Hans Martin Behr: “Einen fossilen Backup braucht es nicht!”

Dienstag, 17. Dezember 2019 | Autor: Joachim Berner

Hans Martin Behr Hans Martin Behr Pelletsanlagen bieten sich für kommunale Einrichtungen und Wohnbauten als umweltfreundliche Heizungen an. Worauf Kommunen dabei achten müssen, erklärt Hans Martin Behr im Interview. Er arbeitet als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Holzfeuerungsanlagen.

Herr Behr, aus welchen Gründen setzen Kommunen so schleppend auf Holzpellets als Heizbrennstoff?
Meiner Erfahrung nach setzen die ausführenden Ebenen einer kommunalen Verwaltung oder eines kommunalen Eigenbetrieben ungern auf Holzpellets oder Hackschnitzel, weil die Wärmeerzeugung mit Heizöl oder Gas bequemer ist und weniger Arbeit macht. Die oberen Ebenen hingegen nehmen ihre in kommunalen Agenden oder Klimazielen formulierten Verpflichtungen unterschiedlich ernst. Dort, wo man diese Ziele erreichen möchte, werden Pelletsheizanlagen geplant und umgesetzt. In diesen Fällen ist es wichtig, die Hausmeister und andere ausführende Personen der unteren Ebene auf dem Weg der Umstellung mitzunehmen. Ansonsten wird die Pelletsheizung schnell zu einer Frust-Heizung.

Wie bewerten Sie die Wirtschaftlichkeit von Pellets im Vergleich zu fossilen Energieträgern?
Kleine Anlagen mit Leistungen bis 20 Kilowatt sind aufgrund der höheren Investitionskosten teilweise schwierig zu rechnen. Im Leistungsbereich zwischen 20 und 200 Kilowatt ist eine Wirtschaftlichkeit in der Regel immer gegeben. Bei großen Anlagen über 200 Kilowatt kommt es auf den Rahmenvertrag mit dem Gasversorger und auf den zu betrachtenden Zeitraum an. Der momentane Gaspreis bei großen Abnahmemengen macht es für Pellets im großen Leistungsbereich schwierig, zu konkurrieren. Bei Öl hilft eine Beispielrechnung: Ein Heizölverbrauch von 10.000 Litern im Jahr entspricht einem Pelletsverbrauch von 20 Tonnen, die je Tonne etwa 225 Euro kosten. Das bedeutet, dass Pellets der wirtschaftlichere Brennstoff sind, wenn der Heizölpreis für die Beispielanlage mehr als 42 Cents pro Liter beträgt. Kalkuliert man mit einer realistischen Preissteigerung der fossilen Brennstoffe – entweder wegen ihrer Knappheit oder wegen der CO2-Besteuerung –, dann ist eine Wärmeversorgung mit Pellets immer wirtschaftlich. Hinzu kommt, dass sich der Pelletspreis in den vergangenen 20 Jahren als relativ stabil erwiesen hat. Geringe Preisausschläge zeigen sich in erster Linie zwischen Sommer und Winter.

Pellets-Kaskade in Schloss Langenselbold Pellets-Kaskade in Schloss Langenselbold Auf was gilt es bei der Planung von Pelletsheizungen in kommunalen Einrichtungen oder Wohnbauten besonders zu achten?
Der Planer sollte sich mit Pelletsanlagen auskennen. Sowohl das Brennstofflager als auch die hydraulische Einbindung des Wärmeerzeugers unterscheiden sich erheblich von Heizöl- oder Gasanlagen. Suboptimale Ausschreibungsunterlagen stellen meist schon den Beginn von Problemen dar. Wenn der zu installierende Pelletskessel dann nur über den Preis gewählt wird, sind die Ausgangsbedingungen für seinen Betrieb nicht ideal. Eine gute Planung, ein guter Pelletskessel – der nicht der teuerste sein muss –, eine hydraulische Einbindung, die auf die Eigenarten von Feststoffheizungen eingeht, ein gut zu erreichendes Brennstofflager in ausreichender Größe sind der Schlüssel für eine langfristig gut funktionierende Pelletsheizanlage.

Welche typischen Schwierigkeiten treten bei der Planung auf?
Ein zu kleines Brennstofflager oder eine Achterbahn für die Befüll-Leitung sollten nicht geplant werden. Der Brennstoff Pellet erzeugt Bruch und Feinanteil beim Einblasen. Er sollte durch eine geeignete Leitungsführung minimiert werden. Die Reaktionsfähigkeit eines Pelletskessels hinsichtlich der Wärmeanforderung ist nicht so schnell wie bei einem Öl- oder Gaskessel. Deswegen sollte die Installation eines Pufferspeichers in Betracht gezogen werden.

Wie lassen sich Fehler im Betrieb vermeiden?
Wichtig ist, dass sich der Hausmeister zuständig fühlt. Er sollte den Aschekasten regelmäßig leeren und die Anlage zweiwöchentlich kontrollieren, um eventuelle Probleme frühzeitig zu erkennen. Das Nachfüllen des Lagers sollte erst erfolgen, wenn es beinahe geleert ist. Ein beliebter Fehler in kommunalen Gebäuden und Mehrfamilienhäusern ist es, das Lager aufzufüllen, wenn noch erhebliche Restmengen an Pellets vorhanden sind. Ein ständiges Drauftanken erhöht den Feinanteil im unteren Bereich des Lagers. Pellets können dann entweder nicht mehr nachrutschen oder die Austragungseinrichtung kann verstopfen.

In welchen Fällen würden Sie sich für einen fossilen Backup-Kessel entscheiden?
Bei Hackschnitzeln im kommunalen Bereich immer, bei Pellets kann über mehrere Kessel die Betriebssicherheit erhöht werden. Ein fossiler Backup ist nicht notwendig.

Der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband hat im vergangenen Jahr eine Broschüre zum Thema herausgebracht. Das 90-seitige, kostenfreie Heft “Pelletheizungen in kommunalen Einrichtungen, Wohnungsbau, Gewerbe und Industrie” beantwortet Fragen rund um das Heizen mit Pellets. Über 50 Anlagenbeispiele zeigen, wie Pelletsheizungen effizient und wirtschaftlich betrieben werden.

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