Inhomogene oder niedrigere Temperaturen, die bei marktverfügbaren Anlagen auftreten können, führen dagegen zu hartnäckigen Teerablagerungen, was oftmals technische Ausfälle zur Folge hat. Aber das ist noch nicht alles. Der E3 überzeugt auch durch seine kompakten Maße und kann als das kleinste Kraftwerk der Welt gelten. 1,86 Meter lang, 1,56 Meter breit und zwei Meter hoch, findet er Platz auf zwei Stahlpaletten, kann deshalb weltweit per Luftfracht verschickt werden und passt durch jede Haustür. Das modulare System arbeitet vollautomatisch. Es ist skalierbar, sodass mehrere Anlagen zu einer größeren verbunden werden können.

Wie steht es um die Kosten?
Wir haben viel Zeit investiert und einiges an Geld in die Hand genommen. Die Entwicklungszeit für die Technologie hat acht Jahre betragen. Die Entwicklungsarbeiten hat ein siebzehnköpfiges Ingenieursteam unter maßgeblicher Beteiligung der TU Graz und weiterer externer Forschungseinrichtungen durchgeführt. Dazu wurden mehr als 50 Millionen Euro in dieses Verfahren investiert. Den zukünftigen Betreiber kostet die schlüsselfertige Anlage rund 70.000 Euro. Das ist extrem günstig, wenn Sie bedenken, dass der Stromerzeugungspreis deutlich unter dem normalen Haushaltstarif liegt.

Für wann planen Sie die Markteinführung geplant?
Wir rechnen noch im laufenden Jahr mit einem Durchbruch für unsere Technologie. Konkret ist geplant, innerhalb der nächsten Monate insgesamt zehn Module in acht Ländern in Betrieb zu nehmen, darunter eine Anlage zur Versorgung eines Dorfes in Uganda im Auftrag der Weltbank. Darüber hinaus liegen aktuell weltweit mehr Bestellungen vor als wir liefern können.

Weitere Informationen: www.entrade.de

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