Im Oktober hat das Brennstoffhandelsunternehmen Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH aus Münster erstmals eine Pelletslieferung per Schiff bekommen. Im Interview mit Pelletshome.com spricht Geschäftsführer Oliver Korting über den Import, den internationalen Handel und die Qualitätsanforderungen des umweltfreundlichen Brennstoffs.
Was sind Ihre Gründe für Pelletsimporte?
Speziell für die nachfragestarken Wintermonate müssen wir ausreichende Lagerkapazitäten in Norddeutschland vorhalten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Denn in den nördlichen Bundesländern sind die Produktionskapazitäten eng begrenzt. Unsere Kunden wollen und müssen aber schnell mit Ware beliefert werden. Dazu bedarf es kurzer Wege. Um diese kurzen Wege einhalten zu können, sind wir in Norddeutschland auf Importware angewiesen.
Woher stammen die Holzpellets?
Holzpellets werden schon seit geraumer Zeit nicht mehr nur national oder gar regional gehandelt, sondern auf dem internationalen Markt. Dieser Entwicklung können wir uns nicht verschließen. Daher sondieren wir in verschiedenen Ländern Bezugsmöglichkeiten, auch in Übersee.
Wie stellt sich für Sie eine Kalkulation mit heimischen Pellets im Vergleich zu Brennstoff aus Übersee dar?
Unsere Kalkulation kann ich hier natürlich nicht offenlegen. Generell gilt: Für Importware fallen durch die Zwischenlagerung und die Siebung weitere Kosten an, die wir bei der Preisbildung berücksichtigen müssen. Wir können aber dennoch ein hochwertiges Produkt zu einem wettbewerbsfähigen Preis anbieten.
Auf der einen Seite klagen Verbraucher in letzter Zeit über steigende Preise, auf der anderen Seite arbeiten Pelletshändler unter einem enormen Kostendruck. Sehen Sie die knappen Margen im Pelletsgeschäft als grundsätzliches Problem an?
Ich würde nicht von einem grundsätzlichen Problem sprechen. Enge Margen sind wir auch aus anderen Handelsbereichen gewohnt. Genau deshalb haben wir Logistikkooperationen mit Raiffeisen-Partnern geschlossen, um hier kostenorientiert vorzugehen. Aus Sicht der Verbraucher führt der intensive Wettbewerb insgesamt zu guten Preisen.
Werden Sie die Importpellets gesondert vermarkten, sprich: Wird es für den Verbraucher offensichtlich sein, dass es sich um Ware aus den USA handelt?
Unabhängig davon, aus welchem Land die Pellets importiert werden, wichtig ist, dass sie nach den bei uns geltenden Qualitätsanforderungen produziert sind. Raiffeisen Bio-Brennstoffe und seine Kooperationspartner garantieren ihren Kunden Ware, die nach ENplus A1 zertifiziert ist. Das Herkunftsland spielt unter diesem Gesichtspunkt also keine Rolle.
Holzpellets galten bislang im deutschen Markt als regionales Produkt. Verbraucher machen sich angesichts der langen Transportwege Gedanken über die Nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeit lässt sich heute nicht auf die regionale Herstellung reduzieren. Wie ich schon erwähnt habe, ist die Pelletsproduktion auch in anderen Ländern vergleichbar mit der deutschen. Bei einer Pelletseinfuhr per Schiff werden sehr große Mengen auf einmal transportiert. Wir vermeiden dadurch auf der anderen Seite teilweise auch Lkw-Fahrten von süddeutschen Produktionsstätten nach Norddeutschland.
Sie handeln schon seit langem mit Holzpellets. Ist es in den vergangenen Jahren schwieriger oder leichter geworden, Holzpellets zu verkaufen?
Die Anzahl der Pelletsheizungen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, hat sich seit 2007 mehr als verdreifacht. Allerdings steht nach wie vor jede zweite Pelletsheizung in Süddeutschland. In den nördlichen und östlichen Bundesländern gibt es noch reichlich Luft nach oben. Dieses Potenzial wollen wir gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern heben. Das ist alles andere als eine leichte Aufgabe.
Weitere Informationen: www.raiffeisen-bio-brennstoffe.de
Was bisher als Verkaufsargument diente, Förderung der einheimischen Wirtschaft und Schutz der Regenwälder wird mit diesen Schiffsimporten zunichte gemacht.
Unser sogenannter Wohlstand ist engstens mit dem Erdöl verbunden – Bekleidung, Pharma, Fortbewegung etc. – wie können wir so ignorant sein dieses als Heizöl beim Kamin hinaus zu blasen (Heizöl ist kein Reststoff).
Je mehr Möbel und Bauholz produziert werden – desto mehr Rohstoff für Pellets (Pellets ist Reststoff).
Übrigens – ein internationaler Pelletsmarkt garantiert ihnen eine warme Stube, wobei Deutschland und Österreich mehr exportieren als importieren – spart/bringt Devisen.