Der österreichische Pelletskesselhersteller Ökofen Forschungs- und EntwicklungsgesmbH hat 2006 als erster Brennwertgeräte vorgestellt. Seit vergangenem Jahr stattet er sie mit Carbonwärmetauschern aus. Im Gespräch mit Pelletshome.com beschreibt Geschäftsführer Herbert Ortner die Vorzüge der Brennwerttechnik und erklärt, worauf es bei ihrem Einsatz zu achten gilt.
Herr Ortner, warum bieten Sie Brennwertgeräte für Pelletsheizungen an?
Moderne Brennwertkessel nutzen mit ihrer effizienten Technik die im Abgas enthaltene Energie. Sie erzielen damit einen deutlich höheren Wirkungsgrad. Das Prinzip der Brennwerttechnik ist immer dasselbe: Das bei der Verbrennung entstehende Abgas wird bis unter die Taupunkttemperatur abgekühlt, sodass der im Abgas enthaltenen Wasserdampf kondensiert. Die dabei frei werdende Kondensationswärme lässt sich zusätzlich nutzen. Heizwert und Kondensationswärme ergeben zusammen den sogenannten Brennwert. Deshalb ist mit der Brennwerttechnik ein Energiegewinn von mehr als 100 Prozent möglich. Bei unserem Pellematic Plus mit Carbonwärmetauscher erzielen wir einen Wirkungsgrad von über 103 Prozent.

In einem Kuhstall im oberösterreichischen Lembach hat Herbert Ortner vor 20 Jahren begonnen, automatische Holzheizungen herzustellen. Heute hat sich sein Unternehmen als einer der Branchenführer etabliert. Foto: Ökofen
Wie viel an Heizkosten lässt sich damit gegenüber Anlagen mit herkömmlicher Technik sparen?
Wir bekommen durch die Brennwerttechnik eine erhöhte Energieausbeute von zehn bis 15 Prozent. Der höhere Wirkungsgrad und die raumluftunabhängige Betriebsweise führen somit zu einer zusätzlichen Heizkostenersparnis von jährlich bis zu 15 Prozent. Zudem senkt sie die ohnehin guten Staubemissionswerte einer modernen Pelletsheizung nochmals um fast die Hälfte.
Sie rüsten Ihre Geräte mit einem neuen Carbonwärmetauscher aus. Was bringt er an zusätzlichem Nutzen?
Mit Carbon setzen wir auf ein zukunftsweisendes Hightech-Material, das überall dort eingesetzt wird, wo höchste Belastbarkeit gefragt ist wie zum Beispiel in der Luft- und Raumfahrtechnik, in der Formel 1 oder in der chemischen Industrie. Es zeichnet sich durch seine hohe Wärmeleitfähigkeit und sein geringes Gewicht aus. Wegen seiner schmutzabweisenden Oberfläche und seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber schwefel- und chlorhaltigem Kondensat bietet es sich für einen Einsatz in der Brennwerttechnik an.
Kann das Abgas, das am Wärmetauscher kondensiert, diesen nicht verrußen?
Nein, denn an Carbon haften nahezu keine Ablagerungen an. Zudem durchströmen wir den Wärmetauscher mit dem Abgas von unten nach oben. Das Kondensat läuft nach unten ab und spült sofort jede Verunreinigung aus dem Wärmetauscher. Dadurch reinigt sich der Wärmetauscher ständig von selbst. Außerdem steigern wir durch dieses Prinzip zusätzlich den Jahreswirkungsgrad.
Was gilt es beim Betrieb eines Brennwertkessels zu beachten?
Es braucht einen Pufferspeicher, um die Verbrennung unter Volllast sicherzustellen, sowie einen Heizwasser-Rücklauf, der nicht wärmer als 35 Grad Celsius ist. Aus diesem Grund eignen sich Brennwertkessel nur, wenn ein Flächenheizsystem wie eine Fußboden- oder eine Wandheizung die Wärme im Haus verteilt. Bei der Brennwerttechnik ist die Abgastemperatur entscheidend, um eine optimale Energienutzung zu erzielen. Sie muss zwischen 30 und 40 Grad Celsius liegen. Außerdem gilt es zu beachten, dass keine Kunststoffsysteme als Abgassystem zulässig sind. Die Abgasanlage muss für Festbrennstoffe zugelassen und feuchteunempfindlich sein. Zudem ist ein Minimalquerschnitt von 130 Millimetern einzuhalten, um einen Unterdruckbetrieb gewährleisten zu können.
Muss man sich eine solche Heizung wegen des anfallenden Kondensats in den verschiedenen europäischen Ländern extra genehmigen lassen?
Leider existiert bislang keine einheitliche europäische Regelung. In Deutschland wird es sogar in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Bayern braucht es keine Kondensatbehandlung für unsere Geräte, wenn es mit ausreichend Sanitärabwasser eingeleitet wird. Die Kondensateinleitung wird inzwischen von den meisten Bundesländern nach dem bayerischen Merkblatt ohne Neutralisation zugelassen. Der Betrieb eines Pellets-Brennwertkessels muss deshalb lediglich bei der örtlichen Abwasserbehörde oder dem Tiefbauamt angezeigt werden – formlos.
Warum hat sich die Brennwerttechnik in der Pelletsbranche noch nicht durchgesetzt?
Ein Grund ist sicherlich im derzeit vorhandenen Gebäudebestand zu sehen. Der Großteil des Wohnraums ist noch schlecht gedämmt. Dadurch ist die Heizsystemtemperatur zu hoch und damit auch die Rücklauftemperatur. Wie bereits gesagt, benötigen wir aber eine niedrige Rücklauftemperatur, da ansonsten der Brennwertnutzen nicht zum Tragen kommt. Zum anderen spielt der Preis eine Rolle. Die Technik ist sehr anspruchsvoll. Ein Pellets-Brennwertkessel kostet deshalb zurzeit noch etwa 2.000 € mehr als ein Standardgerät.
Welche technischen Trends erwarten Sie in der Pelletstechnik in der nahen Zukunft?
Die größte Herausforderung unserer Zeit ist und bleibt eine nachhaltige Energieversorgung. Energieeffizienz und Heizkosteneinsparung sind die zentralen Anforderungen an eine moderne Heizungstechnik. Der Energiebedarf der Häuser wird in Zukunft deutlich sinken. Mit unserer Neuentwicklung, dem Pellematic Smart mit einem Leistungsbereich von vier bis acht Kilowatt, wollen wir das Marktsegment der Niedrig- und Passivhäuser bedienen. Wir bauen ihn übrigens serienmäßig als Brennwertgerät. Wegen seiner kompakten Baugröße, er vereint das Pellets-Brennwertmodul mit einem Schichtspeicher, benötigt das Gerät gerade mal anderthalb Quadratmeter Stellfläche.
Weitere Informationen: www.pelletsheizung.at
