„Pellets waren eine Bauchentscheidung“

Mittwoch, 28. Mai 2014 | Autor: Joachim Berner

Die Naturalis Energiesysteme GmbH aus Hemau bei Regensburg hat sich schon früh auf Pelletsheizungen spezialisiert. In den zehn Jahren seit ihrer Gründung hat die Firma weit über 600 Pelletskessel und -öfen verkauft. Im Gespräch mit erklärt Geschäftsführer Stefan Wastl, wie sich der Markt in dieser Zeit verändert hat und welche Ansprüche Kunden heute an die Technik stellen.

Herr Wastl, können Sie sich noch an Ihre erste Pelletsheizung erinnern?
Ja, aber das ist schon 13 Jahre her. Ich habe meine Pelletskarriere am 1. Mai 2000 bei dem Holzkesselanbieter Kiko in Willenhofen begonnen. Die erste Anlage haben wir noch am selben Tag bei einer Gewerbeschau verkauft – zusammen mit dem örtlichen Heizungsbauer.

Was hat sich seitdem technisch getan?
Jede Menge. Vor 13 Jahren haben wir den Käfer verkauft. Drei Jahre später, als ich mit meinem Partner Martin Volkmer mit der Naturalis Energiesysteme begonnen habe, sind wir dann auf die Kessel dr Firma Gilles umgestiegen. Das war technisch ein Quantensprung, vor allem in der Bedienbarkeit für den Kunden. Im Laufe der Jahre wurden die Kessel immer weiter verbessert. Mittlerweile lassen sie sich mit einer Touch-Steuerung regeln inklusive Fernwartung via Internet oder Smartphone. Die verbauten Steiner-Förderspiralen sind für eine störungsfreie Pelletszuführung unersetzlich. Die Reinigung der Wärmetauscher erfolgt vollautomatisch – genauso wie die Ascheaustragung. Bei meiner eigenen Anlage muss ich nur einmal im Jahr die Aschebox leeren.

War es früher einfacher oder schwieriger, eine Pelletsheizung zu verkaufen?
Kann man schwer sagen. Es war anders. Die Nachfrage war bei Weitem nicht so groß wie heute, dafür gab es weniger Mitbewerber. Mittlerweile steigt die Nachfrage kontinuierlich, dafür gibt es eine Vielzahl an Mitbewerbern am Markt. Unser Vorteil ist sicherlich der eigene Schauraum, in demsich die Kunden den Gilles-Pelletskessel mit Stückholzbetrieb und den Hapero-Pelletskaminofen mit Wassertasche live und in Funktion ansehen können.

Inwiefern haben sich die Ansprüche der Kunden in den vergangenen zehn Jahren geändert?
Sie legen viel mehr Wert auf Komfort. Bei der jüngeren Generation kommt die aktuelle Steuerung sehr gut an. Außerdem ist ein guter und erreichbarer Kundendienst wichtig.

Wie sind Sie auf die Pelletsheiztechnik gekommen?
Ich bin überzeugt, dass es im Leben eine Fügung gibt. Eigentlich habe ich für eine Bekannte einen Job gesucht. In der Arbeitsagentur am Computer – damals gab es das Internet noch nicht in der Form wie heute – habe ich von der Stelle bei Kiko gelesen. Da ich den Inhaber kannte und die Bekannte den Job nicht haben wollte, kam ich dazu.

Wo und wann haben Sie Ihr erstes Pellet in der Hand gehalten?
Beim Vorstellungsgespräch bei Kiko.

Waren Sie sofort überzeugt von dem neuen Brennstoff?
Ja, sofort. Der Wechsel war eine reine Bauchentscheidung. Die Umwelt war mir schon immer sehr wichtig. Und ein nachwachsender Rohstoff, unabhängig von den Öl- und Gasmultis, ist meiner Meinung nach – und das war sie vor 13 Jahren schon – die Zukunft.

Wie kam es zur Gründung von Naturalis?
Die Firma Kiko musste leider Insolvenz anmelden. Mein jetziger Geschäftspartner Martin Volkmer war ebenfalls bei dem Unternehmen beschäftigt. Als uns der damalige Geschäftsführer von der Schließung berichtete, war uns klar, dass wir das selber machen. Begonnen haben wir in einem Bürocontainer am Hof von Martin. Drei Jahre später haben wir gebaut. Den Markteinbruch 2007 haben wir mithilfe vieler guter Freunde überstanden. Nun hoffen wir auf eine gute Weichenstellung durch die neue Regierung, damit der Verkauf etwas leichter vonstattengeht.

Was war für Sie das schönste Projekt?
Wir hatten viele schöne Projekte: von einer Nahwärmeversorgung mit einer 150-Kilowatt-Pelletsanlage für 23 Reihenhäuser in Regensburg über mehrere tolle Einfamilienhausanlagen. Das wahrscheinlich schönste Projekt ist die Burg in Lupburg. Sie wird mit einer 85-Kilowatt-Anlage beheizt. Ansonsten sind wir auf jede Anlage stolz. Mittlerweile sind es mehr als 600.

Was müsste der Gesetzgeber aus Ihrer praktischen Erfahrung im Verkauf heraus ändern, damit sich der Modernisierungsstau im Heizungskeller auflöst?
Ich plädiere für die Einführung einer CO2-Steuer. Das wäre meiner Meinung nach das richtige Steuerungsinstrument. Aber bei dem Wahlversprechen der Regierung sieht es eher nicht danach aus. Uns würde die Unterstützung der Kaminkehrer vor Ort schon viel bringen. Sie genießen bei den Kunden ein hohes Ansehen. Ansonsten gilt, was wir immer tun: beraten und überzeugen.

Was erwarten Sie sich in den  kommenden zehn Jahren Naturalis?
Wir werden uns weiter zu 100 Prozent für den Pelletsmarkt einsetzen. Den Rest lassen wir auf uns zukommen.

Wie sieht der Pelletsmarkt dann aus?
Ich bin überzeugt, dass gerade beim Kesseltausch kein Weg an einer Pelletsheizung vorbeiführt. Wenn jeder Kunde hier ehrlich und fair beraten würde, wären wir einen Schritt weiter. Da am Wärmemarkt ein riesiges Potenzial für die CO2-Reduktion steckt, hoffen wir weiterhin auf klare Vorgaben der Regierung, damit sie ihre Klimaschutzziele erfüllen kann. Letztendlich ist jeder für unsere Umwelt verantwortlich und sollte auch so handeln.

Weitere Informationen: www.heizen-mit-holz-und-sonne.de

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