Robert Mack: “Wir favorisieren integrierte automatische Verbrennungsregelungen”

Freitag, 27. März 2020 | Autor: Joachim Berner

Robert Mack Robert Mack Wie sich falsches Verhalten auf die Emissionen von Holzöfen auswirkt, hat das Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing untersucht. Im Interview mit Pelletshome.com erläutert Robert Mack die wichtigsten Fehler und wie sie sich vermeiden lassen.

Herr Mack, wer seinen Holzofen nicht richtig bedient, riskiert hohe Schadstoffemissionen. Wie lauten die häufigsten Fehler?
Fehlerhafte Lufteinstellungen, der Einsatz von feuchtem Brennstoff, zu spätes Nachlegen und zu viel oder zu wenig Brennstoff einlegen – das sind sicher die gängigsten Fehler.

Welchen Fehler sehen Sie als den schwerwiegendsten an?
Wenn man beim Anzünden des Brennholzes die Rostluft öffnet, damit sich das Feuer schnell entfacht, und anschließend vergisst, die Rostluft wieder zu schließen. Wer die Lufteinstellung nicht anpasst, kann die Emissionen um das bis zu 6,5-fache im Vergleich zum optimalen Betrieb erhöhen. Das stellt sozusagen den allerschlechtesten Fall dar.

Wie wirken sich andere Fehler auf die Emissionen aus?
Zu feuchter Brennstoff ist ebenfalls ein Problem. Damit kann man das vier- bis fünffache der Emissionen erreichen. Zu spätes Nachlegen erzeugt das bis zu fünffache der Emissionen, weil in diesem Fall das Holz wegen der zu geringen Gluttemperatur schlecht zündet. Die Auswirkungen der anderen Fehler, wie Luftmangel, das Verwenden zu langer Holzscheite oder Brennraumüberladung, die wir untersucht haben, fallen geringer aus.

Welche Schadstoffe haben Sie untersucht?
Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, organische Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Staub. Unser Hauptaugenmerk liegt auf den Staubemissionen, weil die derzeit am heftigsten diskutiert werden und für die Gesundheit am relevantesten sind.

Wie bewerten Sie den Feinstaubausstoß von Holzöfen im Normalbetrieb? Anders gefragt: Bewegt er sich im gesetzlichen Rahmen, wenn der Betreiber vernünftig mit seinem Holzofen umgeht?
Die 1. Bundesimmissionsschutzverordnung erlaubt bei einem Scheitholz-Kaminofen Staubemissionen von 40 Milligramm pro Kubikmeter. Bei unseren Messungen lagen wir darunter. Wir haben mit unserem Ofen im ordnungsgemäßen Betrieb 22 Milligramm erreicht. Wir sind natürlich Profis und bei unserem Testgerät handelte es sich um einen qualitativ sehr hochwertigen Ofen. Aber das kann ein Betreiber, der weiß, worauf es ankommt, auch schaffen.

Wie lassen sie sich die Fehler am besten vermeiden beziehungsweise wie kommt ein Holzofenbesitzer an das entsprechende Wissen?
Unsere Berichte sind auf unserer Internetseite www.tfz.bayern.de öffentlich verfügbar. Dort findet sich auch unsere Broschüre “TFZ-Wissen 1: Richtig Heizen. Der Betrieb von Kaminöfen”, in der wir unsere Forschungsergebnisse für Laien zusammengefasst haben. Außerdem sollte der Kaminkehrer bei der Feuerstättenschau hilfreiche Anweisungen geben. Wir würden aber vor allem den Einbau einer automatisierten Verbrennungsluftsteuerung favorisieren.

Inwiefern würde sie helfen?
Die richtige Lufteinstellung nach dem Anzünden könnte nicht mehr vergessen werden. Eine gute automatische Verbrennungsluftsteuerung würde außerdem beim Nachlegen die Rostluft kurz öffnen, um ein möglich schnelles Zünden der Holzscheite zu erreichen, diese aber danach wieder unverzüglich schließen.

Werden solche Regelungen bereits bei den am Markt erhältlichen Geräten integriert oder sehen Sie Nachholbedarf?
Ja, es gibt sie schon von verschiedenen Herstellern. Man sollte allerdings Acht geben bei Steuerungen, die nachträglich installiert werden. Wir sehen das kritisch, weil die Steuerung nicht auf den Ofen angepasst ist. Wir empfehlen integrierte Steuerungen, die der Hersteller auf den Ofen optimiert hat. Man muss dann mit einem Mehrpreis von ungefähr 500 Euro rechnen. Dafür sparen sie aber auch Energie.

Zurück zur Information der Betreiber. Würden Sie in dieser Hinsicht auch die Hersteller noch mehr in der Pflicht sehen?
Ja. Die Bedienungsanleitungen der Geräte, die wir bisher getestet haben, sind teilweise so umfangreich, dass ein Betreiber nur schwer die wesentlichen Informationen herausfiltern kann.Wir haben auch fehlerhafte Angaben in Bedienungsanleitungen gefunden, weil sie teilweise für gesamte Geräteserien formuliert werden, aber für einzelne Modelle nicht zutreffen. Wir empfehlen eine einseitige Kurzanleitung für jedes Modell, am besten laminiert, die man aus der Bedienungsanleitung herausnehmen kann.

Einen Bericht des Bayerischen Rundfunks zum Thema finden Sie in der Mediathek.

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